EXTRA-DIENST - Genuss

ila / Slowfood

Von , am Sonntag, 26. März 2017

Die neue Ausgabe der Zeitschrift ila (Informationsstelle Lateinamerika in Bonn) hat das Schwerpunktthema „Alter in Lateinamerika“. In einem Beihefter geht es um die Auswirkungen von Freihandelsabkommen, und Gert Eisenbürger hat ein Buch von Leo Löwenthal von 1949 entdeckt, dessen Lektüre uns noch heute im Widerstand gegen Trump helfen kann.

Die neue Ausgabe des Slowfood-Magazins legt uns das Berchtesgadener Land ans Herz, befasst sich mit den Debatten um Veganismus, Vegetariertum und Fleischessen, portätiert als „Foodhero“ die Kölner Konditorin Lea Leimann (z.Z. Patissière im „Ox und Klee“), und Carlo Petrini weist auf die Willkommenspolitik des Libanon hin und fragt: „Wie können wir in Europa auch nur daran denken, Mauern und Absperrungen für Migranten zu bauen?“

Überraschende Kunst – in Dubai

Von , am Dienstag, 21. März 2017

Wissen die arabischen Feudalherren, worauf sie sich einlassen? So eine „Herrscherfamilie“ kann ja ganz schön heterogen sein. Ex-Bonner Ingo Arend berichtet in der taz von einer Kunstmesse in Dubai, die Freiräume ausreizt, die in mancher Demokratie nicht ermöglicht werden.

Olivotti 50

Von , am Samstag, 11. März 2017

Der General-Anzeiger widmet heute dem Beueler Eiscafe Olivotti ein sympathisch-menschelndes Porträt. Gerne werden dabei ein paar weniger schöne ökonomische Fakten weggelassen, die ich als Stammkunde ergänzen möchte. Das Unternehmen hätte die 50 Jahre wahrscheinlich nicht durchgehalten, wenn es nicht ein „Familienbetrieb“ wäre, der ausserdem das Haus besitzt statt es mieten zu müssen.

Hätte es in Beuel einen Bürgerentscheid darüber gegeben, würde mit Sicherheit Olivotti den Pavillon auf dem Rathausvorplatz bewirtschaften. Allein: die Mietforderungen waren utopisch hoch, es hätte sich niemals gerechnet. Also zog dort in 30 Meter Entfernung ein direkt konkurrierendes bundesweit expandierendes Franchiseunternehmen aus Geseke ein.

Es hat versucht, den Winter durchzuhalten. Die Olivotti-Belegschaft macht dagegen regelmässig von Ende Oktober bis Anfang Februar die klassischen Eisdielenferien. Das strukturiert mir als Kunde jedes neue Jahr. Besonders liebenswert finde ich die schon historisch zu nennende alte Einrichtung. Das Gegenteil von hipp, schön, dass es sowas noch gibt.

Und wann man dort hingehen kann, ohne dass es überfüllt ist – leider kaum Aussenplätze, dafür aber Auspuffgase an der Bushaltestelle und Ampel – werde ich hier selbstverständlich nicht verraten.

Beyoglu oder Erdogan – wer stirbt zuerst?

Von , am Dienstag, 28. Februar 2017

Vor gut 10 Jahren entsandte mich die Böll-Stiftung zu einem „Friedenskongress“ in einem Hotel am Taksim-Platz in Istanbul. Ein ursprünglich vorgesehener Grüner MdB war kurzfristig ausgefallen. Ich war noch nie dort, in der ganzen Türkei nicht. Ich schrieb mir eilig ein Eingangsstatement, die spätere MdB und studierte Anglistin Katja Dörner übersetzte es mir in Windeseile in professionelles Englisch – aus dieser Konferenzsprache wurde es simultan ins Türkische übersetzt. Ich gewann die Sympathie von über 90% des Kongresspublikums mit meinem Plädoyer für Menschen- und Bürgerrechte, die nicht für angeblich „höhere“ Ziele instrumentalisiert werden dürften – wie ich es seinerzeit z.B. bei Oskar Lafontaine erkannte, was für merkliche Verstimmung bei der ebenfalls auf dem Podium agierenden Linken-MdB und Ex-Trotzkistin Christine Buchholz sorgte.

