Archiv für den Monat: Oktober 2016

Der neue Luther

Von , am Montag, 31. Oktober 2016

„Am siebten Tag erschuf Gott den 1.FC Köln“ glauben die Fans dort, als er am achten erschöpft und darob mies gelaunt war, entstand „1899 Hoffenheim“, so erzählten jüngst die Fans im – former known as – Müngersdorfer Stadion. Dieser Geschichtsklitterung werden wir in knapp drei Wochen im Borussia-Park die erforderliche Korrektur verpassen.
Ein anderer bedeutender Schriftsteller versucht sich an einer seriöseren Neuschreibung der Lutherbibel. Nicht antisemitisch, dafür aber bedeutend genussfreudiger, beschreibt Wiglaf Droste die ersten Schritte zur Erschaffung der Welt. Wenn er weiterschreibt, was ich grundsätzlich begrüssen würde, könnte u.U. der BVB eine größere Rolle bekommen als der FC. Eine vernünftige Strategie für eine höhere fußballwissenschaftliche Seriosität einer zukünftigen Droste-Bibel wäre, wenn er Burkhard Fritsche („BurkH“) als Illustrator hinzuzieht (hier jetzt einen Langnasen-Fan mit Haifischlächeln vorstellen). Schau’mer mal, was noch kommt.

Ostasien will den Fußball erobern

Von , am Montag, 31. Oktober 2016

Während die USA die weltweite Fußballmafia mit polizeilichen und staatsanwaltlichen Mitteln zu bekämpfen versuchen, versuchen es die Ostasiaten mit ökonomischen und infrastrukturellen Mitteln. Ich biete Wetten an, dass China sich die nächste verfügbare WM kaufen will. Inter und AC Mailand haben sie schon, auch einen relevanten Anteil von Atletico Madrid.
Japan ist nicht so aggressiv, hier läuft eine eher umgekehrte Marketingstrategie: im allgmeinen globalen Wettlauf, hält jeder international ambitionierte Verein einen Japaner in der Mannschaft, weil das seine dortige Vermarktbarkeit radikal vervielfacht. Wer wirkliche Wachstumspotenziale anstrebt, sollte die Frauen nicht vergessen – hier war Japan schliesslich bei der WM in Deutschland 2011 beeindruckender Titelgewinner, und beim letzten Mal 2015 wieder Finalteilnehmer. Aber so weit können die männlichen Fußball-Mänätscher-Jungs meist nicht gucken. Es soll schnell gehen mit dem Cash, bei den Frauen braucht man dafür zuviel Geduld.
So entstehen also erstmal neue Spielerberater-Berufsbilder, im unserer Region hat sich schon einer (von mehreren) auf japanische Jungs spezialisiert, wenig überraschend: er hat auch in Gladbach gelernt.

Schäuble, wo ist „unsere“ Billion hin?

Von , am Montag, 31. Oktober 2016

Wolfgang Schäuble ist derzeit der beliebteste deutsche Politiker. Für alle, die ein klein wenig von Volkswirtschaftslehre und ihrer internationalen Diskussion verstehen, ist das ein Rätsel und wird es wohl für immer bleiben.

Für Hoffnung ist es nie zu spät. Nach dieser Devise arbeitet die taz-Redakteurin Ulrike Herrmann, die jüngst darauf hinwies, dass das deutsche Kapital, dank seiner von Schäuble gestützten und propagierten wahnwitzigen Exportweltmeisterschaftsgier im Ausland zuletzt 1 Billion Euro verbrannt hat. Weg ist es. Wir müssen nicht traurig sein, es gibt sowieso zuviel Geld, nicht bei Ihnen oder mir, Weiterlesen

NSU – Endlose Blamage von Staat, Bürokratie und „Sicherheits“-apparat

Von , am Montag, 31. Oktober 2016

Verdienstvollerweise startet die taz eine (weitere) Serie zur NSU-Berichterstattung. Denn in nächster Zeit drohen ein paar Schlussstriche: mit dem Urteil gegen Frau Zschäpe und mit dem Ende der Legislaturperiode des Bundestages und seines Untersuchungsausschusses. Dabei häuften beide bisher viel mehr Fragen als Antworten an, weil dieser Staat, der qua Grundgesetz eine Demokratie zu sein hat, die Aufklärung be- und verhindert um vermeintliche Geheimnisse zu bewahren. Hajo Funke beklagt das zu Recht in seinem aktuellen taz-Beitrag.

