EXTRA-DIENST - Genuss

Italien, unsere Liebe

Von , am Montag, 24. Juli 2017

Gutes Essen und Trinken, schönes Wetter, schöne Landschaft, liebevolle, temperamentvolle Menschen, vornerum Machos, hintenrum zieht Mamma die Strippen.
Vieles davon ist in Gefahr, und zwar oft durch unsere deutsche Politik der Herrschaft in der EU.

So lassen wir die Italiener*innen mit der seerechtlich vorgeschriebenen Arbeit der Seerettung allein. Die herrschende Fantasie in Mitteleuropa reicht mal gerade zur Einrichtung von Lagern, egal wo, hauptsache nicht bei uns. Hören/lesen Sie hier beim DLF („Europa heute“), wie Italien Menschenleben und europäische Werte rettet.

Italien will Mr. Trump einladen, um ihm Beweise zum Klimawandel zu präsentieren. In Rom wird Wasser rationiert, das Land fällt trocken, Teile brennen ab – Berichte von telepolis, FAZ und SZ.

Andreas Rossmann (FAZ Feuilleton NRW) macht wie immer Urlaub in Sizilien und schickte uns diese kurze schöne Liebesgeschichte aus der Welt der Eisenbahner*innen. Morgen um 14.45 h gibts im SWR ein hübsches Filmchen aus der gleichen Gegend und Milieu.

Slowfood-Magazin „Kulturlandschaften“

Von , am Sonntag, 23. Juli 2017

Mit unserem romantischen Verständnis von Natur übersehen wir oft, dass die Landschaften, die wir am „schönsten“ finden, Kulturlandschaften sind, also vom Menschen gemacht. Auffälligstes ästhetisches Beispiel ist die Toskana. Doch auch Deutschland ist voll davon: Marschen, Heide, Hutewald, Steuobst- oder Almwiesen. Das ist das Schwerpunktthema der Sommerausgabe Aug./Sep. 2017 des Slowfood-Magazins (aktuelle Ausgabe derzeit noch nicht online).
Weitere Themen:
Vergleichstest Vanilleeis
Arche-Aufnahme: Mangold Sennfelder Stiel
Genussreise Westküste Schleswig-Holstein – mit vier kleingedruckten Seiten voller Hotel-, Gastronomie und Shopping-Tipps
„Foodheroes“ im Chiemgau (Reis und schwarze Linsen)
Himbeere – „Königin der Beeren“
Kochen ohne Rezept und Waage
und Ex-Chefredakteur Manfred Kriener vergleicht die aktuellen Parteiprogramme zur Bundestagswahl.

Seltene Rebsorten – ein Klasse-DLF-Wochenendjournal

Von , am Samstag, 15. Juli 2017

Als Samstagslangschläfer geniesse ich das DLF-Wochenendjournal von 9 bis 10 Uhr meistens im Bett. Ein Reportagemagazin zu einem Schwerpunktthema, gegliedert mit zum Thema passenden Musikstücken. Heute war Wolf Renschke dran. Es ging um Wein und die aufwendige und engagierte Pflege seltener Rebsorten, die sich industrieller Produktion weitgehend entziehen, und so unserem Geschmackssinn eine Perspektive zeigen, wie schön und berauschend Vielfalt sein kann. Hier nachzuhören.

Osnabrück zeigt türkische Biennale

Von , am Freitag, 14. Juli 2017

von Ingo Arend
Heimat ist, wo mein Fetisch ist
Nach einer Rufmordkampagne gegen die Kuratorin wurde die Biennale von Çanakkale erstmal abgesagt. Jetzt läuft sie doch – in Niedersachsen.

Eingeschlagene Fenster, verwitterte Türen, von Schlingpflanzen überwucherte Balkone. Reysi Kamhis Holzkohlezeichnungen kommen ganz unscheinbar daher. Die Istanbuler Künstlerin hat die verlassenen Häuser des jüdischen Viertels von Çanakkale gezeichnet, einer westtürkischen Kleinstadt an den Dardanellen. Heute stehen sie leer, verfallen. Wer hat darin gewohnt? Wohin sind ihre Einwohner verschwunden? Was ist aus ihnen geworden?

Schwer zu sagen, welche Reaktionen Kamhis Arbeit in der Türkei hervorgerufen hätte. Mit religiösen Minderheiten geht der türkische Staat seit je mehr als robust um. Eigentlich hätte die Arbeit auf der „Homeland“ betitelten fünften Ausgabe der Biennale von Çanakkale gezeigt werden sollen. Die zweitgrößte der vier türkischen Kunst-Biennalen, 2006 gegründet, greift auf mythischem Gelände zwischen dem antiken Troja und dem Schauplatz der Schlacht von Gallipoli im 1. Weltkrieg immer wieder das Thema Krieg und Frieden auf.

