EXTRA-DIENST - Beuel & Umland

Fußballtalent fehlt? Dann werd‘ Immobilienhai

Von , am Dienstag, 21. März 2017

Heute umrundete ich nach langer Zeit mal wieder die Baustelle für mehrere hundert Wohnungen an der Ecke St.Augustiner / Niederkasseler Straße. Hier hatte ich das Projekt zuletzt erwähnt. Die aktuelle optische Anmutung hat mich heute etwas schockiert.
Am idyllischen Brohltalbahnweg hört man heute die Spatzenvölker balzen. Diese Südseite ist in jeder Hinsicht die Schauseite, auch für zukünftige Bewohner*innen, die hier ihre Balkone und Loggien bekommen. Aufgrund von Brandschutzanforderungen wurde einiges Grün auf dieser Seite geopfert. Wirklich schockierend sind die anderen Seiten. Weiterlesen

Vielfalt macht Kinder stark – Grundschulen für alle öffnen

Von , am Montag, 20. März 2017

von Katja Dörner MdB und Tim Achtermeyer, Stadtverordneter

Die Idee der Bekenntnisgrundschule ist ein Relikt vergangener Zeiten. Sie entstammt der Vorstellung einer religiösen Homogenität im christlichen Sinne und einer Dualität der Konfessionen. Während selbst in tiefschwarz regierten, katholisch geprägten Bundesländern wie Bayern konfessionelle Grundschulen der Vergangenheit angehören, sind sie in Nordrhein-Westfalen fester Bestandteil der kommunalen Schullandschaft. Dabei ist die pädagogische Arbeit an den Schulen längst weiter als die Struktur. Es war gelebte Praxis, dass nicht die Konfession über die Aufnahme an den Schulen entscheidet, sondern in den meisten Städten galt: Kurze Beine, kurze Wege – Kinder sollten es nicht weit bis zur Schule haben. Moderne Bildung ist auch immer das Kennenlernen des „Neuen“. Inklusion im erweiterten Sinne ist nicht nur das gemeinsame Lernen und Leben von Kindern mit und ohne Behinderung, sondern das Zusammenkommen von Kindern der verschiedensten Kulturen, Religionen, Konfessionen und Milieus. Vielfalt macht Kinder stark.

Im kommenden Schuljahr kann es in Bonn passieren, dass Nachbarskinder nicht gemeinsam in die Grundschule eingeschult werden können Weiterlesen

E-Mobilität: China dreht uns eine lange Nase

Von , am Sonntag, 19. März 2017

Die angeblichen Verteidiger von Industrieinteressen sind ihr eigentlicher Ruin, egal ob diese Witzfigur Trump oder Dobrindt heisst. Offen bleibt hier, wie in vielem, die Rolle des Weissen Blatts Martin Schulz. Der hat eben seine eigene Dramaturgie.
Sebastian Heilmann, einer der besten deutschen China-Kenner, beschreibt heute in der FAS die E-Mobilitätsstrategie der chinesischen Regierung. Die Lebensgefahr für die Autoindustrie in Europa und Nordamerika grinst hier aus jeder Zeile. Allein eine adäquate Reaktion der hiesigen Politik ist nicht zu erkennen.

Dazu ein kleines Beispiel aus dem Alltagsgeschehen auf der Kennedybrücke. Die eigentliche Pest der warmwerdenden Jahreszeit sind die Mopeds und Vespas. Ihre Emissionen an Dreck und Lärm übertreffen spielend so manchen LKW und Bus (unsere tollen 6 E-Busse sowieso). Als Fahrradfahrer weiss ich, dass ich auf der Brücke besser immer die „falsche“ Seite zur Überquerung nutze. Weiterlesen

Wohnungspolitischer Konsens in Sicht

Von , am Donnerstag, 16. März 2017

von Karin Robinet

Die Rolle der Vebowag anerkannt

Die städtische Beteiligungsgesellschaft Vebowag ist das zentrale wohnungspolitische Instrument in Bonn. 93% der Aktien gehören der Stadt Bonn. Mit annähernd 6.500 Wohnungen ist die Vereinigte Bonner Wohnungsbaugesellschaft (Vebowag) der Marktführer im sozialen Wohnungsbau in Bonn. Sozialer Wohnungsbau ist das Kerngeschäft – hier liegt die herausragende Kompetenz. Ihre wirtschaftliche Lage erlaubt, dass sich die Vebowag vermehrt dem Neubau von Sozialwohnungen widmet. Das wäre auch unter haushälterischen Gesichtspunkten von Vorteil. Denn jeder Neubau stärkt das Eigenkapital der Stadt Bonn und erhöht damit den haushaltspolitischen Spielraum.

