Katar „muss“ den Fussball kaufen

Von , am Freitag, 1. September 2017

Beruhigt Euch hat mein Vorbild Silke Burmester mal eins ihrer Bücher genannt. Auf den Fussball dieser Wochen gemünzt: so what? Katar investierte kräftig in seinen Stützpunkt PSG in Paris. Warum? Die dort regierende Feudalclique ist unbegrenzt liquide durch gehaltvolle Öl- und Gasfelder. Sie investiert also in den Vertrieb dieser Rohstoffe. Und weil die zwar reichhaltig, aber nicht unbegrenzt sind, diversifiziert sie gleichzeitig ihre Kapitalanlagen. Angesichts der Nullzinspolitik der US- und der europäischen Notenbank gibt es nur noch wenige Geschäftsfelder mit attraktiven Renditen. Dazu gehören aktuell die sich aufblasenden Branchen Immobilien und Fussball/Entertainment.

Katar wird derzeit vom neidischen größeren Nachbar Saudi-Arabien bedrängt. Es ist also darauf angewiesen, sich weltweit Freunde zu kaufen, weil es allein und isoliert zu Widerstand und Selbstständigkeit nicht in der Lage wäre. Und es gibt weltweit nur wenige Orte wo sich im Big Business besser „netzwerken“ lässt, als in den VIP-Logen internationaler Fussballspiele. Das ist der Grund, warum unbegrenzt in Fussballspieler und -vereine investiert wird. Paris PSG ist dafür ein strategisch zentraler Ort, aber natürlich auch für Katar nicht der einzige.

Das ganze Geschwätz in der Fussballwelt und zugehörigen Medien über Legionäre, ihre Gehälter und Ablösesummen ist gegenüber diesen Sachverhalten substanzloses und lächerliches Entertainment. Richtig ist dagegen politische Kritik an Katar und seiner Alltagspraxis. Das Land ist faktisch eine Sklavenhaltergesellschaft (wie die meisten seiner arabischen Nachbarn), die meisten seiner Staatsbürger*innen sind praktisch Rentiers, die Arbeit machen importierte Abhängige aus den ärmsten Ländern Asiens. Sein Feudalregime investiert nicht nur renditeorientiert in Wirtschaftsbranchen, sondern auch politisch in diverse Muslimbruderschaften, Terroristenbanden und paktiert mit dem Erdogan-Regime in der Türkei.

Sarkastisch könnten wir den Fussball vergessen, er hat sich schon vollständig prostituiert. Trost spendet weiterhin die Asiengruppe A der WM-Qualifikation. Sie wird vom Iran angeführt, einem Land, in dem der Fussball noch dem Volk gegen das Regime gehört. Nachdem Fussballzwerg China gestern 1:0 gegen Fussballzwerg Usbekistan gewonnen hat, hat das kriegsgeplagte Syrien, das seine „Heimspiele“ in Malaysia austragen muss, sogar noch eine Qualifikationschance. Es schlug ausgerechnet Katar, von wo nicht wenige Terrorgruppen die Syrien verwüsteten finanziert wurden, gestern mit 3:1. Katar ist jetzt Letzter der Qualigrupppe. Es „musste“ also die WM 2022 kaufen.

Der Tod des Fussballs könnte schon früher eintreten: wenn PSG zum ersten Mal die Champions-League gewinnt vielleicht. Letzte Saison haben sie noch 1:6 bei Barca verloren. Die leben aber auch schon nicht schlecht vom katarischen Kapital.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.