Indien – China

Von , am Mittwoch, 9. August 2017

Die beiden Großmächte der Zukunft kennt hierzulande nur eine verschwindende Minderheit. Die Berichterstattung in unserem Sprachraum über sie ist nur analphabetisch zu nennen. Sprachkenntnisse existieren bei uns faktisch nicht. Immerhin ist unter Jugendlichen häufig zu hören, dass sie beginnen wollen, Chinesisch (welches? es gibt zahllose Sprachen in diesem Land) zu lernen.
Die globale Macht beider Länder wächst, Atommächte sind sie seit langem. An Demokratie sind ihre Regierungen nicht interessiert. Die indische ist nach hiesigen Massstäben demokratisch gewählt, was die Sache aber eher noch schlimmer macht.

Die indische BJP-Regierung unter Ministerpräsident Modi wird von nicht wenigen, Salman Rushdie z.B. charakterisierte BJP-inspirierte antimuslimische Pogrome schon vor über 20 Jahren so, als faschistisch bezeichnet. Im DLF lief gestern dieses Feature über die Nehru-Universität in Dehli. Es erscheint lächerlich, dass sich die Regierung eines Milliardenvolkes vor ein paar tausend Student*inn*en und Wissenschaftler*inne*n so fürchtet, dass sie meint, diese Einrichtung plattmachen zu müssen. Atmosphärisch lässt sich aufschlussreich studieren, wie es wohl wäre, wenn wir hier eine AfD-Regierung hätten. Wobei: hier wäre das weniger schlimm, sind wir doch nur ein kleines Land, ohne – eigene – Atomwaffen.

Zu Indien ist zu ergänzen, dass Arundhati Roy nach 20 Jahren ihr zweites Buch geschrieben hat. Zu den Millionen Leser*inne*n ihres Erstlings „Der Gott der kleinen Dinge“ habe ich gehört und es mit Gewinn gelesen. Tiefer beeindruckt war ich aber von ihren zahlreichen politischen Essays, die in der Schirrmacher-Zeit noch regelmässig von der FAZ – für hoffentlich nicht wenig Geld – angekauft wurden. Auf jeden Fall waren sie stark und wortmächtig übersetzt, und vereinigten in kaum übertrefflicher Weise politische Radikalität und Klarsicht. Es hat den Anschein, dass Roy mit dem vielen verdienten Geld umsichtig umgeht, nicht wenig davon gibt sie zur Unterstützung emanzipatorischer politischer Bewegungen in Indien aus. Der Verehrung von Arno Widmann/FR kann ich mich also anschliessen, ohne das neue Werk schon zu kennen; eine weitere Besprechung von Julia Encke/FAS siehe hier.

China dagegen hat diese Woche einen ganz eigenen originellen Humor gezeigt. Die Trump-Regierung, bzw. ihre Army hatte scheinbar urplötzlich entdeckt, dass sie Drohnen chinesischer Fabrikation bei ihrer Mordstätigkeit einsetzte. Wie es moderne IT-Unternehmen wie Amazon oder Google heute so pflegen, verwendet auch die Firma DJI verkaufte Geräte dafür, von ihren Kund*inn*en ausgiebig Daten zu stehlen, die eigentliche Währung in ihrem Business. Man stelle sich nun einen ganz lieben chinesischen Augenaufschlag vor – in dem Glauben, dass die Kund*inn*en das Gerät „nur zivil“ einsetzen. Sind sie nicht lieb?

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