„Sub-, Sub-, Sub-„. Das Ende der Menschlichkeit in der Logistikbranche

Von , am Montag, 4. Dezember 2017

von Rainer Bohnet

Der WDR hat es recherchiert. Und irgendwie hatten wir es ja geahnt. Jeder von uns kennt die Paketzusteller, in der Regel relativ junge Menschen, mit Paketbergen von Morgens bis Abends unterwegs. Immer in Hetze, oftmals mit Privat-Fahrzeugen, manchmal mit rudimentären deutschen Sprachkenntnissen.

Wir, die Konsumentinnen und Konsumenten in der digitalen Welt, lösen per Mausklick weltweite Aktivitäten aus, die vor unseren Haustüren eskalieren. Zustellfahrzeuge in allen Farben und mit den Logos globaler Logistikdienstleister bevölkern alltäglich die Straßen und Wege der Städte und verursachen zum Teil ein veritables Verkehrschaos.

Das eigentliche Problem dieser weltweiten Logistikketten ist allerdings der Mensch, der am Steuer der Zustellfahrzeuge sitzt und hinter den Paketbergen häufig sein Gesicht verbirgt. Er erhält z.B. bei Hermes und DPD nur den halben Mindestlohn, also 4,42 EUR. Bei einer vollzeitigen 40-Stunden-Woche, die natürlich in der Praxis völlig illusorisch ist, wird bei diesen Firmen ein Paketzusteller mit 707,20 EUR abgespeist. Da die Zahlung des halben Mindestlohns selbstverständlich illegal ist, wird das Entgelt schwarz ausgezahlt. Und damit kommt der zweite kriminelle Akt dazu, nämlich der Sozialversicherungsbetrug.

„Sub-, Sub-, Sub-„, heißt das moderne und menschenfeindliche Beschäftigungsmodell. Es ist so unterirdisch schlecht, dass die Verantwortlichen nicht identifiziert werden können und die Beschäftigten auf Matrazen in großen Logistikhallen oder im Führerhaus ihrer Autos schlafen müssen. Diese Situation beschrieb der ehemalige Bahn-Chef Hartmut Mehdorn mit den Worten: „Gegen Lkw’s, deren Fahrer in ihren Lkw’s leben, haben wir keine Chance.“

Was ist in dieser Branche passiert, wenn sich selbst ehemalige Staatsfirmen wie die Deutsche Post AG nicht mit Ruhm bekleckern? Die Logistik boomt und hat zweifellos unzählige Jobs geschaffen. Die Auslöser des Booms sitzen im Wohnzimmer oder am Schreibtisch und bewegen nur einen Finger, um Schiffe, Flugzeuge, Lkw’s und Züge in Bewegung zu setzen. Und da der Transport, egal wo er herkommt, so billig wie möglich sein muss, muss die Logistik darben.

Ich habe heute meinen Paketzusteller von der Deutschen Post AG gefragt, ob er vernünftig bezahlt wird. Nach anfänglichem Zögern bedankte er sich bei mir und sagte: „Machen Sie sich keine Sorgen, ich arbeite unmittelbar bei der Post und werde nach Tariflohn bezahlt.“ Hinzu kommt, dass ich praktisch so gut wie nie online bestelle, sondern ein Fan des stationären Einzelhandels bin. Klingt altmodisch, ist aber nebenbei bemerkt auch aus umweltpolitischer und stadtentwicklungspolitischer Sicht sehr sinnvoll.

Die prekären, äußerst schlecht bezahlten und menschenunwürdigen Arbeitsverhältnisse in der „Sub-, Sub-, Sub“-Branche müssen gnadenlos öffentlich angeprangert werden. Darüber hinaus sollten sich die Betroffenen selbst zur Wehr setzen und einer Gewerkschaft beitreten. Denn sonst geht der Sklavenhandel im 21. Jahrhundert ungebremst weiter.

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