Kompliment BVB – Ansätze zur Weltklasse

Von , am Mittwoch, 7. Dezember 2016

Wie schwer die Krise meiner Lieblingsmannschaften, Barca und der Borussia vom Niederrhein ist, hat man heute in Madrid gesehen. Gegen dieses Real Madrid konnte Barca zuhause nicht gewinnen, und bei diesem Barca ging meine Borussia unter.
Der BVB hat heute gezeigt, wie schlagbar Real ist, was für eine mittelmässige Mannschaft diese Ansammlung von unbestrittenen Weltklassestars zusammen bildet. Wie bei Barca ist das Strukturproblem, im Defensivspiel die Ruhepausen und defensiven Unvollkommenheiten der Stürmerstars zu kompensieren. Die Stars sind gut zum Strahlen, fürs Spektakel, fürs Marketing; für Mannschaften sind sie ein großes Problem. Ich erinnere nur daran, dass Portugal das EM-Finale gegen Frankreich gewann, als Ronaldo verletzt ausgeschieden war.
Der BVB, als Mannschaft immer noch unvollkommen in der Umbruch- und Findungsphase, hat die Schwächen von Real heute intelligent offengelegt. Pepe fehlte, Ramos wird nicht mehr schneller, ein harmonisches Ensemble sind die nicht. Die BVB-Youngster Dembele und Pulisic hatten Probleme ins Spiel zu finden, doch für ihre spielerische Reifung war es mit Sicherheit ein epochales Ereignis. Sofort voll da war der kurz vor Schluss eingewechselte Däne mit türkischen Verwandten Emre Mor. Wie er vor dem Ausgleichstor den Ball eroberte und mit einem Zauberpass Aubameyang auf die Reise zur Torvorbereitung des 2:2 von Marco Reus schickte, das findet Platz in zukünftigen Lehrfilmen. Der ist 19!
Marco Reus, verdammt. In all seinen Verletzungspausen schätze ich uns Gladbach-Fans glücklich, dass “wir” für ihn noch so viel Geld bekommen hatten. Die Führerscheingeschichte hatte sogar Borderline-Charakter, persönlich in jeder Hinsicht dramatisch. Doch wenn man ihn spielen sieht, ist das alles vergessen. Stoff für eine weitere Legende.
Monsanto Leverkusen spielte heute auch, in einem kleinen Stadion, das dennoch nur halbvoll war. Merkwürdig, an der sportlichen Leistung lag es nicht. Also woran dann?

Katastrophe am Mekong / Ukrainische Friedensbewegung / Leggewie

Von , am Mittwoch, 7. Dezember 2016

Vor zwei Monaten wies ich hier auf einen Bericht über eine Ökokatastrophe an vietnamesischen Fischbeständen hin, seinerzeit hervorgerufen durch Industrieabwässer. Folgeberichte in irgendeinem deutschsprachigen Medium konnte ich nicht entdecken. Die deutsch-vietnamesischen Beziehungen sollen wohl nicht belastet werden. Nun berichtet eine internationale Wissenschaftszeitschrift über eine Ökokatastrophe am Mekongfluss, in Thailand, Laos, Kambodscha und Vietnam, hervorgerufen durch die zahlreichen Staudammbauten im Flußverlauf (dt. Fassung in der SZ). Die ökologische Katastrophe kann ebensolche ökonomische Auswirkungen haben, Vietnam ist ein bedeutender Fischexporteur nach Europa (500.000 Tonnen in die EU).

Friedens-Flashmobs in der Ukraine, Bahnhofshallen als Resonanzraum, eine ukrainische Form von “Loss’ mer singe”. (Telepolis)

Claus Leggewie wendet sich im Telepolis-Interview gegen falsche EU-Kritik.

Leitkultur und Sex

Von , am Dienstag, 6. Dezember 2016

Das Geschwätz von Leitkultur war schon immer schwer erträglich. In einem etwas schwergängigen Essay in der FR wird heute ein weiteres Mal erklärt, warum es mit unserer Demokratie nicht vereinbar ist.
Etwas bildstärker wird es aktuell in der europäischen Sexpolitik, europäisch, nicht morgenländisch! Die Missbrauchsaffäre im englischen Fußball (der Herren) hat in einer Weise publizistische Fahrt aufgenommen, dass es kaum noch nachzuzeichnen ist. Es gibt jedoch auch Beispiele aus der Zeit der glorifizierten “sexuellen Revolution”, die im Kern wohl nur eine Modernisierung der Ausbeutungsverhältnisse war. Was die früh verstorbene und verehrungswürdige Schauspielerin Maria Schneider seinerzeit mit “modernen” Männern ihrer Branche erleben musste, und was sie vermutlich für den Rest ihres Lebens traumatisiert hat, wie würden wir das heute einer “unterdrückten Kopftuchfrau” erklären? Wie konnten Männer mit dieser Arbeitsweise ihre Berühmtheit steigern und Preisehrungen aller Art sammeln? Was daran war noch mal genau “emanzipatorisch”?

