EXTRA-DIENST - Lesebefehle

Bannon – NSU – Terrorzucht: das eigene Böse

Von , am Sonntag, 20. August 2017

Hier die schlechten Nachrichten:
der Rücktritt/Rausschmiss Steve Bannons ist nur vordergründig eine gute Nachricht. Möglicherweise hat er den Vorgang mit seinem Ausplaudern des US-Wirtschaftskriegs-Strategie selbst provoziert. Dorothea Hahn/taz und Tomasz Konicz/TP analysieren ausführlich.

Die rot-rot-grüne Landesregierung Thüringens hat etwas getan, was dringend erforderlich war: erstmals einen Demokraten an die Spitze des Landesamtes für „Verfassungsschutz“ bestellt. Das Innenministerium wurde allerdings der SPD überlassen, die dort ein der FDP vergleichbares Sektenausmass darstellt. Und das kommt dann dabei raus (Thomas Moser/TP).

Ganz Europa trauert nach dem Terror in Barcelona. In Ouagadougou, bei der Bundeswehr in Mali um die Ecke, im Nachbarland ist das Gleiche passiert. Dort und im Irak und Syrien bekämpfen unsere Interventionäre und die unserer politischen Freund*inn*e*n weiterhin keine Fluchtursachen, sondern schaffen sie mit Terrorismuszucht.

Und hier die guten Nachrichten:
Der „Sachverständigenrat“ der Bundesregierung soll mit 4:1 Stimmen der Meinung sein, der eine habe keine Ahnung von Ökonomie, ein Argumentationsniveau wie auf dem Facebook-Schulhof. Nichts wissen wollen sie davon, wie China mit der Finanzkrise umgegangen ist: völlig unseriös und (bisher) erfolgreich. Der Grund, warum das geklappt hat, ist nicht wissenschaftlich ableitbar, sondern politisch: wenn Vertrauen in Deine Macht fortbesteht, musst Du den (kapitalistischen) „Markt“ nicht fragen, was Du für richtig hältst.

Bundesliga hat angefangen und alle reden über die Ultras. Aber interessieren sie sich auch für sie? Ronny Blaschke/FR tut es.

Katzen & Sex

Von , am Freitag, 18. August 2017

Sex wird allgemein überbewertet. Das bestätigt eine neue Studie, über die Werner Bartens in der SZ berichtet. Die Deutschen tun „es“ weniger als einmal die Woche. Die Männer gehen angeblich doppelt so oft fremd wie die Frauen; dann müssen sie wohl in der Hälfte der Fälle in den Puff gehen. 8% der Frauen machen es lesbisch, aber nur 5% der Männer schwul – beim gesellschaftlichen Radau, den sie machen, ist es – gefühlt – eher umgekehrt.

Zu Katzen gibt es heute nichts Neues. Sie essen genauso gerne Fisch wie ich. Heute kam am Tisch die Frage auf, ob wir damit unsere Wahlplakate auf den Teller bekommen. Die sind ja nicht mehr aus gekleistertem Papier, sondern aus wetterfestem Kunststoff. Und wir wissen ja, das Zeug schwimmt am Ende alles im Ozean, die Fische verderben sich daran ihre Verdauung und dann kommen sie auf unseren Teller. Aber nein, das mag zwar alles stimmen, aber mit den formschönen Plakaten, die uns das städtische Leben ästhetisch versüssen, ist es ganz anders.

Dann hier noch die unwichtigen Themen:
Ambros Waibel, kalabrischer N’Drangheta-Kenner bei der taz, hat herausgefunden, warum Trump unser Wohlbefinden steigert.
Ulrich Horn analysiert, dass Niedersachsens MP-Weil dem Kanzlerkandidaten wie ein Stein um den Hals hängt, dabei wäre es auch ohne schlimm genug. Der VW-Konzern ist längst moralisch zu einem „Fass ohne Boden“ für die Sozialdemokratie und die IG Metall geworden. Die meisten erinnern sich noch gut an die „Lustreisen“ nach Brasilien. Aufsichts- und Betriebsräte hätten dort einiges gehabt, um das sie sich hätten kümmern können.
Im Attac-Blog übt ein Gastautor Kritik am Online-Polit-Unternehmen Campact. Ich habe schon viel darüber Raunen gehört, u.a. dass bestimmte Energiebranchen die Plattform als Spender*in instrumentalisieren gegen konkurrierende Erzeuger*innen; hier wird nun mal eine öffentliche nachvollziehbare strategische Kritik artikuliert. Offen bleibt die selbstkritische Frage, die attac sich stellen müsste: es war einst als globalisierungskritische Bewegung genauso „in“ wie heute Campact, ist aber dann unter Wahrnehmbarkeitsschwellen versunken. Warum? Wie konnte das passieren?

