Westherne und Nordlüdenscheid im Panicroom

Von , am Dienstag, 31. Januar 2017

In Düsseldorf war eine Sportbusinessmesse. Und die wichtigste dort diskutierte Frage war, wie die Fans endlich vollständig enteignet werden können. Imgrunde also die Trumpsche Agenda herunterdekliniert auf unsere beliebteste Sportart, die jetzt neu definiert wird als letzte kapitalistische Goldgrube, nachdem alles andere leider abgegrast und ausgebeutet ist. Relevanter Widerstand dagegen ist nicht erkennbar. Dennoch ist die Nervosität groß. Denn es könnte sein, dass die kapitalistische Systematik nicht von Kommunisten, sondern von sich selbst gekillt wird.

In Düsseldorf wurde den Sport-„Journalisten“ in die Aufnahmegeräte diktiert, dass die „50+1-Regelung“, eine letzte Bremse gegen schrankenlose Investoreninvasion, die in Wolfsburg, Leverkusen, Hoffenheim, Leipzig und Hamburg längst nicht mehr gilt, bald ganz weg soll. Für Hannover 96 und seinen verhassten Präsidenten Kind, quasi eine Trump-Zwergenausgabe in der DFL, zu spät. Der hat das Verhältnis zu den Fans so vollständig ruiniert, dass er den Laden schnurstracks in die 2. Liga führte.

In Nordlüdenscheid, wo sie immerhin die größte Stehtribüne der Welt und damit die engagierteste Fangemeinde der Republik unterhalten, ist Panik ausgebrochen, weil sie nach einem 1:1 bei Mainz 05 Angst haben, den Anschluss an alles, was reich macht, zu verlieren. So bläst Aki Watzke sogar im Chor mit seinem westfälischen Landsmann Rummenigge die Backen auf, dass es die Fifa und ihren Mafiaboss Infantino bestimmt sehr beeindruckt haben wird. Infantino weiss längst: mit Geld sind die alle zu kaufen.
Nachdem es eine heftige in die Öffentlichkeit durchgestochene Kontroverse zwischen Trainer Tuchel und Chefscout Mislintat gegeben hatte, werden nun Hymnen auf Mislintats Abteilung lanciert, die klar ersichtlich den Zweck haben, die Autorität Tuchels weiter zu untergraben. Sie wollen ihn loswerden, ohne es ehrlich zu sagen. Tuchel ist nicht doof, und darum immer weniger amüsiert. Dieser Schlingerkurs macht das Erreichen der Champions League nicht sicherer. Und dann hätte der BVB nach langer Zeit erstmals wieder ein sehr großes Problem. In der Kasse.

Dieses Problem hätten die Blauen in Westherne jetzt gerne. Sie wissen ziemlich sicher, dass sie froh sein müssen, wenn sie den Abstiegskampf vermeiden können. Jetzt können sie sich noch nicht einmal mehr eine Vertragsverlängerung mit einem zweifellos starken Spieler wie Kolasinac leisten. Ob mit oder ohne Heidel droht eine Abwärts- und Abstiegsspirale. Was soll Großsponsor Gazprom mit einem irrlichternden Haufen, der in keinem europäischen Wettbewerb zu sehen ist? Da wird Chefgeldgeber Tönnies bald seine sowieso schwachen Nerven verlieren.

Das tun aber auch die britischen und US-amerikanischen Investoren, die den deutschen TV-Fußballmarkt unter sich aufteilen. Sie benehmen sich nicht besser als Wölfe, in deren Rudel die Rangordnung nicht mehr gilt. So bereiten sie die Zukunft für Piratensender im Internet.

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