FC Internationale Berlin macht Fußballpolitik / Griezmann

Von , am Dienstag, 6. Dezember 2016

Ein gesellschaftspolitisch anspruchsvoller Fußballverein, der FC Internationale Berlin. Von seinem Ansatz können selbst Sarah Wagenknecht und Oskar Lafontaine noch was lernen. Aktuell macht er wirkungsvoll Fußballpolitik, jedenfalls so wirkungsvoll, dass ein Polit-Vollprofi wie DFB-Chef Grindel dafür nicht wenig eigene PR-Arbeit investiert. Ein Anfang.
Wieviel Respekt es international für das deutsche Fußballbusiness gibt, artikuliert Antoine Griezmann, der Schrecken deutscher Abwehrketten, in diesem lesenswerten WAZ-Interview.

van der Bellen / Big Data / Trump&Gore / Kenia&China

Von , am Dienstag, 6. Dezember 2016

Das bemerkenswerte an der Wahl in Österreich war nicht das Ergebnis, sondern was sich dahinter verbirgt. Robert Misik hatte es schon am Samstag vor der Wahl in der taz beschrieben: es gab tatsächlich eine gesellschaftliche Bewegung, die sich hinter der Figur van der Bellen gegen die Figur Hofer, und damit für und gegen alles, für was diese Figuren stehen, versammelte und zum gemeinsamen Handeln – über Wählen hinaus! – entschlossen war. Diese strategische Bündelung ist das Erfolgsrezept, das ein mögliches deutsches Rot-Rot-Grünes Bündnis bisher schuldig bleibt, und deswegen – bisher – keine realistische Mobilisierungs- und Erfolgsoption ist.
Evgeny Morozov weist auf ein weiteres inhaltliches Defizit der kapitalismuskritischen Linken in der Netzpolitik hin. Gestern hatte ich auf die “Magazin”-Reportage zur Big-Data-Strategie von Trump, also einem scheinbar gestrigen, tatsächlich aber klandestin-ultramodernen Radikal-Neoliberalen hingewiesen. Viele Kommentator*inn*en ergehen sich heute in der moralsauren Frage, ob “das” nun “schuld” an Trumps Wahlsieg sei. Nichts ist langweiliger, als sich darüber heisszudiskutieren. Es ist passiert und hatte ein Ergebnis, und zwar einen Erfolg. Es wird also so weitergehen und verstärkt werden. Was ist darauf eine linke, alternative, bürgerrechtliche Antwort?
Die ganze Welt rätselt, welche politische Strategien Trump verfolgen wird. Das weiss er ganz offensichtlich selber nicht. Darum kämpfen in den USA und auch global alle professionellen Lobbystrateg*inn*en, deren Arbeit nach dem Wahlergebnis erst so richtig losgegangen ist. Welche Politik seine Administration machen wird, wird auch eine gesellschaftliche Resultante der fortdauernden gesellschaftlichen und globalpolitischen Kämpfe sein.
Während der sich auflösende Westen darüber etwas orientierungslos dahertaumelt, dreht die Welt sich weiter, z.B. bei diesem kenianisch-chinesischen Eisenbahnprojekt, das erst der Anfang eines großen afrikanischen Dings sein soll. Da kommen die US-amerikanische und europäische “Entwicklungspolitik” aus dem Staunen nicht mehr raus. Mit Bundeswehrexpeditionen hier und da kommen sie da nicht gegen an.

Mike Mennen – Schlucken ist Arbeit

Von , am Montag, 5. Dezember 2016

Für mich ist er die Spinne im Netz. Im Bistro “El Horizonte” am Adenauerplatz melden sich alle eintreffenden Gäste bei ihm an, und alle fortgehenden ab. Alle Fußballinteressierten fragen ihn nach seiner aktuellen Meinung, alle andern, wie es ihm geht. Antwort: Schlucken ist Arbeit.
Letzten Mittwoch bekam er eine neue Herzklappe eingebaut, die vierte Herz-OP, mit 81. Jetzt geht der körperliche Aufbau wieder von vorne los. Denken und Sprechen funktioniert schon, für alles andere ist Geduld erforderlich. Gymnastik-Unterricht ist durch das Fachpersonal schon angedroht.

