Grenzen und Mauern

Von , am Donnerstag, 19. Oktober 2017

„I would build a great wall, and nobody builds walls better than me, believe me, and I’ll build them very inexpensively. I will build a great great wall on our southern border and I’ll have Mexico pay for that wall.“ So sprach „der mächtigste Mann der Welt“ bei seiner Amtseinführung. Was wollte er uns damit sagen? Uns? Gar nichts. Wir waren und sind nicht die Adresse seiner Botschaften. Angesprochen ist die knappe Hälfte der wahlberechtigten US-Amerikaner*innen, die ihn gewählt haben.

Im neuen Heft der Bonner Informationsstelle Lateinamerika, „ila 409 / Okt. 2017“ erklärt John Patrick Leary, „was liberale Kritiker*innen übersehen – Die Mauer als Symbol nach innen„. Es geht nicht darum, was die Mauer bewirkt, wie sie aussieht und was sie kostet. Sie wird die Migration nicht abstellen, ihre praktische Wirkung ist gering. Ihr einziger „Sinn“ ist, dass die Trump-Fans – und vielleicht noch einige mehr? – sich sicherer fühlen, auch wenn sie keinen Deut „sicherer“ sind. Es ist dies, das sollte eine Lehre auch für uns auf dieser Seite des Atlantiks sein, das immergleiche Konzept rechter Demagogen, und eine Aufgabe, der sich auch Linke stellen müssen, die daran in der jüngeren Vergangenheit so heftig versagt haben: was tun wir, dass die Menschen sich sicherer fühlen?

Diese Gefühle sind keine Trump-Erfindung. Ist ihnen nicht auch bei Regen, Kälte und Sturm viel behaglicher, wenn Sie in ihrer Wohnung die Bettdecke über den Kopf ziehen können? Sie kommen dabei auch nicht auf objektive Risikogedanken: der Sturm könnte Ihr Haus abdecken, ein Dachziegel könnte durch Ihr Fenster fliegen, abgesehen von den Hochwasser- und Erdbebenrisiken im ganzen Rheingraben. So geht es auch den Trump-Fans, wenn er ihnen ihre Mauer verspricht. Oder den CSU-Wähler*inne*n mit der „Obergrenze“. Bedeutet praktisch nichts, aber gibt ein gutes Gefühl. Wobei: der CSU wird schon wesentlich weniger geglaubt als Trump: in Bayern warens noch gut 38%.

Der hier besprochene Text ist Teil des ila-Themenschwerpunktes „Migration„. Wer darin liest, merkt, wie ahnungslos wir saturierten Mitteleuropäer*innen sind. Und viele wollen das leider bleiben.

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