Pascal Beucker berichtete am Wochenende über aktuelle Forschungsergebnisse zur Ausspähung der Grünen durch die Stasi. Zu Recht weist er am Schluss seines Textes darauf hin, dass die Ausspähung durch die westdeutschen Geheimdienste noch auf ihre Erforschung und Veröffentlichung wartet …..

Und Friedrich Küppersbusch kommentiert auf für ihn ungewöhnlich ausführliche Weise die Rezeption der Friedenspreis-Dankesrede von Carolin Emcke, auf die hier schon Dieter Bott eingegangen ist. Es komplettiert eine irritierende Bestandsaufnahme über unsere kollektive Geistesverfassung.

Hochzeit der Kriegstreiber (II)

Von , am Montag, 31. Oktober 2016

von Keegan Farley
Anhang zur Studie „Hochzeit der Kriegstreiber“, zum ersten Teil hier entlang

Liberale Interventionsten

Michèle Flournoy: CNAS-Gründerin. In der Obama-Regierung als Unterstaatssekretärin im Pentagon, lehnte den Posten der Verteidigungsministerin aber aufgrund ideologischer Differenzen mit Obama ab. Beraterin der HRC-Kampagne. Gilt als aussichtsreichste Kandidatin für den Posten als Verteidigungsministerin in einer möglichen HRC-Regierung.
Kurt Campbell: Arbeitete bis 2013 als Referatsleiter für Ostasien und den Pazifik im US-Außenministerium. Clinton gab ihm nach seinem Weggang den Distinguished Service Award – die höchste diplomatische Auszeichnung der USA. Arbeitete erst für Marco Rubios Wahlkampagne, wechselte dann aber die Seiten, Weiterlesen

Milliardärsvereine und Langeweile auf dem Vormarsch

Von , am Sonntag, 30. Oktober 2016

Die Tabelle lügt nicht. Jetzt sind also die Milliardärsvereine aus Leipzig und Hoffenheim die Verfolger von diesem Außer-Konkurrenz-Team aus dem süddeutschen Raum. Optisch auffällig, dass bei den Spielen in eigentlich kleinen Stadien, in Mainz (gegen VW II), VW I (gegen Bayer AG), Darmstadt (gegen Leipzig), Sinsheim/Hoffenheim (gegen Hertha) viele freie Sitzschalen zu sehen waren. Aber die Zuschauer im Stadion sind, anders als bei den Westdeutschen in Mönchengladbach, Dortmund, Schalke und Köln, sowieso egal. Entscheidend ist das Fernsehgeld von Rupert Murdoch (und wenn der mal tot ist, wahrscheinlich Leon Blavatnik). Was werden die Miiiardäre wohl machen, wenn ihnen das dauernde Gewinnen langweilig wird?

Und hier die guten Nachrichten: Lucien Favres Siegesserie in Nizza geht weiter, heute 4:1 gegen Exmeister Nantes, Balotelli spielte 75 Minuten und machte auch ein Tor. Und der Verein mit dem wenigsten Geld und dem kleinsten Stadion in Europas großen Ligen, SD Eibar hat auch gewonnen, 2:1 gegen das Spitzenteam von Villareal; hätten die gewonnen, wären sie punktgleich mit Barca. Haben sie aber nicht und Eibar bleibt stabiler 9.

Ruhrpottderby: Formkurven kreuzten sich

Von , am Samstag, 29. Oktober 2016

Die spielentscheidende Szene, so sollte sich später erweisen, gleich am Anfang: Kolasinac foult Pulisic platzverweiswürdig; es wird aber nicht einmal Freistoss gepfiffen. Kolasinac bekam dadurch den Spin, um der kampfstärkste Spieler auf dem Platz zu werden. Er rettete ein weiteres Mal spielentscheidend vor einem einschussbereiten Dortmunder. Gelb bekam er erst eine Viertelstunde vor Schluss. Pulisic dagegen musste fürchten, in diesem Spiel Freiwild zu sein, und blieb hinter seinen sonst üblichen Leistungen zurück, mein Gott der ist erst 18. Mehr Gefahr kam über die andere Seite des Dortmunder Angriffs (Dembele, Passlack).

