Die Anstalt – Wiederholung nächsten Sonntag 21 h (3sat)

Von , am Montag, 23. Oktober 2017

von Dieter Bott

GAULAND –der hässliche waldschrad und edelfaschist bezeichnet nach der wahl die Afd-mitglieder –anhängerschaft und abgeordnete
Als EINEN GÄRIGEN HAUFEN —und DIE REGIERUNG-? —SIE SOLLE SICH WARM ANZIEHEN-
WIR WERDEN SIE JAGEN—„(gauland)

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was macht URBAN PRIOL mit dieser steilvorlage? –er liest aus dem wörterbuch sämtliche synonyme für „GÄRIG“ vor: Weiterlesen

Trump & Erdogan – die Kriegsgefahr nebenan

Von , am Montag, 23. Oktober 2017

Es wird bei uns kaum noch beachtet und es dominiert die Schadenfreude: mögen sie sich doch die Köppe einschlagen, es trifft schon keinen Falschen. Wenn es so wäre …. Bedauerlicherweise sind die Rabauken Herrscher nicht unerheblich grosser Staaten, mit denen wir „gute“, oder sagen wir besser: intensive Beziehungen unterhalten. Die Jungle World, Autor Jan Keetman, gibt einen dankenswerten Überblick, wie hoffnungslos sich die US-türkischen Beziehungen verknotet haben. Zahlreiche Menschen dazwischen, die nichts dafür können, aber drunter leiden.
Eine aktuelle Studie der Stiftung für Wissenschaft und Politik (SWP) erkennt ausserdem, wie Trumps USA am Persischen Golf, einem Krisenzentrum politischer und militärischer Konfrontation an Einfluss verlieren, das aber die Lage nicht verbessert sondern zusätzlich kompliziert. Nach Ansicht des Autors Marco Overhaus ein Thema für die Koalitionsverhandlungen. Doch werden sie uns auch Ergebnisse dazu verraten?

Schwarze Sportler*innen-Emanzipation – ein Jahrhundertwerk

Von , am Montag, 23. Oktober 2017

Die USA sind immer noch das Referenzland für die Emanzipation nichtweisser Menschen. Der Sport spielt dabei eine Avantgarderolle. Was in den USA passiert, wird über globalisierte Medien weltweit verbreitet. Und derzeit finden dort mal wieder intensive bedeutende Auseinandersetzungen statt, im Guten wie im Schlechten.
Zwei der besten sportjournalistischen Produkte hierzulande haben sich gestern dieses Themas angenommen. Das Sportgespräch im Deutschlandfunk diskutierte das Thema mit zwei deutschen Wissenschaftlern und ordnete es in lange historische Linien ein. Ich teile Wolfram Eilenbergers dort geäusserte Bewertung, dass Muhammad Ali der vermutlich „größte“ Sportler des 20. Jahrhunderts war. (eine Mitschrift steht noch aus, aber nachhörbar, 30 Min.)
Sport inside (WDR-Fernsehen) berichtete mit klugen Interviewpartnern über den Diskurskampf in den USA. Zusätzlich im Internetangebot: ein Interview mit John Carlos, 200m-Medaillengewinner, der die Olympia-Siegerehrung 1968 zusammen mit Tommie Smith zur politischen Demonstration nutzte. Ein unvergesslicher Wettbewerb mit dem ersten Läufer unter 20 Sekunden.

