Unsere Leitkultur und die Saudis

Von , am Montag, 1. Mai 2017

Wenn Bigotterie eine Straftat wäre, sässe unsere Bundesregierung jetzt im Gefängnis. Unser Bundesinnenminister diMisere gab am langen Wochenende zuhause publizistisch den Erdogan und erklärte, dass er keine Burka sei. Gleichzeitig flog seine Dienstvorgesetzte Bundeskanzlerin zu den Saudis und zu den Golfemiraten, den Flieger vollgeladen mit deutschen Wirtschaftsbossen und Alphajournalisten.

Was wollten die da? Ganz bestimmt für Menschen- und Frauenrechte kämpfen. Was sonst? Da die Saudis keine EU-Beitrittsverhandlungen mit uns führen, können wir sie auch nicht wegen der Todesstrafe dort beenden. Die müssen bei uns nirgends beitreten. Sie sind schon hier. Dank unserer großzügigen Öl- und Gasimporte in den letzten Jahrzehnten haben sie die dabei eingenommenen Milliarden gleich wieder in deutsche Dax-Konzerne investiert. Die anreisenden deutschen Wirtschaftsbosse sind so gesehen ihre Angestellten, die zur turnusmässigen Dienstbesprechung anreisen.

Skrupel dagegen, dass es sich bei den angesprochenen Ländern um Feudaldiktaturen handelt, deren nationale Ökonomie auf sklavenähnlicher Arbeit importierter Proletarierermassen aus Ägypten, Pakistan, Nepal, Philippinen baut, dass sie von mafiaähnlichen Familienclans mit dem reaktionärsten heute noch existierenden Weltbild beherrscht werden, nein Skrupel hats in unserer kapitalistischen Leitkultur dagegen nie gegeben. Wenige Kunden unserer Exportindustrien zahlen ihre Rechnungen so zuverlässig.

Unschön ist, das lässt sich in der Medienglobalisierung heute leider kaum noch verbergen, dass sie mit den bei uns gekauften Rüstungsgütern einen Krieg im Hungersnotland Jemen führen. Obwohl, da sprechen wir hier nicht drüber: aber praktisch daran ist, dass ihre Seeblockade gleichzeitig eine wichtige Fluchtroute für die Hungermassen in Ostafrika blockiert. Da sind die noch verlässlicher als der Erdogan. Wer will schon so viele Schwarze auf einmal? Aus der Weltregion, in der vermutlich die ersten Menschen gelebt haben. Vergesst diese Sentimentalitäten.
Da gerade Wahlkampf ist könnten wir den Saudis – für unsere heimische Öffentlichkeit – sagen, dass sie jetzt aber mal ein paar Monate keine deutschen Qualitäts-Militärgüter bekommen. Sagen wir ….. bis Anfang Oktober.

Worum es eigentlich geht, worüber aber nicht öffentlich gesprochen wird, Journalist*inn*en im Reisetross, die danach fragen, können direkt eine Sondermaschine für die individuelle Heimreise besteigen, das steht hier im Leitmedium des deutschen Konservatismus, das sich ansonsten redlich um den Brückenschlag der CDU zu den AfD-Wählern bemüht. Ganz kühl und sachlich im Finanzteil, geht doch (achten sie beim Lesen mal auf die genannten Kapitalbeträge, das ist mal was wirklich Wichtiges).

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