Die Absage der Schau nach einer Rufmordkampagne eines örtlichen Abgeordneten von Präsident Erdoğans AK-Partei Weiterlesen

Sorgenfalten des Kapitalismus

Von , am Donnerstag, 8. Juni 2017

von Ingo Arend

Politische Kunst der Documenta – in Athen will sie neoliberale Politik am Schauplatz der Austeritätspolitik kritisieren. Sie verliert sich dabei in Allgemeinplätzen.

„Documenta is the Botox of Capitalism“. Die Umhängetasche mit diesem Spruch, mit der ein Biennale-Aktivist zur Eröffnung über die Documenta 14 in Athen flanierte, war natürlich eine populistische Provokation. Ganz abwegig ist der böse Slogan indes nicht.
Viele, wenn auch nicht alle der derzeit fast 200 Biennalen auf der Welt verdanken sich politischen Instrumentalisierungen. Sie dienen dem Nation Building. Sie heizen die Spektakelkultur an, oder sie verdanken ihre Existenz dem lokalen Stadtmarketing. Und auch die Schau in Hellas ließe sich als Geste kultureller Wiedergutmachung für die von der Austeritätspolitik Angela Merkels und Wolfgang Schäubles hinterlassenen Wunden lesen. Stammt doch der überwiegende Teil des Geldes, das die Documenta dort konjunkturfördernd ausgibt, von den deutschen Steuerzahlern.

Doch wenn man der Schau des Kurators Adam Szymczyk etwas nicht nachsagen kann, dann dass sie als Nervengift eines Systems dienen würde, das seinen Verfallsprozess kaschieren will. Dazu legt die Documenta die Finger zu sehr in die Wunden, die ein solches System lieber übertünchen würde. Die geballte Ladung der dort noch bis Mitte Juli gezeigten „political and social engaged art“ lässt die Documenta eher wie die künstlichen Sorgenfalten des Kapitalismus erscheinen. Denn irgendetwas geändert an der Krise in Griechenland hat die Schau nicht. Wenige Wochen nach der Eröffnung musste die linke Syriza-Regierung Weiterlesen

9/11 / Afrika-EPAs / Amri-Vertuschungen / Fehler der Trump-Gegner / Körperschönheit

Von , am Donnerstag, 25. Mai 2017

Waren Sie gestern nicht auf der Autobahn? Glückwunsch! Fürs lange Wochenende Empfehlungen fürs Hirn, die erste versaut Ihnen die Stimmung, mit der letzten geht es Ihnen wieder besser:

Arte zeigte diese Woche eine internationale Koproduktion zu 9/11, nicht wers gewesen sein soll, sondern was der „War On Terror“ danach angerichtet hat: definitiv den Terror gestärkt. Eine gute Figur gibt in dem Film Dominique de Villepin ab, ehemaliger konservativer Außenminister Frankreichs. In der Arte-Mediathek verfügbar bis Mitte August.

Auf Oxiblog analysiert Pit Wuhrer die Gemengelage um Freihandelsabkommen, die die EU den afrikanischen Staaten aufdrängen will. Nur für die Region südliches Afrika konnte schon eins inkrafttreten.

Thomas Moser, NSU-Experte von telepolis, nimmt sich, naheliegend, den vergleichbaren Vertuschungen im Fall Amri an. Es sollte nicht wundern, wenn auch die Brit*inn*en bald parallele Feststellungen um den gestrigen Bombenleger in Manchester treffen müssen.

Ulrich Teusch, einst ein anständig-bürgerlicher Journalist, hat sich aufs Bloggen verlegt. Er sieht, auf angenehm coole Weise, schwerwiegende Fehler der Anti-Trump-Propaganda beidseitig des Atlantiks, und bevorzugt – wie ich – harte Opposition.
Von den Silicon-Valley-Miiliardären ist die jedenfalls nicht zu erwarten, wie Adrian Daub heute in einem Deutschlandfunk-Essay analysierte.
Stefan Reinecke und Ulrich Schulte (taz) berichten aus der Heisseluftfabrik Berlin. Stefan Niggemeier kämpft unverdrossen gegen die Vereinfacher dort, die immer an dem Ast sägen, auf dem sie sitzen.

Magarete Stokowski hält ein argumentgesättigtes Plädoyer gegen Herabwürdigungen von Körpern für ein Selbstbewusstsein von Schönheit, klasse.

