Archiv für den Monat: Juni 2016

Wissler / Vendome

Von , am Donnerstag, 30. Juni 2016

Gestern war ich von einer guten gutverdienenden Freundin zum Abendessen ins „Vendome“ (Schloß Bensberg) eingeladen. Ich selbst kann mir solche Lokale nur zum Mittagessen leisten. Denn unser Menü am Abend kostete rund 250 Euro (inkl. allem). Ist das dekadent? Nein. Was dort konsumiert wird, ist Kunst. Die meisten Kunstwerke sind entschieden teurer.
Kochkunst wie die von Joachim Wissler, ist wie die kulinarische Kunst ganz anderer Preislagen, ich nenne Jean-Marie Dumaine
oder Thierry Fournier, ein wertvolles und erhaltenswertes Kulturgut. Es ist vom Aussterben bedroht.
In Deutschland herrscht beim Essen der Geiz. Weiterlesen

Parteien zerlegen sich – nicht nur in England

Von , am Mittwoch, 29. Juni 2016

Wir erleben das Absterben und Implodieren des traditionellen Parteiensystems. Nein, nicht durch das Aufkommen von Rechtsnationalisten und Rassisten. Sondern durch ihre Selbstzerstörung. In anderen Ländern ersparen sich deutsche AuslandskorrespondentInnen über politische Aktivitäten außerhalb der Parlamente zu berichten. Darum ist es leider etwas Besonderes, wenn wir bei Jens Berger von den Nachdenkseiten eine Darstellung aus der englischen Labour Party bekommen, die nicht der Perspektive der 170 rechten Frondeure entspricht, sondern eher der Perspektive der hunderttausenden Parteimitglieder, die Mister Corbyn zu ihrem Parteivorsitzenden gewählt haben.
Dieser Selbstzerstörungsprozess ist keine englische Besonderheit. Im französischen Parteiensystem ist er schon viel weiter fortgeschritten. Und auch bei uns ist er unübersehbar für jede/n, der/die schon einmal einen ernsthaften Blick ins Innenleben unserer Parteien geworfen hat. Die Heftigkeit der internen selbstreferentiellen Machtkämpfe ist dabei umgekehrt proportional zu ihrer inhaltlichen, programmatischen und strategischen Grundierung. Das grundgesetzliche Recht und Gebot (!), dass die Parteien „mitwirken an der Willensbildung des Volkes“ (GG, Art. 21), wird immer weniger umgesetzt. Unsere Demokratien müssen völlig neue Partizipationsregeln und -instrumente entwickeln, und das mit hoher Geschwindigkeit. Sonst werden wir ihr Ableben noch erleben.

Bauerndeppen (II), Rechte Diskurstricks, Trump und weibliche „Reinheit“

Von , am Dienstag, 28. Juni 2016

Vor längerem habe ich mich hier über „Bauerndeppen“ aufgeregt. Ein für diesen Bereich verantwortlicher Minister muss sich natürlich anders ausdrücken. Niedersachsens Meyer macht das nach meinem Eindruck gut: nicht besserwissend und publicitygeil rumräsonieren, sondern machen, verändern (FAZ).

Diedrich Diedrichsen ist seit Jahrzehnten ein aufmerksamer Diskursanalytiker und hat diese Fähigkeit bis heute frischgehalten. Zu den Tricks der Rechten hier mehr (Jungle World).

Ein ehemaliger Warschauer-Pakt-Spion würde in den USA heute Trump wählen, weil er ein „ehrlicher Geschäftsmann“ und weniger korrupt sei. (Telepolis).