Genusspolitik in unserer Region

Von , am Montag, 23. Oktober 2017

Während ich dies schreibe, diskutiert der Deutschlandfunk „Wie rechts kann die Union noch sein?“, ein Problem, das manche Redakteur*inn*e*n dieses Senders wohl wirklich stark beschäftigt. Realoorientierter ging es gestern auf dem gleichen Sender zu, in der immer hörenswerten (und nachhörbaren) Sendung „Zwischentöne“. Dort war der Filmemacher Valentin Thurn zu Gast. Ein oder zwei seiner Filme habe ich schon gesehen, neu für mich war, dass er sich auch in einem „Ernährungsrat“ der Stadt Köln engagiert.
Einerseits haben wir es in dieser Region sehr gut, was die Versorgung mit und das Angebot von ökologisch produzierten und vielfältigen, schmackhaften Lebensmitteln betrifft. Andererseits gibts auch hier um die Ecke noch die industriell orientierte Landwirtschaft, die für Artenschwund und Insektensterben mitverantwortlich ist.
Ich fahre regelmässig mit dem Fahrrad von Beuel nach Porz. In Porz-Lind gibt es eine Stelle, von der aus bei klarem Wetter gleichzeitig der Dom und der Bonner Posttower zu sehen sind. So faszinierend so ein Moment ist, sagt es doch auch, dass da dem Blick keine Vegetation im Weg steht, sondern das eher Ähnlichkeit mit einer Wüste hat.
Ergänzend zu Thurns Ausführungen noch der Hinweis auf die Regionalwert AG Rheinland, die hier in der Region am gleichen Thema politisch und ökonomisch arbeitet, von der Produktion bis zum Teller.

Bourdieu / NSU-V-Mann / China / Bierwerbung

Von , am Sonntag, 22. Oktober 2017

Der 2002 verstorbene Pierre Bourdieu, hierzulande kaum bekannt, ist in Frankreich ein Klassiker linker Theorie. Michael Hirsch und und Rüdiger Voigt haben ihm unter dem Titel „Symbolische Gewalt“ ein Buch gewidmet, zu dem Hirsch hier ein lesenswertes PR-Interview gibt.

Thomas Moser setzt seine Aufklärungsarbeit zum NSU-Mordserienskandal fort. Heute geht es um den V-Mann (und Ex-Stasi-Mann) Thomas Starke.

Zum Volkskongress auf Oxiblog eine Zusammenfassung der volkswirtschaftlichen Kennzahlen Chinas.

Nichts nervt mich am teuren Pay-TV in meiner Fussballkneipe mehr, als dass selbst die nicht auf die nervende lautstarke TV-Werbung verzichten. Hier erklärt ein Fachmann, dass Werbung für Bier sogar für die Auftraggeber schädlich ist. Aber können die lesen?

Das Wir wird enger

Von , am Sonntag, 22. Oktober 2017

Ein Unternehmen, das von sich behauptet Gemeinschaft zu stiften, zerstört sie. Diese Widersprüchlichkeit ist im Kapitalismus nichts Ungewöhnliches, das kannte schon George Orwell. Dagegen war Margret Thatcher mit ihrer These „There is no society“ in den 80er Jahren (zu?) offen und ehrlich. Facebook ist wohl deswegen das „erfolgreichste“, also am teuersten bewertete Unternehmen, weil es der adäquateste Ausdruck des aktuellen digitalen Kapitalismus ist. Sein Unternehmenszweck ist, der Werbeindustrie zu ermöglichen, uns so nah auf die Pelle zu rücken, wie sie es zuvor nur erträumen konnte. Und wie wir es, wenn wir gefragt worden wären, vermutlich nicht erlaubt hätten.

Das können wir lernen aus dem Radioessay „Das Produkt bist Du. Über Facebook“ von John Lanchester, den der Deutschlandfunk heute (2.Teil am nächsten Sonntag, 9.30 h) sendete.

Ich habe einzelne Einwände, Weiterlesen

Benko – läuft alles

Von , am Samstag, 21. Oktober 2017

Bonn, der Blinddarm von Signa, ist für Rene Benko kein Grund, eine Augenbraue zu bewegen. Interessanter ist, leider auch für Bonn, was ihm bald wie eine reife Frucht in den Schoss fallen kann. Der Kaufhof wird, wenn er nicht vollends verfaulen soll, bald vom Baum seines kanadischen Besitzers Hudson Bay runterfallen müssen – wie praktisch, dass es jetzt Ceta gibt.
Die Kanadier haben ein für das Grosskapital überlebtes Geschäftsmodell: Einzelhandel. Viel zu unrentabel, hat viel zu viel mit Menschen zu tun. Alles, was zuviel mit Menschen zu tun hat, mit arbeitenden Menschen, ist viel zu kompliziert, erfordert Zeit, für Kommunikation, kurz: zu hohe Kosten.

