Pokalfinale – Journalismus Fehlanzeige

Von , am Sonntag, 28. Mai 2017

Der ARD als öffentlich-rechtlichen Sender ist Werbung nach 20 h eigentlich verboten. Gestern jedoch sendete sie ab 20 Uhr den ganzen Abend Werbung – eine Produktpräsentation des Deutschen Fussballbundes. Nach meiner Kenntnis ist in den Verträgen alles genauestens geregelt, ein dickes Buch. Nur bekommt die ARD für diese Werbung nichts gezahlt, sondern im Gegenteil zahlt noch eine Millionensumme, um diese Dienstleistung für den DFB zu bekommen. Ist ja unser Geld, also egal.

Manche Fans beschwerten sich, die Pfiffe während des Pausenauftritts einer bei Fussballfans nicht so doll populären Schlagersängerin seien runtergepegelt worden. Antwort der ARD: hamwer immer so gemacht. Aber Bild und Ton werden gar nicht mehr von Reaktionen und Journalisten gemacht, sondern von technischen Dienstleistern im Auftrag des Veranstalters (in der Bundesliga, sowie bei WMs und EMs genauso). Die TV-Sender müssen das dann vertragilch übernehmen. Die Pressefreiheit für Bild und Ton ist also schon abgeschafft.

Und auch beim Wegmoderieren wollte sich Herr Bommes nicht lange mit „großer Spielanalyse“ beschäftigen, liess seinen teuer bezahlten Co-Kommentator Mehmet Scholl also nutzlos für ein paar dumme Witzchen rumstehen, und bekam sie – ungefragt – von BVB-Trainer Tuchel trotzdem geliefert; später ebenso präzise: Jogi Löw.

Ein paar Bilder sind der Erinnerung wert: die runtergezogenen Mundwinkel von Aki Watzke nach dem vollendeten Sieg seiner Mannschaft, die paarweise verschränkten Arme von ihm und Rauball. Ein Bericht der SZ stellt den nicht aufgebotenen Nuri Sahin ins Zentrum der Kontroverse zwischen Tuchel und Vereinsführung.

Ich mochte Sahin als Spieler immer. Geniale Schusstechnik, die besten Freistösse und Ecken in der Bundesliga (wenn er spielt). Er spielte aber oft nicht, nicht nur wegen Verletzungen. Steffen Simon wies in seinem Spielbericht vom letzten Bundesligaspiel des BVB gegen Werder auf Sahins mangelhafte Sprintstärke (in einer Szene gegen Max Kruse) hin. Vermutlich ist Sahin einer der anonymen Spieler, die SZ-Mitarbeiter Röckenhaus für seinen spektakulären Krisenbericht gefüttert haben. Es spricht nichts dagegen, dass Spieler sich wehren, die sich ungerecht behandelt fühlen. Spielen über Bande mit der Presse kommt aber sogar in der Politik immer schlecht, und ist Sahin sicherlich auch nicht gut bekommen – Michael Ballack bei Jogi Löw z.B. damals auch nicht. Was schlecht für den Teamgeist und seinen öffentlichen Eindruck ist, ist meistens für niemanden gut, ausser die Gegner (auch wie in der Politik).
Update 7.6.: Was für ein Zufall: der Berater von Sahin ist zufällig auch Berater des neuen BVB-Trainers, berichtet hier die stärkste journalistische Kraft der dominierenden Watzke-Fraktion. Hätten Sies gewusst?

Nach dem verdienten, aber hart erarbeiteten knappen Pokalsieg des BVB sind wir nun also gespannt, wie die BVB-Vereinsführung diese Woche die Trennung von Thomas Tuchel begründen wird. Watzke sollte sich an seinen Vorgänger Niebaum erinnern, den er erfolgreich abgesägt hat. Seine Hybris auf dem Gipfel der sportlichen Erfolge stand ihm im Weg und trübte seine Wahrnehmung. Vielleicht macht sich eines Tages ein neuer Watzke warm

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