„Frankenstein des Neoliberalismus“

Von , am Donnerstag, 17. August 2017

Vor wem von beiden müssen wir uns mehr fürchten? Antwort: wenn sie beide so harmonisch zusammentreffen, wie jetzt bei Donald Trump. So deutet es Judith-Butler-Gattin Wendy Brown in einem Aufsatz, der in deutscher Übersetzung von den „Blättern“ online gestellt wurde.
Trump-Berater Bannon wird, u.a. in der FAZ zitiert, dass Nordkorea eine Nebensache sei, die Hauptsache sei die Auseinandersetzung mit China. Da könnte er Recht haben. Die Sache hat nur einen Haken: China hat sie, die USA, schon am Haken, am Schuldenhaken. In immer mehr Technologien und Branchen hat es längst die Weltmarktführung übernommen.
Ein Gastautor von Spiegel-online feiert derweil schon die „Alt-Left“ in den USA als das nächste heisse Ding.

In der Jungen Welt zeichnet Werner Ruf heute nach, wie planmässig, aber auch konkurrenzhaft, die Westmächte Libyen zerstört und die Probleme kreiert haben, Weiterlesen

Bolivien – Saarland – Russland – New York

Von , am Mittwoch, 16. August 2017

Andre Dahlmeyer, profunder Kenner des lateinamerikanischen Fussballs, lässt uns heute in der Jungen Welt an Boliviens Höhenluft-Fussballwundern teilhaben.

Stefan Niggemeier weist der BILD bei uebermedien.de nach, dass sie erst mal Saarländisch lernen sollte, bevor sie sich wie ein AfD-Hausblatt über das Arabischlernen empört.

Auf oxiblog.de ist soeben eine Russland-Serie gestartet, die uns mehr am realen Leben als an den demagogischen Oberflächen teilhaben lassen will.

Heiseonline weist kommentierend auf ein Interview/Porträt der US-Zeitschrift „New Yorker“ mit Julian Assange hin. Unwillkürlich ertappte ich mich bei dem Gedanken, ob einer, der mit so einem Charakter an Politik herangeht, auch für sexuelle Übergriffe disponiert ist – wahrscheinlich ein küchenpsychologisches Vorurteil.

Trump & Merkel / Fussball- & Drogenkartelle

Von , am Dienstag, 15. August 2017

Die FAZ kennt sie alle. Günter Bannas seziert Merkels Phönix-Interview und seinen politischen Hintergrund.
Seine FAZ-Kollegin Frauke Steffens hält uns auf dem Laufenden, was sich in Trumps Stall „White House“ ereignet.
SZ-Redakteur Thomas Kistner verdeutlicht, dass ein US-Fahndungserfolg gegen mexikanische Drogenkartelle aufs engste mit europäischen Fussball- und „Berater“-Kartellen verbunden ist – die Einschläge kommen näher.

Gut, dass es noch gute Journalist*inn*en gibt.

Von Schwarzen lernen

Von , am Sonntag, 13. August 2017

Die Londoner Schriftstellerin Zadie Smith gibt heute im FAS-Interview eine nachdenkliche Antwort und Ahnung auf eine Frage, die mich gedanklich stark umtreibt: warum sind die mittelalten gesellschaftlichen Linkskräfte politisch und strategisch so schwach gebildet und ratlos? Eine Erklärung für das langlebige Merkel.

Der südafrikanische Schriftsteller Niq Mhlongo behandelt im Prinzip die gleiche Frage, aber für einen geografisch und historisch ganz anderen Raum. Er war in seiner Jugend am PAC orientiert, der damals recht unreflektiert linksradikal agierte und sicher nie in die Lage hätte kommen können, das Apartheidsystem zu stürzen, wie es dem ANC gelang. Aber das ist Geschichte. Heute stellen sich neue Fragen, die uns hier wie dort der Kapitalismus aufgibt.

Braucht Trump schon einen Krieg?

Von , am Freitag, 11. August 2017

Als es für Margaret Thatcher erstmals innenpolitisch eng wurde, brach sie 1982 den Falkland-Krieg vom Zaun. Das lief so perfekt, dass der Spiegel noch heute begeistert ist. Irgendjemand wird Donald Trump sicher schon mal davon erzählt haben.

Während ein SZ-Korrespondent heute sensationellerweise mal den Versuch unternimmt, sich strategisch in die Rolle von Nordkoreas Diktator zu versetzen, beschreibt Frauke Steffens erneut, wie gefährlich Sondermittler Mueller den Oligarchengeschäften Trumps, und – zunächst – seiner Hintersassen kommt. Gegen Mueller scheint Trump keine Gegenmittel mehr zu haben. Er braucht also, im schlimmen Sinne des Wortes, ein anderes „Schlachtfeld“.
Fast alle anderen internationalen Parteien scheinen dagegen vernunftgeleitet: China, Südkorea mit linksreformerischer, selbst Japan, mit rechtsreaktionärer Regierung. Aber welches Mittel haben sie gegen „America first“?

