Statt im-Stau-stehen: Lesen!

Von , am Montag, 2. Oktober 2017

4190 Staus mit einer Gesamtlänge von 9.700 km soll der ADAC am Freitagabend, dem Beginn dieses Brückentagwochenendes gemeldet haben. Bisher habe ich geglaubt, der Mensch lerne nur aus Erfahrungen. Selbst das ist in deutscher Leitkultur wohl nicht vorgesehen. Zu ihr gehört das Auto und sein in-mindestens-drei-Reihen-auf-die-Autobahn(das „Gute“ von Adolf)-stellen.

Es gibt Alternativen. Z.B. zuhausebleiben, Ausschlafen, zu-Fuss-gehen (mit dem Fahrrad geraten sie genauso in den Stau, dafür gibts nur noch kein Meldesystem), aufs-Sofa-legen, besonders-bei-schlechtem-Wetter-ins-Eiscafe-setzen, ausgiebig Mittag- und Abendessen, und vor allem: viel Lesen. Es gibt mehr zu lesen, als Sie schaffen können, viel Müll dazwischen, aber auch viel Gutes. Hier aktuelle Hinweise:

Libyen: da wollen unsere Regierungen in Zukunft Migrant*inn*en in Lagern einsperren. In der taz und bei Telepolis können Sie nachlesen, wer sich dort fürs Aufpassen, Bewachen und ggfls. Umbringen bewirbt.

Es wird wenig Freude machen, aber Ignorieren ist auch keine Lösung: in Mexiko wird der „Femizid“, das massenhafte Ermorden von Frauen immer gebräuchlicher. „Wir“ verkaufen an dieses Land „sääähr gääärne“ Polizeiausbildung, -technologien und -ausrüstungen aller Art. Komisch, dass „trotzdem“ so viele Frauen (davon?) totgehen. Es wäre mal an der Zeit zu untersuchen, wie das kommt.

Ein Problem, das Mexiko auch kennt, hierzulande dagegen ist es ein Jammern auf hohem Niveau: Nein, Ihr Kind ist nicht zu dick. Achten Sie lieber darauf, dass es nicht eigeninitiativ anfängt zu hungern, dass es sich selbst und seinen Körper liebt. Achten und respektieren Sie ihr Kind, wie es ist. Widmen Sie ihm (und sich selbst) Zeit. Dann frisst es auch nicht zu viel.

Arno Widmann, FR-Feuilleton, früher ein engagierter Parteigänger grüner Realos, scheint sich im Journalistenberuf wieder kämpferischer zu sozialisieren. Er bespricht Literatur zur Multikultur in den USA und ein Buch von Yanis Varoufakis.

Zur US-amerikanischen wie zur deutschen Multikultur, quasi, wie heute so gerne formuliert wird, zu ihrer „DNA“, gehört christlicher Fundamentalismus, wie er sich u.a. in „evangelikalen“ Verbänden und Gemeinden organisiert, die hierzulande zu einem wachsenden Problem für die Evangelischen Landeskirchen geworden sind. Auch das DLF-Religionsmagazin „Von Tag zu Tag“ ging heute auf das Thema ein. Menschenhasser und-Verächter, die vor Kindern nicht haltmachen.

Die Jungle World bricht anlässlich einer Ausstellung eine Lanze für die „Brutalismus“ genannte Beton-Architektur. Vieles, was dabei rausgekommen ist, wird heute verachtet, zu viele übertragen das ausserdem auf die Menschen, die darin wohnen (müssen). Es war aber nicht alles schlecht, was billig war. Ich habe darüber Entscheidendes aus dem Buch „Graue Architektur“ gelernt, kein Prachtbildband, dickes Buch, viel Text, das meiste spielt im Ruhrgebiet, dort, wo ich meine Kindheit verbracht habe.

Bei der taz hat anscheinend eine neue Sportredakteurin angefangen. Dachte ich. Sie hat aber wohl schon ein paar Monate im Berlin-Lokalteil geübt, den ich beim Onlinelesen immer überspringe: Alina Schwermer bricht eine Lanze für die von den TV-Sendern ignorierte Frauen-Bundesliga.

Unvermeidlich: Brückentag, und Phönix muss eine Labersendung besetzen, und keine*r hat Zeit/Lust. Was kommt dabei raus? Raten Sie mal! Richtig! Bosbach. Ich empfehle stattdessen, viel lustiger: „The IT Crowd“ auf ONE. „Haben Sies schon mit Ein- und Ausschalten versucht?“, deutschsynchronisiert, aber very british.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.