Deswegen begrüße ich sehr, dass sich die politischen Kräfte in dieser Stadt auf Rahmenbedingungen geeinigt haben, die zu einem Mehr an preiswertem Wohnraum beitragen können und die wichtige Rolle der Vebowag nunmehr anerkannt ist. Die Vebowag kann auf mindestens drei Wegen zu mehr preisgünstigem Wohnraum in Bonn beitragen: Weiterlesen

Linie 66: dem Ingschenör ist es zu schwör

Von , am Mittwoch, 15. März 2017

Die Stadtbahnlinie 66 ist eine so große infrastrukturelle Errungenschaft, dass sich sogar die regionalen Immobilienpreise nach ihrem Verlauf richten. Ein – von einer potenziellen Baumafia enthusiastisch begrüßtes – Ärgernis bleibt, wie sie von falschen verkehrspolitischen Prioritäten seit Jahrzehnten behindert wird. Davon labt die Tunnelbaulobby, die in Großstädten beständig U-Bahn-Bauten durchsetzt, damit die Sicherheitslage im oberirdischen öffentlichen Raum herabsetzt und die Städte wenige Jahrzehnte später über die Unterhaltskosten der Tunnelbauten pleitegehen lässt. (s. Duisburg, Mülheim/R., München, etc. etc.)

Das kann unseren Bezirksbürgermeister Deus (CDU), über den man viel lästern kann, aber nicht, dass er faul ist, im Angesicht seiner Landtagskandidatur nicht bremsen. Er will die furchtbar schmale (zwinker zwinker) St.Augustiner Straße verbreitern, gewiss nicht für die überquellenden Autos, sondern für die Linie 66, die zwischen Adenauerplatz und Adelheidisstraße zu viel aufgehalten werde.

Daran ist richtig, dass sie zuviel aufgehalten wird. Weiterlesen

BICC: was tun mit alten Militärgeländen

Von , am Samstag, 11. März 2017

Diese Überschrift kann sowohl mit einem Frage- wie mit einem Ausrufungszeichen gedacht werden.
Während die Botschafterin der Nato bei den Grünen Rebecca Harms heute im Deutschlandfunk für das Aufrüstungsziel 2% des Bruttoinlandsprodukts für den militärisch-industriellen Komplex warb und damit den aktuellen Wahlkampf ihrer Partei sabotierte, gibt es hier in Bonn mit dem BICC – Bonn International Center for Conversion einen Standortfaktor für Abrüstung.
Das BICC hat jetzt eine Tagungsdokumentation „Ehemalige militärische Liegenschaften im urbanen Raum – Konversion für die Zukunftsstadt?“ vorgelegt, die wie die Faust aufs Auge zu den Bonner Überlegungen um die Ermekeilkaserne passt.
Wäre schön, wenn Politker*inn*en wie Harms sowas überhaupt lesen würden.

Olivotti 50

Von , am Samstag, 11. März 2017

Der General-Anzeiger widmet heute dem Beueler Eiscafe Olivotti ein sympathisch-menschelndes Porträt. Gerne werden dabei ein paar weniger schöne ökonomische Fakten weggelassen, die ich als Stammkunde ergänzen möchte. Das Unternehmen hätte die 50 Jahre wahrscheinlich nicht durchgehalten, wenn es nicht ein „Familienbetrieb“ wäre, der ausserdem das Haus besitzt statt es mieten zu müssen.

Hätte es in Beuel einen Bürgerentscheid darüber gegeben, würde mit Sicherheit Olivotti den Pavillon auf dem Rathausvorplatz bewirtschaften. Allein: die Mietforderungen waren utopisch hoch, es hätte sich niemals gerechnet. Also zog dort in 30 Meter Entfernung ein direkt konkurrierendes bundesweit expandierendes Franchiseunternehmen aus Geseke ein.

Es hat versucht, den Winter durchzuhalten. Die Olivotti-Belegschaft macht dagegen regelmässig von Ende Oktober bis Anfang Februar die klassischen Eisdielenferien. Das strukturiert mir als Kunde jedes neue Jahr. Besonders liebenswert finde ich die schon historisch zu nennende alte Einrichtung. Das Gegenteil von hipp, schön, dass es sowas noch gibt.

