Ökonomie: Doofsein wird bestraft

Von , am Dienstag, 8. August 2017

Aber das muss ja nicht so bleiben. Also nächster Versuch.
„Lügenblatt“ (Zitat Dietrich Kittner) BILD ist jedenfalls nicht alles schuld. Von einst 5 Mio. Käufer*inne*n in den 90ern sind bis heute weniger als 40% übrig geblieben. Das also „alle“ nur diesen Blödsinn lesen, ist nachweisbar falsch. Schlimmer ist: tatsächlich meinungsbildende „Qualitätsmedien“, auch und gerade manisch „faktencheckende“ öffentlich-rechtliche, lassen sich vom „Lügenblatt“ ihre Agenda diktieren. Was da steht, muss ja wichtig sein. So kann mann auch seinen Job aufgeben ….
So wird dann von der veröffentlichten Meinung der Eindruck erweckt und versucht zu erzeugen, öffentliches Eigentum sei schlecht, privates Eigentum sei gut. Öffentliche, gemeinwohlverpflichtete Eigentümer sind doof, private egoistische Eigentümer sind clever und darum gut. „Wenn alle nur an sich denken, ist ja an alle gedacht.“ (Jürgen Becker). So stellt sich der Deutsche die Marktwirtschaft vor. So glauben sie dann allen Ernstes, wenn das Land Niedersachsen bei VW mitredet, ist das schlecht. Wenn es die Deutsche Bank mit ihren chinesischen und katarischen Großaktionären tut, ist das besser? Wohl kaum.
In der herrschenden deutschen Wirtschaftswissenschaft und ihren Standardwerken wird versucht „zum Nichtgebrauch ihres Verstandes und ihrer Vernunft insgesamt anzuleiten“, das meint eine neue kritische Studie, und das besagt nichts weniger als George Orwell immer befürchtet hat. Die Zombies sind da, und sie lehren in unseren Hochschulen.

Thomas Konicz schrieb gestern, was dieses deutsche Denken im „kapitalistischen Weltsystem“ anrichtet, dass es sogar ein Doofmann wie Trump gemerkt hat. Wenn wir auf diesem Wege weitermachen, werden viele von uns noch zu Lebzeiten mehr als nur „Handelskriege“ miterleben.

Auch bei uns im lieblichen Puppenstuben-Bonn können wir die kapitalistische deutsche Wirklichkeit (un)schön studieren. Nachdem die CDU-geführten Bundesregierungen in ihrer klimafeindlichen Blindwütigkeit fast die gesamte deutsche Solarbranche zur Strecke gebracht haben, kreisen nun die Geier um die letzten Stückchen Filet. Die Solarworld-Eigentümer, Katar ist wieder führend dabei, haben zunächst beim Katar-Einstieg die damaligen Aktienbesitzer, ich selbst war auch dabei, enteignet. Und jetzt machen sie es so ähnlich, wie DuMont in Berlin. Die hatten ihren Verlag da einfach zugemacht, alle Beschäftigten „freigesetzt“. Die durften sich dann bei einer „neugegründeten“ Verlagsfirma neu bewerben. Die Kölner Verlagsbeschäftigten waren von dem Berliner Vorgang so schockiert, dass man sich hier ganz friedlich auf Einsparungen einigte.
Solarworld versucht seine Arbeitgeberverantwortung und teure Sozialplan-, Weiterbeschäftigungs- und Weiterbildungsverpflichtungen nun durch das Insolvenzverfahren und anschliessenden Neukauf zu umgehen. Rund 1.200 Beschäftigte sollen dabei „eingespart“ werden, wesentlich kleinere Armeen von Jurist*inn*en stossen sich an solcherlei blühenden Geschäften gesund. Feine Kaufleute. Im Laufe dieser Woche wollen die „neuen“ Solarworld-Investoren sich im Einzelnen der Öffentlichkeit vorstellen. Wenn das mal keine alten Bekannten sind ….

So läuft der private Kapitalismus.
Heute begegnete mir am Rheinufer eine größere Gruppe wandernder Schulkinder, schätzungsweise 8-10jährige. Eine Gruppe von vier Mädchen unterhielt sich vertieft über ihre BMIs und deren Bewertung. Es sind nicht, wie das Kapitalismuszentralorgan FAZ bisweilen meint, die Mütter, die das zu verantworten haben. Es ist ein System, das den Kindern diesen Optimierungsdruck auf ihre Konkurrenzfähigkeit aufdrückt. Alle die daran aktiv teilnehmen, sollten sich von Zeit zu Zeit klarmachen, welche Verbrechen an Abhängigen damit verbunden sind.

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