Frauen rollen Reste der Popindustrie auf

Von , am Dienstag, 23. Mai 2017

Seit Jahrzehnten habe ich keine Musik mehr gekauft. Meine Wohnung steht voll davon, ich schaffe es nicht mehr sie zu hören – ausser sporadisch im Radio. Die Produktionsverhältnisse für das, was unsereiner als Pop kennengelernt hat, haben sich radikal verändert. Die einstigen „Major Companies“ sind aufgefressen worden. Künstler*innen sind noch mehr auf sich selbst, Kapitalkraft, Ausdauer, Ellenbogen, Vermarktbarkeit und -fähigkeit angewiesen. Nach meiner Wahrnehmung steigt der Anteil der Frauen unter den wenigen, denen das gelingt.
Ich schäme mich, Informationen aus dem Boulevardmedium Spiegel-online zu beziehen, aber diese Reportage über Sevdaliza mag einerseits ultraclevere PR sein. Sie ist aber spannend, weil sie sehr viele miniaturisierte politische Signale setzt, und in diesem Falle keine schlechten. Beispielhaft für aktuelle Entwicklungen der Branche, dass sich hinter der Künstlerin eine kleine selbstgebaute Popfabrik verbirgt, als Unternehmensform vergleichbar mit der TV-Fabrik hinter Jan Böhmermann.
Politisch expliziter äussert sich das im taz-Interview mit der Libanesin Yasmine Hamdan, ein weiteres Beispiel für die kulturelle Überlebensfähigkeit eines Landes, das gemessen an seiner Einwohnerzahl vermutlich den Weltrekord an Aufnahmebereitschaft für Flüchtlinge hält.
Der neue Pop ist das Fussballbusiness, Sehnsuchtsziel globaler Kapitalströme. Marie Kilg analysiert in einer sehr gut analysierenden Reportage für die taz die PR-Strategie dieses Fussballkonzernes aus dem süddeutschen Raum. Was sie hier gesehen hat, beherrscht längst das gesamte Entertainment- und Politikgeschäft, es steht repräsentativ für kapitalgetriebene Strukturveränderungen in unserem Mediensystem, und für die Gefahr, die davon für unsere Informations- und Meinungsfreiheit ausgeht.

Update 24.5.: Wie politisch Pop heute ist, hat am Beispiel Arianna Grande und dem Bombenanschlag nach ihrem Konzert in Manchester, Dietmar Dath in der FAZ absolut zutreffend erfasst,

NSU-Tribunal / Schinken-Panscherei

Von , am Montag, 22. Mai 2017

In Köln fand am Wochenende ein Tribunal zur NSU-Mordserie statt, Dorothea Marcus berichtet in der taz. Das Problem: in Strafgerichtsverfahren können nur auf konkrete Taten begrenzte Sachverhalte – im besten Falle – aufgeklärt werden. Es fehlen dabei Zusammenhänge, gesellschaftliche, politische. Deren Aufklärung wäre notwendiger Bestandteil einer Wiedergutmachung gegenüber den Hinterbliebenen.

Der leckerste und teuerste Schinken der Welt wird derzeit von der korrupten spanischen Regierung, in Zusammenarbeit mit der EU, planmässig ruiniert. So berichtete es Thomas Urban in der SZ am Wochenende. Es könnte einem egal sein, wenn die Spanier*innen so blöd sind. Sie sollten sich mal in der Toskana, bei den Produzent*inn*en des Brunello erkundigen, wohin Geschmackspanscherei führt – die Verkaufspreise jedenfalls wurden „bereinigt“. Es geht aber auch ein einmaliges Kulturgut verloren, und ein einzigartiger Geschmack. Und das gehört der Menschheit, keiner Regierung.

Gutes Fernsehen – gibts wirklich

Von , am Donnerstag, 18. Mai 2017

Immer wieder donnerstags glüht mein digitaler Videorecorder. Es gibt mehr zu gucken, als ein normaler Mensch schaffen kann, und zwar ganz ohne Privatsender – ich empfange nur 13 öffentlich-rechtliche Sender mit DVB-T2. Hier also, was es nur heute Sehenswertes gibt: Weiterlesen

Bürgeraktien für regionale Biolebensmittel im Rheinland

Von , am Freitag, 12. Mai 2017

von Sven Johannsen

Die Regionalwert AG Rheinland gibt Bürgerinnen und Bürgern, Institutionen, Stiftungen und Unternehmen die Möglichkeit, Geld sinnvoll, rentabel und nachhaltig in der Region anzulegen. Gemeinsam investieren wir in ökologische Projekte in der Land- und Lebensmittelwirtschaft. Der direkte Kontakt zu Bauern, Verarbeitern und Händlern, direkt vor unser Haustür – die Regionalwert AG Rheinland ist das Werkzeug dafür. Die Regionalwert-Gemeinschaft gestaltet ihre Region aktiv mit. Ökologisch, unternehmerisch und sozial.

Mit ihrer Beteiligung an der AG übernehmen Konsumenten gemeinsam Verantwortung für Anbau, Verarbeitung und Vermarktung ökologischer, regionaler Lebensmittel. Unsere Aktionärinnen und Aktionäre freuen sich über eine Rendite aus nachhaltiger Landwirtschaft und hochwertigen Lebensmitteln. Hergestellt von Bauernhöfen und Betrieben, die mit Tieren, Menschen und Umwelt vernünftig umgehen.

Interessierte Menschen haben bis zum 12. Juli 2017 die Möglichkeit, die neuen Aktien unser Kapitalerhöhung zu zeichnen.

Mehr Infos gerne unter 0221 – 677 709 87 und auf www.regionalwert-rheinland.de