Istanbul – Huddersfield – Dortmund

Von , am Freitag, 11. August 2017

Was ist das nur mit den Frauen und den Katzen? Margarete Stokowski bemühte diese Spezies bereits bei ihren Gedanken zum Bundestagswahlkampf. Nun feiert die taz den Film „Kedi“ von Ceyda Torun, der den viel pragmatischeren Umgang Istanbuls mit diesem Tier zeigt, und wahrscheinlich die deutschen Herzen erweichen wird. Wie würden sie wohl schmecken? Wie ist der Aroma-Unterschied zwischen Wohnungs- und Freilandhaltung?

Das nächste Fussballmärchen in England steht bevor. Oder hat durch den Aufstieg von Huddersfield Town bereits stattgefunden. Das komplette Team kostet weniger, als ein Einwechselspieler auf ManU’s Ersatzbank. Ralf Sotschek/taz freut sich, und wir mit.

Andere Räder werden in Dortmund gedreht. Während der DLF heute früh eine Reportage aus dem Drogenmilieu der dortigen Nordstadt sendete, sind alle anderen Medien voll mit dem „tapferen“ Widerstand des BVB-Managements Weiterlesen

Werden wir Balkan?

Von , am Donnerstag, 10. August 2017

taz-Kolumnistin Jagoda Marinic – „Kroatien? Wer hat das denn in die EU gelassen?“ – kann ihre Schadenfreude angesichts der aktuellen deutschen Ereignisse und eines Wahlkampfes in Vollnarkose kaum unterdrücken, verständlicherweise.
Wenig lachen über das Bild, das wir uns von ihnen machen, können die hier lebenden Brasilianerinnen.
„Attraktivität“ spielt angeblich in der Politik eine immer grössere Rolle. Sie spült aber nicht Brasilianerinnen, sondern – vom Nordrand des Balkan – österreichische Männer nach oben. Bei dem einen, dem Kurz, überkommt mich als Heterosexuellen allerdings Brechreiz. Wahrscheinlich liegts nicht an der Optik, weil er mich auch überfällt, wenn ich den Mann im Radio höre.
Auf dem Balkan sind auch die gleichen Investmentfonds unterwegs, die sich die zweitgrösste deutsche Wohnungsgesellschaft, die „Deutsche Wohnen„, unter den Nagel gerissen haben. Manche wünschen ähnliche Kapitalverhältnisse bei VW, mir sind die bei der Bonner Vebowag lieber, der einzigen Erbauerin von sozial geförderten Wohnungen in unserer Stadt.
Das Fussballbusiness kennt sowieso keine geografischen Grenzen. Ist es gut oder schlecht für den BVB, wenn Dembele für viel Geld abhaut? Und wird der SC Freiburg wieder in Abstiegsgefahr geraten? Eine Gefahr, Doppelbelastung durch Europacup, ist ja durch frühes Ausscheiden in Slowenien (= Balkan!) schon gebannt.
Zurück aus dem Sommerloch auch die Gladbach-Freunde von seitenwahl.de. Das ganze Transfer-Gedöns hatten wir ja schon vor den Ferien erledigt.

Sichtermann – Leggewie – Michal

Von , am Montag, 7. August 2017

Sind die Alten doch immer noch die besten Schreiber*innen? Dieser Eindruck verfestigte sich am abgelaufenen Wochenende.
Barbara Sichtermann lieferte beim DLF einen Essay über Frauenbilder und Integration ab, der das gute, alte, vergessene Prozessdenken wiederbelebt.
Claus Leggewie beschäftigte sich in der Wochenend-taz mit der Sex-Zensur bei Instagram und fabrizierte dabei diesen falschen Satz: „Die USA gelten als besonders prüde, obwohl dort eine ausufernde Pornoindustrie beheimatet ist.“ Richtig müsste er heissen: „Die USA gelten als besonders prüde, darum haben sie eine ausufernde Pornoindustrie.“ In gesteigerter Form siehe Japan. Es gilt das gleiche Prinzip wie bei der Drogenindustrie: je größere Illegalität, umso attraktivere Extraprofite auf Schwarzmärkten. Trotz dieses Fehlers lesenswert.
Wolfgang Michal analysiert die Lindner-FDP, die sich in cooler Analyse des Marktes und seiner Nischen für die Marke „weichgespülte AfD“ entschieden und der damit Wasser abgegraben habe. Mit den Grünen als Liberale nicht zu verwechseln.