Und wann man dort hingehen kann, ohne dass es überfüllt ist – leider kaum Aussenplätze, dafür aber Auspuffgase an der Bushaltestelle und Ampel – werde ich hier selbstverständlich nicht verraten.

Werner Rambow gestorben

Von , am Mittwoch, 8. März 2017

Werner Rambow, Beueler Bezirksbürgermeister 2012-14, ist tot. Der Krebs hat ihn geschafft. Ich lernte ihn schon Ende der 70er kennen, in der Fachschaft Politikwissenschaften an der Uni Bonn. Er folgte als Aktivist des Marxistischen Studentenbundes Spartakus Raimund Thomas-Wilmsen nach, ein kontrastreicher Wechsel. Raimund war ein nachdenklicher Intellektueller, Werner war ein Macher, der schnell was erreichen wollte. Später als Grüner Kommunalpolitiker sollte ihm die damit verbundene Hartnäckigkeit von Vorteil sein.

Nachdem er seine Druckerei 2003 dichtmachen musste, geriet Werner privat bald in die Mühlen der deutschen Sozialpoliitik und wurde „Kunde“ von Hartz IV. Von dort verurteilte man ihn zur Jobaufnahme in einem Callcenter. Das hielt er nicht nur bemerkenswert lange durch Weiterlesen

Klarsicht aus dem Ruhrgebiet

Von , am Dienstag, 7. März 2017

Fangen wir oben an. Der „mächtigste Mann der Welt“ – haben Sie immer noch Probleme dieses Phänomen zu verstehen? Dann lesen Sie Fritz Eckenga. Ich habe bisher nur ein Thema entdeckt, bei dem wir unterschiedlicher Meinung sind: Claudia Roth …. ach ja: und unsere zwei Borussias; aber das ist ja auch so eine Art Gemeinsamkeit. Zu Fritz selbst bitte hier entlang.

Und dann weiter unten: NRW, Landtagswahl, im Mai. Ulrich Horn ordnet ihren Stellenwert im Bezug zur Bundestagswahl im Herbst ein. Wir kommen zwar aus der gleichen Stadt, er hat lange in meiner Geburtsstadt Gelsenkirchen gewohnt, allerdings in einem Stadtteil, dem man nicht ansieht, dass er dazu gehört – Westerholt. (Internet macht schlau: 60 Jahre lang habe ich das geglaubt, und es gehört gar nicht zu Gelsenkirchen, sondern zu Herten!) Und jetzt lebt er im von Köln bis zum Ruhrgebiet verhassten Düsseldorf. Von dort hat er sein Berufsleben lang das Ruhrgebiet über die NRW-Landespolitik informiert, in der bundesweit größten Regionalzeitung WAZ, als sie noch wichtig war. Was er jetzt schreibt – ich habe keine Stelle gefunden, an der ich ihm widersprechen könnte.

Köln – Bergamo

Von , am Freitag, 3. März 2017

Eine beliebte Nummer des Kölner Kabarettisten Jürgen Becker, der auch privat ein lustiger netter Kerl sein kann, geht so: er steht vor einem bekannten großen Luftbild von Köln am Ende des 2. Weltkriegs, zu sehen ist die riesige Trümmerwüste mit dem unversehrten Dom in der Mitte. Kommentar von Becker: „Die U-Bahn ist fertig!“
Angedroht ist das in Köln ja jetzt erst für 2023, also ein paa Jahre ham’wer noch.
Angespielt wird damit auf den Einsturz des Kölner Stadtarchivs an der Severinstrasse in der Südstadt im Jahr 2009. Andreas Rossmann, der landeskundigste NRW-Korrespondent der bundesweiten Blätter (FAZ) kommentiert nun einen weiteren Einsturz des Kölner Stadtarchives, nämlich den, den ihm die lokale Bürokratie beibringt.
Es ist eine Parabel für einen Systemfehler, der weit über Köln hinaus, und weit über Kultur hinausreicht. Diese Bürokratien sind kaum noch steuerbar, schon gar nicht für ehrenamtliche Amateurpolitiker*innen, wie sie auf kommunaler Ebene die Regel sind. Hier liegt ein tieferer Grund für das Scheitern auch bei größeren Aufgaben; es ist unsere Bürokratie, die „das nicht schafft“.

Darum hier noch was Positives: eine graue Maus der Seria A im italienischen Fussball, Atalanta Bergamo mischt derzeit das Business auf, das neue Udinese. Der Fussball lebt, solange sowas noch möglich ist. Zum Vergleich: hier der neueste Lagebericht aus China.