Benko handelt nicht mit Textilien, Fernsehern, Kochtöpfen und lebenden Fischen (um die Lebensmittelabteilung des Kaufhof wäre es wirklich schade), sondern mit Geld. Dieses wäscht er in Immobilien. Beides hat konkurrenzlose und sichere, sich aktuell immer weiter aufblasende Profitraten. Damit das fluppt, muss man nicht viele arbeitende Menschen bezahlen, sondern nur ganz wenige Politiker*innen, mehr Aufwand pro Person, aber doch im Gesamtaufwand lächerlich gering, bei aktuell fallenden Preisen – „die Politik“, das kann jede*r erkennen, wird ja auch objektiv immer billiger. Die Welt, der Kapitalismus, kann – vom schönen Österreich aus gesehen – nicht schöner sein.

Weltsensation: Sozis über 37% – und bald an der Regierung

Von , am Samstag, 21. Oktober 2017

Als Kind habe ich mir immer folgendes Bild von Neuseeland gemacht: wenn ich hier ein Loch grabe, immer tiefer und tiefer, und mehr Glück habe, als ich für „6 im Lotto“ brauche, dann komme ich in Neuseeland wieder raus. Dort geschehen derzeit politische Wunder, die wir uns auf dieser Seite der Erde nicht mehr vorstellen können. Die Sozialdemokraten haben dort über 37% geholt, Wunder 1. Sie sind dort im Bündnis mit den Grünen, Wunder 2. Und obwohl nicht „stärkste Partei“ geworden, sind sie bündnisstrategisch so intelligent (Wunder 3), dass Jacinda Ardern, die 37 Jahre junge Frau an ihrer Parteispitze (Wunder 4 für jung, und 5 für Frau), die Partei der Maori, die bisher immer von den Konservativen (46%) gekauft wurde, mit rassismusfremdem Respekt und Achtung (Wunder 6) auf ihre Seite zieht (Wunder 7). Tom Appleton schildert das auf Telepolis, so dass ich mich an den Willy Brandt von 1969 erinnert fühle (weibliche Wiedergeburt?, Wunder 8).

Doch zurück zur deutschen Wirklichkeit, in der Sozialdemokraten und ihre linken Stiefkinder zusammengezählt nicht mehr so viel schaffen, wie ihre Genoss*inn*en in Neuseeland.
Ulrich Schulte (taz) gelingt ein wirklichkeitsnahes Portrait von Jürgen Trittin.
Und Stefan Reinecke beschreibt Phänomene aus der sich „Die Linke“ nennenden Partei, die ich an anderen Stellen schon ganz ähnlich gesehen habe.
Weiter rechts die gleichen Probleme: Ulrich Horn analysiert die Rolle von Jens Spahn. Ob er verglüht, wie Friedrich Merz, und sich lieber fürs Reichwerden entscheidet?

Was mit Medien / Chinas Volkskongress

Von , am Freitag, 20. Oktober 2017

Sascha Lobo (Sp-on) und Jens Berger (Nachdenkseiten) schreiben zur aktuellen Legitimationskrise „der Medien“ – typischer Fall von beide haben recht.
dpa meldet den medienpolitischen Wasserstand von der Ministerpräsidentenkonferenz, Ex-Jungdemokrat Benjamin Hoff schreibt in der Freitag-Community seine Position als Chef der thüringischen Staatskanzlei (rot-rot-grüne Koalition).
René Martens bewertet im MDR-„Altpapier“ den bisherigen Streit um die Deutung der RAF im Tatort von Dominik Graf. Update 22.10.: Eine Deutung, die meine volle Zustimmung findet, von Peter Körte in der FAS.
Ein Beispiel für seriösen Journalismus im hitzigen Gefecht: Thomas Pany (Telepolis) zum Streit um die Untersuchungen zum Insektensterben.

