Das Viktoria-Karree, die Oper, das Rheinufer und die Immobilienblase

Von , am Sonntag, 8. Oktober 2017

Wenn ich Büroleiter des Oberbürgermeisters Sridharan wäre, der jetzige CDU-Fraktionsgeschäftsführer Gehrmann war das mal, dann würde ich ihm für morgen früh die aktuelle Kolumne von Sibylle Berg hinlegen. Damit der Mann mal ein besseres, ein politischeres Verständnis von Bürger*innen*beteiligung in einer modernen Demokratie bekommt.
Auf der Gegenseite lauert das grosse grosse Geld. Es weiss auf der ganzen Welt nicht mehr wohin. Selbst das chinesische Geld kommt her, um rentabel – und sicher – angelegt zu werden. Wo ist es noch rentabel? Neben irgendwas mit Fussball und Medien? In Immobilien. Wichtig für deren Rentabilität sind die drei Dinge: Lage, Lage und als drittes die Lage. Die beste Lage in Bonn ist unser Beueler Rheinufer, die zweitbeste das Bonner Rheinufer. Die teuersten Wohnungen Bonns stehen direkt neben der Oper.
Nun ist die Firma des milliardenschweren österreichischen Geldwäschers Benko, soeben im Begriff dort die Parlamentswahlen zu gewinnen – so einer wie Benko ist bei sowas immer Sieger, egal wer gewinnt – ist jetzt aus dem Bürgerwerkstattsprozess um das Viktoriakarree ausgestiegen. Dieses Projekt ist für ihn nicht mehr als ein Blinddarm, was soll er sich damit rumärgern?

Die politischen Freunde der Immobilienwirtschaft in Bonn, quasi die sieben Zwerge Benkos, hat das jedoch in Angst und Schrecken versetzt. Sie wollen nun sogar „prüfen“ lassen, ob man die Oper nicht abreissen könnte. Sie kann ja irgendwoanders hin, wenn mann sie überhaupt noch braucht, irgendwo wird sich schon was finden.

Ich hätte da eine Idee, wie die Zwerge Benko zurückgewinnen könnten. Neben dem Viktoria-Karree könnte man Benko die Karrees Richtung Rheinufer zur sinnvollen Arrondierung seines Bestandes anbieten. Ein freundliches Angebot an ihn wäre, den lästigen Autoverkehr des Belderbergs, imgrunde die ganze B9 bis zum schon bestehenden – und in seinem Unterhalt beständig Löcher im städtischen Haushalt reissenden – Godesberger Tunnel auf Steuerzahlerkosten im Tunnel zu versenken. Dafür kann die Bahn dann wieder nach oben geholt werden, wie in Paris oder San Francisco.
Dann wäre grosses Denken möglich. Z.B. ein Wohnturm in der Grössenklasse des Posttowers, da wo jetzt die Kreuzung Rheingasse/Rathausgasse/Belderberg ist, nur mit Luxuswohnungen aller Grössen, vielleicht mit 5-10 Etagen Studi-Appartments zur Einzelmiete von 700 € aufwärts. Da wo die Oper ist könnte eine Rheinphilharmonie hin, von irgendeinem Stararchitekten natürlich und in einer Preisklasse, mit der die Kiste im Hamburger Hafen mühelos ausgestochen werden könnte (die in Köln sowieso!).
Drumherum könnte Signa/Benko dann alles mit Einkaufsmall vollstellen, hinterm denkmalsgeschützten Fenster das Viktoriabad innen nach eigenen Vorstellungen modernisieren und privat betreiben, überhaupt das ganze Gelände müsste dem öffentlichen Raum entzogen und den Allgemeinen Geschäftsbedingungen (AGBs) des privaten Investors unterworfen werden. Öffentlicher Raum ist schmutzig, ständig laufen da gefährliche Menschen drin rum, denken anders, sehen anders aus, wer will sowas?
Seit gefühlt 100 Jahren wird in Bonn über die „Aufwertung“ des Rheinufers diskutiert. Bitteschön, da würde Herr Benko auch wieder Spass dran kriegen.

Bonn ist anders. Seine Bürger*innen wollen, dass alles so bleibt, wie es ist. Bzw. dass, was früher alles besser war, wiederkommt. Das ist das Problem der Bonner Regierungsparteien CDU, Grüne und FDP, dass beide Seiten in ihnen drin sind.
Und dann kommen noch so moderne Spinner daher, „Tiny Houses„, schon mal gehört? Das muss man vor unserem OB wohl gut verstecken, sonst rastet er noch aus.

Haben Sies gemerkt? Über die Oper, über Kultur und Kulturpolitik, haben wir hier jetzt noch mit keiner Silbe diskutiert. Was kostet das? Wer will das? Wen interessiert das? Kann das nicht weg? Demokratie? Öffentlichkeit? Was soll das sein?

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