Viele gute Fußballnachrichten konnte ich ihm nicht ins Krankenhaus in Siegburg bringen. Reals-Ausgleich gegen Barca in der letzten Minute, Schwalbentor von RB Leipzig, Heimniederlage des BSC, Bezirksliga-Ausgleichstor gegen Beuel 06 durch geschundenen Freistoß in der Nachspielzeit: immerhin 3:3 gegen den Tabellenzweiten Spich. Mönchengladbach erobert die Tabellenspitze zurück, in der Regionalliga, mit einem 4:1-Sieg wie gewohnt gegen Köln, Viktoria; Lucien Favre verteidigt die Spitze, mit Nizza, in Frankreich, immerhin praktizierte Politik für den Weltfrieden, denn er arbeitet gleichzeitig für US- und chinesische Investoren!

Geduld, für alles brauchen wir jetzt Geduld. Soviel Zeit muss ein, für die wichtigen Dinge im Leben.

NSU-Aktenvernichter / Putintrolle / van der Bellen / 2,3-Mio.-Demo / PC

Von , am Montag, 5. Dezember 2016

Zur Weißglut bringt es einen, wenn man für total bescheuert gehalten wird. Unser teurer “Verfassungsschutz” beherrscht diese Kunst spielend, und entwickelt leistungssportliche Qualitäten im NSU-Aktenvernichten und anschliessendem Balkenbiegen. (Telepolis)
Die deutsche Sehnsucht nach dem starken Führer beherrscht nach Meinung von Tomasz Konicz auch die leider überhaupt nicht ferngelenkten sondern ganz selbstständig agierenden Putintrolle. (Telepolis)
Ein lesenswertes Porträt des neugewählten österreichischen Bundespräsidenten veröffentlicht der in Graz lebende Bonner Nobert Mappes-Niediek. (FR)
Im Schatten der eurozentrischen Weltwahrnehmung demonstrieren 2.300.000 Koreaner*innen gegen ihre Präsidentin. (Telepolis)
Mely Kiyak erklärt uns noch mal in leichter Sprache die Sache mit der Politischen Korrektheit. (Zeit)

Nicht alle Polizistensöhne sind Mörder – kein Grund zur Ausweisung

Von , am Montag, 5. Dezember 2016

Große Aufregung um einen Mordfall an einer chinesischen Studentin in Dessau. Dessau? Das ist die Stadt und das Polizeirevier, wo sich einst der verhaftete und gefesselte Oury Jalloh selbst angezündet haben soll und trotz größter Anstrengungen der weissen deutschen Polizisten nicht mehr vom Ableben abgehalten werden konnte.

Nun wurde dort kürzlich eine chinesische Studentin ermordet. Tatverdächtig ist ein weißer deutscher Polizistensohn. Voreilige Schlüsse daraus sind jedoch nicht zulässig. Nicht alle weissen deutschen Polizisten sind deshalb mordverdächtig. Weder besteht Grund, sie alle aus dem öffentlichen Dienst zu entlassen, noch sie irgendwohin auszuweisen. Sie sind doch wie wir. Weiss, deutsch, wo sollen sie denn hin? Was sollen sie denn sonst arbeiten, sie haben doch nichts anderes gelernt als Polizist*in?

Vorwürfe gegen die Tagesschau sind absolut unberechtigt. Eine übertriebene Berichterstattung hätte zur unzulässigen Stigmatisierung von Polizei, Weissen, Dessau, Ostdeutschen, Deutschen insgesamt führen können. Unsere Exportmöglichkeiten und sonstigen Milliardengeschäfte könnten katastrophal geschädigt werden, das Leben für VW und Mercedes ist schon schwer genug, das Ansehen unseres ganzen Landes in China wäre gefährdet, dagegen sprächen alle nationalen Sicherheitsinteressen.

Vgl. dazu “Unsere täglichen Toten” von Margarete Stokowski (Sp-on).

Für Mindestrente von 1050 €

Von , am Montag, 5. Dezember 2016

von Matthias W. Birkwald MdB

CDU-Finanzstaatssekretär Jens Spahn behauptet, hierzulande gäbe es keine Altersarmut. Selbst die SPD sagt nun: Die viel zu niedrigen Renten für erwerbsgeminderte, chronisch kranke Menschen müssten steigen und der Sinkflug des Rentenniveaus müsse gestoppt werden. Immerhin: Von dem Unsinn, die Löcher der gesetzlichen Rente durch Riestern zu stopfen, hört man nichts mehr.
Was hatte der Koalitionsgipfel zur Rente gebracht? Nicht viel, denn selbst Arbeitsministerin Andrea Nahles (SPD) ist von den Ergebnissen enttäuscht. Finanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) zieht sie am Nasenring um den Kabinettstisch herum!

Konkret: Für künftig vorzeitig in Rente gehen müssende chronisch Kranke wird die sogenannte Zurechnungszeit um drei Jahre verlängert. Das wird den künftigen Erwerbsminderungsrentner*innen monatlich 50 Euro mehr bringen! Immerhin, aber aus der Grundsicherung kommt damit kaum jemand heraus: Weiterlesen