In der grössten Weltmacht unserer Tage ist Volkskongress. Falk Hartig schreibt in den Blättern zur politischen Ausgangslage, ND-Chef Tom Strohschneider im Oxiblog zur widersprüchlichen Wahrnehmung Chinas hierzulande.
Kai Strittmatter kommentiert das Ereignis im SZ-Leitartikel. Er übersieht beim scheinbaren Sytemgegensatz vielleicht, dass eine deutsche Innenministerkonferenz an der von ihm beschriebenen Herrschaftsform auch Gefallen finden könnte. Und wie viele EU-Innenminister würden sich denn wohl dagegen wehren? Ganz zu schweigen von den kalifornischen Konzernemmissär*inn*en, die Schlangestehen, um unter kommunistischen Türritzen in China durchkriechen zu dürfen, der „großen Märkte“ und Datenmengen wegen. Ärgerliches Problem: sie werden nicht mehr erhört, die chinesischen Oligarch*inn*en, gierig wie unsere, wollen alles für sich.

Terror Togo Trump CSU Katalonien

Von , am Freitag, 20. Oktober 2017

„… war den Behörden bekannt.“ Sicher wäre es eine demagogische Zuspitzung zu behaupten, die Geheimdienste machten den Terror selbst, einfach um ihre eigene Bedeutung zu erhöhen, und um ihren Bemühungen um mehr Zuständigkeiten und Ressourcen Nachdruck zu verleihen. Obwohl: manchmal bedarf es dieser Behauptung nicht. Schon Johannes Rau wollte unmittelbar zurücktreten vom Amt des NRW-Ministerpräsidenten, als er erfuhr, dass der Kampfschulen-Leiter in Solingen, Anleiter der Attentäter auf das Haus einer türkischen Familie, als V-Mann einer seiner Angestellten war. Nun scheint es sich im Fall Amri wiederholt zu haben. Wir könnten es bei einem „Siehste!“ bewenden lassen. Geheimdienste und Geheimpolizeien sind für eine Demokratie systemwidrig. So lange ihre Abschaffung nicht durchsetzbar ist, eine „Jamaica“-Koalition lässt das jedenfalls nicht erwarten, muss mindestens die Arbeit mit sog. „V-Leuten“ problematisiert werden.

Von der Qualität der Afrika-Berichterstattung der taz bin ich, seit es diese Zeitung gibt, noch nie überzeugt worden. Die bessere LeMonde diplomatique erscheint aber leider nur einmal im Monat. Im Korrespondent*inn*en-Netz deutscher Medien sind die meisten afrikanischen Länder nicht vorgesehen. So muss man über politik- und inhaltsarme Berichte, wie diesen aus Togo, schon dankbar sein, dass wir überhaupt was erfahren.

Ganz anders die USA, aus denen jeder Furz seziert wird. Aber es gibt Perlen strategischer Bedeutung, wie diesen Hinweis von Frauke Steffens in der FAZ auf Stephen Bannons Feldzug in der Republikanischen Partei.

Albert Schäffer berichtet im gleichen Blatt zum aktuellen Stand der Bayrischen Erbfolgekriege.

Gestern Abend interviewte der DLF erstmals mit dem Bremer Romanisten Axel Schönberger einen Wissenschaftler, der die katalanische Position vertreten konnte. Der Interviewer des Senders flippte regelrecht aus und unterbrach ständig mitten im Satz, weil er diese Meinung anscheinend noch nie wahrgenommen hatte (Audiofassung anhören).