Nach der Veranstaltung gruppierte sich eine kleine Menschentraube von Grünen-Sympathisant*inn*en um mich, u.a. ein älterer Herr, der sich als auf Bürgerrechte spezialisierter Rechtsanwalt vorstellte und mir anbot, mir noch ein wenig von der Stadt zu zeigen. Es wurde eine durchzechte Nacht in Beyoglu daraus, Weiterlesen

Feminismus

Von , am Dienstag, 28. Februar 2017

Fangen wir mit dem Sex an, weil das die meisten interessiert. Sensation: Frauen, die mit Frauen schlafen, haben öfter einen Orgasmus, als die, die mit Männern schlafen. Ist jetzt schon, 2017, rausgekommen. Wie konnte es so weit kommen? Siegmund Freud könnte schuld sein, und viele weitere Männer, die diese Art Wissenschaft beherrscht haben.
Dann noch das Langweilige, Politik. Anne Wizorek beschreibt die Ausgangslage zum 8. März. Weltweit setzen sich Frauen in Bewegung, Frauenverächter Trump sei Dank. Und hier? Soll sich die Bundeskanzlerin drum kümmern?
Wer bis hierhin weitergelesen hat, bekommt noch einen Sondertip: Barbara Schweizerhof. Sie war in den meisten meiner Freitag-Artikel die wunderbare betreuende Redakteurin. Jetzt ist sie bei epd-Film, und schreibt gelegentlich für die taz, aktuell über Jodie Foster und Viola Davis. Wir waren mal gemeinsam bei Vincent Klink essen, das ist quasi die Garantie für einen schönen Tag. Dieser gesellschaftliche Blick, den Barbara Schweizerhof auf gute und schlechte Filme hat, und dabei eine so uneitle und kooperationsfähige solidarische Redakteurin ist, das ist ein großes Geschenk für guten Journalismus.

Kapitalismus und Essstörungen

Von , am Sonntag, 26. Februar 2017

Vor einigen Tagen hatte ich hier schon einmal einen FAZ-Beitrag zu Selbstoptimierung und Essstörungen verlinkt. Ein Bonner Blog-Aggregator kommentierte das mit den Worten, ich hätte mich darüber „aufgeregt“. Aus dem Alter, mich über die FAZ aufzuregen, bin ich raus. Ich finde es sogar lobenswert, dass sich dieses Organ der Herrschenden in diesem Land überhaupt kontinuierlich dem gesellschaftlich relevanten Problem Essstörungen widmet; die meisten tun es nämlich nicht. Darum verlinke ich auch heute gerne ein FAZ-Interview der wahrhaft aufrechten Journalistin Melanie Mühl mit der Schweizer Professorin Dagmar Pauli.
Nichts, was dort ausgeführt wird, ist falsch. Und doch dreht sich da was im Kreis. Frau Mühl fragt: „Welche Rolle spielt das Elternhaus?“ Frau Mühl fragt nicht: „Welche Rolle spielt der Kapitalismus / die Gesellschaft / der Konkurrenzkampf?“ Im Elternhaus einer betroffenen Person spielen sich – immer! – Tragödien ab, meistens begleitet von extremer Hilflosigkeit; je mehr es in solchen Häusern noch Liebe zueinander gibt, umso schlimmer. Selbstverständlich geben sich die Eltern die Schuld, mindestens die Hauptschuld. So what?

Lob der Handmade-Gastronomie: Sarah & Thierry

Von , am Sonntag, 19. Februar 2017

An manchem sind wir geizigen Deutschen selber schuld. Beim Essen sind wir so geizig, dass Gastwirte nur bei Getränken eine Chance haben, ihren Lebensunterhalt zu verdienen. Das führt z.B. zu den überteuerten Restaurantpreisen für Wein, vor allem für guten. In Frankreich und Italien sind die Essenspreise auf den Speisekarten angemessener, so dass auch die Getränkepreise zumutbarer gestaltet werden können. Unser Geiz richtet aber weit mehr Schaden an. Er erschwert einen Umbau der Landwirtschaft in Richtung Geschmack, Artenvielfalt, Tierschutz und Ökologie, und er begünstigt Monopolisierung und Konzentration in Einzelhandel (die reichsten deutschen Männer waren die verstorbenen Aldi-Brüder) und Gastronomie (Franscheiss).
Zur Begehung eines runden Geburtstages entschloss ich mich zu erneutem aktivem Widerstand. Weiterlesen