S04 war exzellent vorbereitet Weiterlesen

Steinmeier / Jemen / Irak / Somalia / Wohnungsnot

Von , am Samstag, 29. Oktober 2016

Wie man vom Bundespräsidentschaftskandidaten zur Zumutung wird, dafür braucht Frank-Walter Steinmeier neben seinem Partei-„freund“ Gabriel nur sein eigenes Ministerium, wie Bettina Gaus in der taz erklärt.
Unsere Konjunkturlokomotive Rheinmetall liefert derweil das Werkzeug, um im Jemen möglichst effektiv Menschen zu morden, das beschreibt Steven Geyer in der FR.
Martin Gehlen fürchtet (in der FR), dass nach der Besetzung von Mossul wieder die gleichen Fehler gemacht werden, die seinerzeit zur Entstehung der IS-Terroristen geführt haben.
Knut Mellenthin schreibt bei der Jungen Welt gern über Themen, für die die Reihen hierzulande noch nicht geordnet sind, um sie als Sau durchs Dorf zu treiben: äthiopische Interventionskräfte räumen in Somalia Besatzungsstandorte und das Vakuum füllen wieder die Islamisten.
Anja Krüger beschreibt in der Jungle World, warum die herrschende Wohnungspolitik trotz Wohnungsnot nur ein Wachstum von unbezahlbaren Luxusbehausungen fördert.

Iran verdurstet / Wo ist Buhrow? / CSR im Fußball / Tribünenmacht

Von , am Freitag, 28. Oktober 2016

Katastrophale Verhältnisse berichtet Martin Gehlen in der FR aus der Wasserwirtschaft des Iran. Das könnte mittelfristig strategisch bedeutsamer sein, als das Auf und Ab des Ölpreises.
Ulrike Simon, eine von mir sehr geschätzte Medienjournalistin (namensgleich mit einer sehr attraktiven und netten Sitznachbarin, die ich mal in der Schule hatte), lästert, mehr als sie ihn ernsthaft kritisiert, über den WDR-Intendanten Tom Buhrow.
Ronny Blaschke, ein wirklich politischer Sportjournalist, hat ein Buch geschrieben: „Gesellschaftsspielchen – Fußball zwischen Hilfsbereitschaft und Heuchelei“, eine Zusammenfassung liess ihn die FAZ veröffentlichen. Ob ihm jetzt eine Redaktion eine Festanstellung anbietet?
In Dortmund hat Mittwochabend die Südtribüne das Elfmeterschiessen gewonnen; ich kenne das Stadion und glaube es Daniel Theweleit (FR).

Wird alles immer schlimmer? – Mossul Polen Fukushima Bulgarien Äthiopien USA

Von , am Donnerstag, 27. Oktober 2016

Ich glaube ja. Wenn Wiglaf Droste kein verlässlicher giftiger Grantler mehr ist, sondern uns besinnlich zu erklären versucht, dass es erstens nicht stimmt und zweitens von uns selbst beeinflussbar ist, dass muss es schon so schlimm sein, wie es noch nie war.

Doch werden wir wieder ernsthaft:
– Mossul, Martin Gehlen berichtete in der FR
– Polen, katholische Kirche, und warum sich dort niemand traut sie öffentlich anzugehen, Reinhard Lauterbach in der Jungen Welt
Olympische Spiele sollen in Fukushima verstrahlt werden, das ist ja endlich mal eine gute Entsorgungsidee (Telepolis)
EU-Mitglied Bulgarien, das war eine Superidee, dieses Land der Türkei als Beitreter vorzuziehen (Telepolis)
Äthiopien, unsere Freunde bei der Flüchtlingsbekämpfung (IPG)
Wir sind wirklich gut an unseren Freunden zu erkennen.

In Ergänzung zum gestrigen Langtext zu Hillary Clintons zukünftiger Aussenpolitik, hier und hier Berichte von Konrad Ege im Freitag, warum es für US-Linke trotzdem richtig sei, sie jetzt zu wählen.