WM-Quali: Tritt DFB-Elf gegen Mörder an?

Von , am Dienstag, 3. Oktober 2017

Seit langem beklage ich an dieser Stelle den Umgang des WDR mit seinem – und des ganzen deutschen TV – einzigem Produkt des Sportjournalismus abseits der plumpen Produktpräsentation: Sport inside. Aktuell hat der Sender sonntags Arnd Zeigler um 90 Minuten vorgezogen, direkt hinter die Bundesligazusammenfassung und beschert ihm so, es sei ihm gegönnt, höhere Zuschauerzahlen. Das ungeliebte Rechercheformat dagegen soll auf dem alten Zeigler-Sendeplatz um 23.30 h versenkt werden. Zum Glück ist das nicht ganz gelungen.

Immerhin 150.000 sollen letzten Sonntag trotzdem zugeguckt haben. Dort haben sie gesehen, dass Aserbaidschan im kommenden WM-Qualifikationsspiel anscheinend gedenkt, einen Spieler aufzubieten, der unter Mordverdacht an einem oppositionellen Journalisten steht: hier der Beitrag, der den Vorwurf mit Zeugenaussagen dokumentiert.

Nun spekulieren wohl alle darauf, dass das in der Öffentlichkeit ausserhalb Aserbaidschans niemand bemerkt. Nur in einer engen Expertenöffentlichkeit wurde bisher wahrgenommen, dass das Land in der globalen Fussballkorruption eine zentrale Rolle spielt und einige Zweige und Äste bis zum „mächtigsten Mann der Welt“ reichen. Im Land selbst dagegen haben sich selbst Oppositionelle schon daran „gewöhnt“, dass solche Verbrechen zum (Diktatur-)Alltag gehören.

In einer normalen Demokratie stellen sich dagegen eine Menge Fragen. Ist es für Fussballer, und seien es Nationalspieler, überhaupt zumutbar gegen mutmassliche Mörder anzutreten und ihre Gesundheit aufs Spiel zu setzen? Was sagen die Spieler dazu? Wie denkt der Bundestrainer darüber? Was tut der DFB, um seine Spieler und seinen Sport zu schützen? Ist die „es-gibt-keine-Korruption-bei-der-„Fifa noch an was Anderem als sich-selbst-vor-Strafverfolgern-in-Sicherheit-bringen interessiert? In diesem Fall sind das spannendere Fragen als der Spielausgang.

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