Indiens Hindufaschismus / No sex in Japan

Von , am Montag, 13. Februar 2017

Manche, die rätseln, was sich mit diesem Trump entwickelt, sollten mal einen Blick auf Indien werfen. Das frühere Hippie-Wallfahrtsziel hat sich sehr verändert, und nicht alles ist dabei „moderner“ geworden. Der jetzige Regierungschef Modi verkörpert eine besonders unappetitliche Version eines machtvollen Bündnisses von Faschismus und Neoliberalismus, ist also ein schönes Vorbild für unsere AfD; wenn er nicht so schwarz wäre. Trump wird ihn ernstnehmen müssen, die Chinesen tun es schon lange, denn er hat auch einen Atomwaffenkoffer.
Japan hat eine Pornoindustrie, um das es seine kalifornischen Konkurrenten beneiden. Merkwürdig, dass deren Wachstum parallel verläuft mit einer epidemisch sich ausbreitenden Unlust an Sex in seiner Bevölkerung. Nicht nur Unlust zur Fortpflanzung, sondern gar keine Lust. Japans Küche, „Essen der Sex des Alters“, ist international immer noch überragend. Aber anscheinend sind alle müde. Die Mitmenschen sind ja sooo anstrengend.

Portugals Drogenpolitik / Graham Nash

Von , am Montag, 13. Februar 2017

Das werktägliche DLF-Magazin „Europa heute“, Sendetermin 9.10 h, ist immer das Zuhören wert. Wir erfahren Dinge aus EU-Mitgliedsländern, über die in der Regel in anderen Medien überhaupt nicht berichtet wird. Unsere Sender und Zeitungsredaktionen sparen das Geld für teure Korrespondet*inn*en lieber ein. Wussten Sie, dass Portugal schon seit über 10 Jahren, also über mehrere Regierungswechsel hinweg, eine Politik der Entkriminalisierung von Drogengebrauch verfolgt? Dem DLF-Bericht zufolge liegt das an einem hartnäckigen fachkundigen Regierungsbeamten.
Um das gleiche Thema Drogengebrauch und seine Illegalisierung kreist das Jungle-World-Interview mit dem 70-jährigen angloamerikanischen Musiker Graham Nash. Er hat mit Crosby, Stills, Nash & Young (hier ein Wikipedia-Link auf deutsch ohne „Young“) sowie den Hollies ein zum Teil unvergessliches Werk hinterlassen, musikalisch und politisch. Beim „No-Nukes“-Konzert 1979, einem der ersten großen Musikereignisse der Anti-Atom-Bewegung spielte er eine wichtige Rolle.

Kultur gegen rechts?

Von , am Donnerstag, 9. Februar 2017

von Ingo Arend

Was tun gegen rechts? Über kaum eine Frage streitet der Kulturbetrieb derzeit leidenschaftlicher. Reicht es noch, so das stete Memento, Ausstellungen zu eröffnen, Festivals zu besuchen oder neue Paul-Auster-Romane zu lesen, wenn gerade Demokratie, Europa und Menschenrechte geschleift werden?

Der Fotokünstler Wolfgang Tillmans beschwor dieser Tage pathetisch den „Kairos-Moment“: Historische Aufgabe der Stunde sei es, so der sonst eher zurückhaltende Liebhaber des subkulturellen Faltenwurfs, die libertäre gegen die autoritäre Gesellschaftsordnung zu verteidigen. Muss die Kultur also jetzt Aufstehen gegen rechts?

Nichts gegen Aktionen wie die „EcoFavela“, mit der sich das Hamburger Kampnagel-Theater vor zwei Jahren zur temporären Flüchtlingsunterkunft umfunktionierte. Wie wohl sie ästhetisch hinter Christoph Schlingensiefs „Ausländer raus“-Container zurückfiel. 2000 hatte der Regisseur in Wien Asylbewerber in einen Big Brother-Container gesperrt und das Publikum über deren Schicksal entscheiden lassen. Dennoch ist vor dem Trugschluss zu warnen, Kunst und Kultur ließen sich als schnelle Einsatztruppe gegen den Rechtsruck einsetzen. Weiterlesen