Wie auch zahlreiche Gutmeinende bis heute Vergewaltigungsopfern schaden, mit dem Mythos der weiblichen „Reinheit“ im Hinterkopf, beschreibt die kluge Theresa Bäuerlein (Krautreporter)

Brexit total

Von , am Montag, 27. Juni 2016

Rupert Murdoch, wir danken Dir. Du hast mit Deinen Medienmilliarden nicht nur den politischen Brexit durchgesetzt. Sondern auch den englischen Fußball so mit Deinem Geld zugeschissen, dass das heutige Märchen vom Fußball-Brexit durch ein 1:2 gegen „Fussballzwerg“ Island möglich geworden ist. Weiterlesen

Dumme weiße Männer

Von , am Montag, 27. Juni 2016

sollen uns das alles eingebrockt haben, meint Lalon Sander (taz).

Ebendiese Männer richten nach David Schalko (FAZ), dem derzeit besten Drehbuchautor und TV-Regisseur Österreichs, auch dort eine Spur politischer Verwüstung an.

Männerexperte Klaus Theweleit (Jungle World; der Papa des Sportjournalisten Daniel) beschreibt ihre Werke als Gewalttäter und Terroristen.

Selma Mahlknecht (Telepolis) macht sich Gedanken, wie wir Sonderschlanken uns wirkungsvoll gegen Diskriminierung, zumeist durch dumme weiße Männer, wehren können.

Und weiter gehen die Untersuchungen, ob und wie unser Staat mit den NSU-Nazis unter einer Decke steckte (Thomas Moser auf Telepolis).

EM: Ein Schwarzer führt Schland durchs Turnier

Von , am Sonntag, 26. Juni 2016

Sollen wir uns nun bei Gaulands AfD bedanken? Dass sie mit ihrem dummen Geschwätz Jerome Boateng zu einem weiteren Leistungssprung provoziert haben? Wahrscheinlicher ist, dass er auch ohne die rechten Spinner erfolgt wäre.

Nach der schwarzen Celia Sasic bei den Frauen, übrigens als Kind aus Bonn gebürtig, ihre Eltern leben noch heute hier, Weiterlesen

EM: Ruin des Nationalfußballs?

Von , am Sonntag, 26. Juni 2016

Vom gestrigen EM-Spieltag blieb ich verschont, weil ich zum 60. Geburtstag einer Freundin in eine für Bahnfahrer unwegsame Bergregion NRWs musste (und wollte). Bis gestern war der feste Glaube der Fans, dass an der fußballerisch überwiegend unansehnlichen EM-Gruppenphase die Aufblähung des Spiel- und Qualifikationssystems durch den kriminellen Michel Platini schuld war. Seit gestern wissen wir: es muss irgendwas anderes sein. Weiterlesen

EM: (Nord- oder)Irland jetzt klarer Favorit

Von , am Samstag, 25. Juni 2016

Die Vorhersagen stimmen weitgehend überein. Klarer Favorit bei der Fußball-EM ist (Nord- oder)Irland. Christian Eichler hat das in der FAZ für jeden nachvollziehbar analysiert. Durch das verwinkelte Spielsystem, das noch der heute von der Justiz verfolgte Michel Platini zu verantworten hatte, „droht“ ein „vorgezogenes Finale“ zwischen Irland und Nordirland schon im Halbfinale.

Jürgen Roth schreibt den Höhepunkt der spielfreien Tage

Von , am Freitag, 24. Juni 2016

Jürgen Roth lernte ich in den 90er Jahren in Erkenschwick kennen. Die damaligen linken Fußball-Fan-Initiativen tagten dort in einer Bildungsstätte der Falken. Dieter Bott stellte uns vor. Dass Roth viel gesprochen hätte kann ich mich nicht erinnern. Er schreibt, und das exzellent.
Zu seinen Fachveröffentlichungen gehören Texte zum Rauchen und zum Biertrinken, oft auf der Wahrheit-Seite der taz oder in der Jungen Welt. Skandalös scheisse bezahlt, so viel ist sicher. Spiegel-online zahlt zwar auch viel schlechter als der unnötige Papier-Spiegel. Immerhin haben sie die Sprachkritik Jürgen Roths erspäht und zu sich gelockt. Was er zum EM-TV schreibt stimmt alles.