EXTRA-DIENST - Lesebefehle

Die Narzissmus-Gefahr

Von , am Dienstag, 17. Oktober 2017

Narzissmus, vor allem bei Männern, ist eine direkte Gefahr für die körperliche Unversehrtheit der Frauen in ihrer Umgebung. Er ist auch eine Gefahr für die ganze Demokratie. In der Politik wimmelt es von Narzisst*inn*en, sie zieht sie an wie ein Staubsauger. Etliche kenne ich persönlich, Männer und Frauen. Warum fallen dennoch so viele auf sie rein? Wie sind sie zu erkennen und zu durchschauen? Einfacher gesagt, wie hier in einem schön zusammenfassenden FAS-Interview mit Bärbel Wardetzki, als getan.
Anne Wizorek, Aufschrei-Initiatorin und gerne gebuchtes Talkshow-Gesicht, sieht im SZ-Interview auch Fortschritte. Mit Zivilcourage und Solidarität ist Fortschritt möglich. Nur sollte die Betrachtung nicht oberflächlich und hektisch-reaktiv sein, sondern Strukturen analysieren und erkennen, die bekämpft werden müssen. Da ist noch Luft nach oben.

Macht über Europa, entschieden in: Deutschland

Von , am Sonntag, 15. Oktober 2017

Die gegenwärtige, demnächst „geschäftsführende“ Bundesregierung trägt einen erbarmungslosen europäischen Machtkampf in den eigenen Reihen aus, kaum noch verdeckt. Letzteres ist dem Noch-Aussenminister Gabriel zu verdanken, der sich nicht nur intern, sondern offensiv sichtbar gegen Finanzminister Schäuble positioniert. Der wiederum schnell vor Bildung einer ungewissen neuen Koalition entscheidende Pflöcke für das austeritätsfixierte deutsche Großkapital einrammen will. Aktuelle Analysen dazu von Svenja Glaser beim Oxiblog und von Steffen Vogel in den Blättern.

Ein Wetterleuchten, wie es auch hierzulande desaströs weitergehen könnte, droht heute in Österreich. Manche meinen ja, wir wären die meisten reaktionären Probleme los, wenn wir Bayern an Österreich verschenken würden. Aber wohin mit Baden-Württemberg? Wohin mit den Ossis? Müssen wir dann nicht eher NRW für unabhängig erklären? Aber wohin dann mit den Westfalen? Und ist nicht auch das Rheinland mental geteilt, durch den breiten Fluss in seiner Mitte?
Die Probleme der „andern“ sind schon längst hier. Die Jungle World beschreibt z.B. die Spaltung der österreichischen Grünen durch Peter Pilz. Bei den Grünen im Rhein-Sieg-Kreis ist es längst schon ähnlich: in jedem Ort, der sich dort für eine Stadt hält, gibt es schon mindestens zwei „grüne“ Grüppchen, und auch hier in Bonn gibt es in deren Ratsfraktion kaum noch ernsthafte Bemühungen den Laden zusammenzuhalten.
Die FAS berichtet heute über den Immobilienkapitalismus im idyllischen Voralpenland. Und gerade am Mittwoch sprach ich mit Freund*inn*en über das gleiche Thema hier im idyllischen Bonn. Alles schon hier, im Voralpenland von Köln, nicht mehr abspaltbar.
Der oben schon erwähnte Herr Schäuble kämpft darum, dass das nicht besser wird, sondern weitergeht. Nach einem „Monitor“-Bericht kämpft er in der EU darum, dass die deutsche Immobilienwirtschaft ein Paradies für Geldwäsche bleibt.

Dass es auch anders geht, zeigt ausgerechnet Italien. Dort, auf Sardinien, haben sie eine Villa des katarischen Präsidenten von PSG aufgrund seiner – mutmasslich – kriminellen Machenschaften in Fussballbusiness erst mal beschlagnahmt. Geht doch.

Identität ist nicht stabil

Von , am Sonntag, 15. Oktober 2017

Dass Rechte mit Identität politisch hantieren, ist normal. Wenn es um Ausgrenzen und um Zuschreibung von Minderwertigkeit geht, kann mann darauf nicht verzichten. Auch Linke müssen Identitäten analytisch berücksichtigen. Wer jedoch linke Strategien ausschliesslich auf Identitäten bauen will, ist auf dem Holzweg. Mehr als Rechte haben mich zeitlebens Linke/Linksradikale auf die Palme gebracht, die unfähig zum Prozessdenken sind. Die gibts auch heute, z.B. an meinem letzten angestellten Arbeitsplatz, und sie scheinen sich hierzulande sogar zu vermehren.
Es gibt auch Anzeichen für einen positiven Gegentrend. So hört und liest man, dass in Berlin und anderen Städten Hörsäle überfüllt werden, in denen irgendwas mit Marxismus läuft. Matthias Greffrath widmete dem sogar eine immer noch hörens- und lesenswerte Reihe im Deutschlandfunk. Auch was Paul Mason im Freitag über das Geschehen rund um den letzten Labour-Parteitag berichtet, macht Hoffnung.
Wie ein emanzipatorischer Umgang mit Identitäten aussehen kann, skizzierte heute morgen Jens Kastner in der DLF-Reihe „Essay und Diskurs„. Diese Reihe, noch unter dem Titel „Kultur am Sonntagmorgen“, führte mich in den 80er Jahren einst zu diesem Sender als Quell intellektueller Bereicherung.

