„AfD und Medien“

Von , am Montag, 17. Juli 2017

von Jupp Legrand / Otto-Brenner-Stiftung
Analyse eines Spannungsverhältnisses und „Handreichungen“ für den medialen Umgang mit Rechtspopulisten

+++ „Alternative für Deutschland“ (AfD) inszeniert sich einerseits als Opfer des Mediensystems +++ Andererseits werden Medienangebote von ihr ausgenutzt und zu instrumentalisieren versucht +++ Autor Gäbler präsentiert Handreichungen für den medialen Umgang mit der AfD +++ Otto Brenner Stiftung: kein besonderer „AfD-Journalismus“ nötig, aber solides Handwerk und klassische Tugenden wichtig +++

Mit gezielten Provokationen und kalkulierten Tabubrüchen buhlt die Partei „Alternative für Deutschland“ (AfD) um mediale Beachtung und öffentliche Aufmerksamkeit. So hat sie es auch in einem internen Strategiepapier festgehalten. Sie hält ein Stöckchen hin und findet immer wieder genügend Journalisten, die dankbar drüber springen und einen realen oder nur vermeintlichen Skandal auf die Bühne einer größeren Öffentlichkeit bringen. Gleichzeitig versucht die AfD, sich über grundsätzliche Angriffe auf die Freiheit der Berichterstattung und massive Attacken auf das Mediensystem im innenpolitischen Streit und bei ihren Sympathisanten zu profilieren. Dieses „Spannungsverhältnis zwischen AfD und Medien“ ist der Ausgangspunkt eines Diskussionspapieres der Otto Brenner Stiftung (OBS). Autor der aktuellen Analyse ist Prof. Bernd Gäbler – früher Chef des renommierten Grimme-Instituts, heute Journalistik-Professor an der FHM Bielefeld.

Neben der „Stöckchen-Falle“ identifiziert Bernd Gäbler weitere „Fallen“ und Dilemmata, denen sich die klassischen Medien im Umgang mit der AfD zu selten bewusst sind. Da ist zum einen beispielsweise die „Ausgrenzungs-Falle“, durch die sich die AfD immer wieder und gerne als Opfer eines „Mainstreams“ inszeniert – und inszenieren lässt. Und da ist zum anderen die „Oppositionsfalle“, in der sich Medien die Rolle einer politischen Opposition anmaßen. Hinzu komme, so OBS-Autor Gäbler, die mangelnde Bereitschaft vieler Journalisten, sich mit den grundlegenden Kategorien dieser Partei – wie „Identität“, „Volk“ oder „Nation“ – wirklich kritisch auseinanderzusetzen. Zu oft, so ein Befund der Analyse konkreter „Vorfälle“, folge die Berichterstattung auch dem „Framing“, also dem Deutungsrahmen, den sich die AfD selbst gibt. Sie wolle die „Grenzen des Sagbaren“ verschieben und fände dabei in den Medien leicht ein Echo, heißt es in dem Diskussionspapier.

Nach Auffassung des Medienwissenschaftlers Gäbler liegt das aber nicht nur an vielleicht gut gemeinten, aber falschen redaktionellen Entscheidungen, sondern auch an strukturellen Gemeinsamkeiten, die es zwischen der „Logik des Rechtspopulismus“ und der Aufmerksamkeitsstrategie der Massenmedien gibt. Für die AfD resultiert daraus ein „Double-Bind“-Verhältnis zu den Medien. Wie keine andere politische Bewegung zuvor lehnt die AfD redaktionell geführte Medien und „intermediäre Instanzen“ der Gesellschaft ab, weil sie immer „das Volk“ direkt ansprechen will. Andererseits ist sie besonders darauf aus, in den Medien vorzukommen und präsent zu sein. Aus dieser Hassliebe ergibt sich die doppelte Strategie, Medien als „Lügen-“ oder „Lückenpresse“ zu verdammen und sie zugleich instrumentalisieren zu wollen. Die umfassende Präsenz in den sozialen Medien diene der AfD, so eine weitere These, nicht nur dazu, die eigenen Sympathisanten direkt und „ungefiltert“ anzusprechen, sondern diese auch für die Organisation zu gewinnen und enger an die Partei zu binden.

In seiner Analyse der AfD und den anschließenden „Handreichungen“ rät der Autor Bernd Gäbler, die Berichterstattung über die AfD und die Kommentierung ihrer Politik für nichts weniger zu nutzen als eine Re-Formierung des Journalismus, seines Handwerks und seiner klassischen Tugenden. Aus Sicht der Otto Brenner Stiftung brauchen die medialen Herausforderungen, die mit der AfD verbunden sind, keinen „AfDJournalismus“ als spezifische Reaktion. Solide Ausbildung, handwerkliche Fertigkeiten, journalistische Kompetenz und intensive Beschäftigung mit Personen, Programm und Profil der Partei bewähren sich in der tagtäglichen Auseinandersetzung mit den Rechtspopulisten. Die Stiftung will mit den durch zahlreiche Beispiele aus der Praxis belegten Handreichungen auch eine Orientierungshilfe anbieten für den medialen Umgang mit der AfD vor der kommenden Bundestagswahl.

Bernd Gäbler: „AfD und Medien – Analyse und Handreichungen“. OBS-Arbeitsheft Nr. 92, Frankfurt am Main, Mitte Juli 2017

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