Schweinesystem kills Schweine

Von , am Donnerstag, 7. September 2017

Politische Ökonomie unseres Schnitzels – das bot vorgestern ein Film von Jens Niehuss auf Arte. Er verzichtete wohltuend auf Ekelbilder der real existierenden Tierquälerei. Die Hintergründe und Ursachen sind ekelig genug. Es verhält sich bei den Schweinen, wie in der gesamten Landwirtschaft, und wie in der gesamten Volkswirtschaft in Europa und global.

Deutschland hat sich in den letzten Jahrzehnten vom Saldo-Importeur zum aggressiven Exporteur von Schweinefleisch gewandelt. Durch Industrialisierung und Technisierung der Produktion, durch Externalisierung der Umweltkosten zugunsten der Fabriken und zulasten von uns (Gülle, Grundwasser!) und, wo sich die Nutzung von menschlicher Arbeitskraft immer noch nicht vermeiden lässt, durch Sklavenarbeit. Führend in dieser Branche: S04-Präsident Tönnies, einer der wenigen übriggebliebenen Massentierhaltungsgrossschlachter. Gross werden diese nunja, ich würde meinen, Gangster, dadurch, dass die harte Arbeit in ihren Betrieben an Subunternehmen weitergeben, und die beschäftigen rumänische Sklaven, die noch nicht wissen, dass es Gewerkschaften, Arbeitnehmer- und Mieterrechte gibt. Der Massenschlachter selbst weiss davon natürlich nichts, jedenfalls nicht beweisbar.

Tönnies hat S04 an Gazprom verkauft, weil er mit seinen Monsterfabriken ganz Osteuropa erobern will.
Nicht Nebeneffekt sondern Zweck dieses Geschehens ist, dass die deutsche Agroindustrie auf diese Weise nicht nur Landwirtschaften wie in Rumänien, sondern auch in Frankreich niederkonkurriert. Tönnies-Freund Putin ist gewiss beeindruckt von dieser Art Produktivitätssteigerung. Das ist es, was Deutschland bei seinen Freunden in der EU so „beliebt“ macht. Und in entsprechendem Zustand ist sie ja auch.

Gerhard Schröder kommt übrigens in dem Film nicht vor, bzw. nur einmal positiv. Weil es Horst Seehofer also quasi der Chef selbst war, der von 2005 bis 2008 der schlimmen tierschützerischen Politik der von Schröder ernannten Landwirtschaftsministerin Künast ein Ende bereitete, und den Weg freimachte für die Eroberungsgelüste „unserer“ Agroindustrie.

Auch, wenn sie schon gewählt haben: unbedingt ansehen, nur bis Dienstag 12.9. in der Arte-Mediathek.
Und dann anders essen.

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