DB – Dobrindts Bahn schlimmer als der Dieselgipfel

Von , am Mittwoch, 16. August 2017

Am letzten Wochenende wollte ich hier zunächst einen Erlebnisbericht über meine Reise von Bonn ins Ruhrgebiet und zurück bringen. Normalerweise nichts besonderes, alles Hauptstrecken mit halbwegs gut vertaktetem Verkehr. Dennoch schafft es die DB am späten Abend, also ausserhalb von Rushhours, phänomenale Verspätungsraten und missglückende Anschlüsse zu produzieren.
Das Problem, wie bei der gesamten Mobilitätspolitik, ist: das Netz.
Es geht nicht darum, dass ein einzelner Zug oder ein einzelnes Verkehrsmittel beschleunigt wird; das machen die Ingenieure und Politiker*innen am liebsten. Für uns, die Fahrgäste, ist das Wichtigste, wie schnell, bequem und umweltfreundlich wir von Tür zu Tür kommen, egal womit.

Womit wir beim eigentlichen Skandal sind. Was gerade in der Nähe der nordbadischen Stadt Rastatt passiert, ist in seinen Dimensionen grösser/schlimmer als Stuttgart 21, und in seinen Auswirkungen auf die Gesamt-Mobilität in seinen Ausmassen mit dem Skandal des Dieselgipfels zu vergleichen. Das Schlimme ist leider: es ist nicht „gegeneinander“ vergleichbar, weil es sich addiert, und in seiner Netzwirkung multipliziert und potenziert. Das Schöne für uns Beueler*innen daran ist: es könnte, noch vor dem Lärmschutz, der mit dem Bau der S 13 winkt, für längere Zeit leiser werden.

Die Strecke, die durch die Rastätter Tunnelbaustelle jetzt stillgelegt ist, ist die meistbefahrene Bahnstrecke Europas, die Nord-Süd-Ader. Für den Güterverkehr ist sie noch bedeutender als für den Personenverkehr. Wir in Beuel wissen und hören nachts, was das bedeutet. Das gesamte Rheintal, besonders seine „idyllischen“ engen Abschnitte, haben ein Demografie-Problem, weil dort niemand mehr eine Nacht verbringen kann, ohne gesundheitlichen Schaden zu nehmen. Tourist*inn*en kommen auch nur noch als wenig lukrative Tagesgäste. Andererseits beschweren sich die Niederlande, Schweiz und Italien zu Recht, dass sie im Bahnnetzbau in Vorleistung gehen, und wer nicht hinterherkommt sind die Deutschen.

Die Deutschen, wie beim Auto, zwingen nicht die Fahrzeugbauer zur Entwicklung und die DB Cargo zum Einsatz von leiserem Rollmaterial, sondern wollen mit Tunnelbau die interessierten Industrielobbys und Anlagenbauer auslasten und mit Rendite versorgen. Mann kennt sich, mann hilft sich.

Und jetzt ruinieren sie nicht nur die deutsche Autoindustrie. Jetzt legen sie gleich die Infrastruktur von Mitteleuropa lahm. Wenn es nicht Dobrindt wäre, würde man ihn jetzt zum Eingreifen auffordern. Oder Pofalla? Aber verspricht das Besserung? Oder noch mehr Gefahr?

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