WM 2018 in Russland – jetzt noch mehr gefährdet

Von , am Mittwoch, 11. Oktober 2017

Gestern endete der letzte Spieltag der Gruppenphase der Fussball-WM-Qualifikation auf allen Kontinenten, ausser Afrika. Das Stattfinden der WM ist ungewisser denn je geworden, denn die noch größte politische Macht der Welt, der Fussballzwerg USA, hat sportlich alles getan, um auf keinen Fall nach Russland reisen zu müssen: eine 1:2-Niederlage beim Gruppenletzten Trinidad&Tobago, in der Tabelle eingereiht hinter den Grossmächten Mexiko, Costa Rica, Panama (alle qualifiziert) und Honduras (muss in Play-Offs gegen Australien, das mit 2:1 im Heim-Rückspiel Syrien rauswarf).

Die Korruptionsermittlungen der US-Justiz gegen die Fifa wird dieses Geschehen gewiss befördern, die Beziehungen zwischen den USA und Russland dagegen kaum verbessern.

Ein Überblick über Aspekte der bisherigen WM-Qualifikation:
Europa
Gruppe A: Frankreich ist durch, mit zum Teil blamablem Fussball (0:0 zuhause gegen Luxemburg), Luxemburg gelang am 31.8. ein „historischer“ Sieg mit 1:0 gegen Belorussland.
Gruppe B: Europameister Portugal im „Endspiel“ 2:0 gegen die Schweiz (muss in Play-Offs) durch, Cristiano Ronaldo ist also dabei; die Färöer haben in dieser Gruppe zwei Siege und drei Unentschieden geholt: sie hielten zuhause gegen Ungarn ein 0:0, siegten auswärts (!!) in Lettland 2:0, ein weiterer Auswärtspunkt (0:0) in Andorra, das im Rückspiel 1:0 besiegt wurde, gegen Lettland reichte es zuhause nur zu einem 0:0, in Ungarn wurde bis zur 81. Minuten ein 0:0 gehalten. Wahre Helden.
Gruppe C: die deutsche Gruppe, da wissen eh alle Bescheid.
Gruppe D: Serbien ist dabei, Irland geht in die Play-Offs, die Ösis mal wieder draussen: weniger rechts wählen, besser Fussballspielen!
Gruppe E: Lewandowskis Polen ist dabei, Irland schafft es hoffentlich in den Play-Offs.
Gruppe F: Mal was Neues, England hat sich qualifiziert. Die Flüchtlinge nicht aufnehmen wollende Slowakei bleibt als schlechtester Gruppenzweiter zuhause.
Gruppe G: Spanien souverän, Italien stolpert in die Play-Offs.
Gruppe H: Die goldene Generation Belgiens ist souverän dabei, Torverhältnis 43:6; das von Schäuble und Merkel ökonomisch ausgeweidete Griechenland schafft es knapp vor Bosnien in die Play-Offs
Gruppe I: die Hammergruppe, unsere Lieblingsmannschaft der letzten EM Island schaffte es auch zur WM, entscheidend, allein dafür wollte man sie küssen, war der 3:0 Auswärtssieg bei der desolaten Truppe der Erdogan-Türkei.

Südamerika:
Brasilien stolperte nach der desaströsen Heim-WM in die Qualifikation, nach den ersten sechs Spieltagen standen erst zwei Siege zu Buche. Erst nach dem Trainerwechsel ging es steil aufwärts: es folgten 10 Siege und nur 2 Unentschieden und ein selten so souveräner Gruppensieg. Erzrivale Argentinien machte erst am letzten Spieltag in der Höhenluft von Ecuador mit einer 3:1-Galavorstellung von Messi alles klar. ER ist also dabei, vermutlich sein letztes Turnier. Uruguay landete noch klar vor Argentinien, und Kolumbien kommt mit. Peru muss ins Play-Off gegen Neuseeland, die Kampfmaschinen von Chile müssen zuhause bleiben, schade um Alexis Sanchez.

Mittel-/Nordamerika wurde oben schon erwähnt, Asien war schon fertig: Iran, Südkorea, Japan und Saudi-Arabien (ohweh, kommt wieder das ganze „Königshaus„?) kommen nach Russland.

In Afrika läuft die letzte Runde erst am 11. November.
Gruppe A: Tunesien ist fast sicher, 3 Punkte Vorsprung und ein ausstehendes Heimspiel gegen das real nicht mehr existierende Libyen.
Gruppe B: Nigeria ist durch, ein Trainingsspiel in Algerien steht noch aus. Die einstige Grossmacht Kamerun ist desaströs gescheitert, u.a. 0:4 in Nigeria.
Gruppe C: Cote d’Ivoire und Marokko haben ein „echtes“ Endspiel vor sich, die Ivorer müssen das Heimspiel gewinnen. In ihrem prekären Land ist sonst der innere Frieden und das aktuelle Regime gefährdet.
Gruppe D: Hier sind politische Ränke im Spiel. Das 2:1 Südafrikas gegen Senegal wurde annulliert. Der Senegal, so mit Oberwasser ausgestattet, gewann auf den Kapverden 2:0, eroberte die Tabellenführung und hat nun Hin- und Rückspiel gegen Südafrika vor sich. Wenn Südafrika beide Spiele gewinnt, ist es in Russland dabei. Wenn es nur einmal gewinnt und ein Spiel Unentschieden endet, könnte noch der Sieger des ausstehenden Spiels Burkina Faso – Kapverden Gruppensieger werden, sofern es nicht seinerseits Unentschieden endet; dann würde dem Senegal ein einziges Unentschieden gegen Südafrika genügen.. Die Terminansetzung des annullierten Spiels ist noch nicht bekannt, müsste unter diesen Umständen aber vor dem 11.11. erfolgen.
Gruppe E: Ägypten ist durch, Ghana blamiert. Ghana, der Gegner, der 2014 den Weltmeister Deutschland fussballerisch am nächsten an den Rand einer Niederlage gebracht hat, hat kein Heimspiel gewonnen, überhaupt nur einen Sieg: 5:1 im Kongo. Gegen das schwache 0:0 in Uganda läuft noch ein Protest, aber ein Erfolg brächte sie in der Gruppentabelle auch nicht weiter. Die Mannschaft mit Spielern so überragender technischer und taktische Qualitäten ist offensichtlich nicht intakt. Schade drum.

Bleibt die politisch spannende Frage, ob und wen wir von denen im nächsten Sommer in Russland sehen werden. Optimistisch bin ich nicht.

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