Problem CSU / Giftiger Schaumstoff

Von , am Freitag, 13. Oktober 2017

Die Bundesregierung wäre schon fast fertig, wenn die CSU nicht wäre. Wer bisherige öffentliche Äusserungen und das sichtbare Persönlichkeitsbild der Beteiligten betrachtet, weiss das. Manche, selbst Grünen-Mitglieder, meinen, Jürgen Trittin könne ein Risiko für die Koalitionsbildung sein. Was für ein Quatsch. Ihn amüsiert es sicherlich, dass er so „gefürchtet“ wird, weniger von der CDU, die ihn lieber „zur Sicherheit“ dabei hat, mehr von den Weicheiern in den eigenen Reihen. Dass er in Interviews, bevor es überhaupt erste Sondierungen gegeben hat, klare Kante zeigt, zeugt nur von Verhandlungserfahrung. Denn wer schon vorher zeigt, dass er bereit ist unter der Türritze hindurchzukriechen, worüber will der denn verhandeln? Was würde Boris Palmer gegenüber Seehofer für eine humane Flüchtlingspolitik herausholen? Weniger als Nichts ist nicht möglich. Die Grünen sind nicht das Problem.
Auch die FDP nicht. Weiterlesen

Starke schwarze Frauen im „Freitag“

Von , am Donnerstag, 12. Oktober 2017

Anta Helena Recke, bisher Regieassistentin, debütiert als Regisseurin in München. „Mittelreich“, ein Stück von Josef Bierbichler, im Hauptberuf Schauspieler von brechtschem Format, lässt sie, die Welt vom Kopf auf die Füsse stellend, von ausschliesslich schwarzen Schauspieler*inne*n spielen. Matthias Dell hat sie hier interviewt. Theater besser als das Leben selbst.

Thembi Wolf schreibt aus dem Ostkongo, einer Region, die für uns im sicheren Europa eine Synonym für Vorhölle ist: Massenmord, Staatszerfall, marodierende Banden, krimineller Rohstoffdiebstahl. Dazwischen die Frauen, die ans Vergewaltigtwerden gewöhnt werden sollen, und solche unter ihnen, die sich wehren und organisieren. Fantastisch was sie leisten, Superjournalismus, dass das hier ankommt. Bitte lesen, lesen, lesen …..

Deutsche Bank / Deutscher Fussball

Von , am Donnerstag, 12. Oktober 2017

Bringt ein chinesisches Erdbeben die „Deutsche Bank“ zum Einsturz? Die SZ berichtete gestern über die Ränkespiele in der Bank, deren größte Aktionäre aus China und Katar sind. Das Handelsblatt berichtet heute, dass das Geschäftsgebaren des chinesischen Aktionärs nun von den dortigen Aufsichtsbehörden untersucht wird. Das klingt alles nicht gut. Was wohl die Bundesregierung darüber denkt? Ach so, wir haben ja keine, die CSU muss erst Parteitag machen, damit es weitergeht. Und das Bundeskanzleramt? Was wird dort wohl darüber gedacht?

And now something completely different. Thomas Broich will aus Australien heimkommen und liess diese sympathische Personality-Story in die FAZ lancieren. Ob die Zeit für solche sympathische Typen im deutschen Fussball schon reif st, darf bezweifelt werden.

Godzilla / Bahndesaster / Münster / Aserbaidschan / Leverkusen

Von , am Sonntag, 8. Oktober 2017

Noch ein Godzilla-artiger Milliardär will das Fussballentertainment über sein Medium aufmischen. Sp-on erklärt anschaulich seine Unternehmenstrategie, verliert aber kein Wort über die Politik des Herrn Blavatnik. Ein Milliardär seiner Gewichtsklasse – 20 Mrd. $ – kann sich aus der Politik nicht herausgehalten haben. Da ausser Spenden für Obama bisher nichts durchsickerte, hat er eine wirkungsvolle Diskretionsstrategie. Dieser Transparenzmangel vergrössert mehr Verdacht auf Kriminalität als er bekämpft. Und das Schweigen der Medien darüber schafft ebenfalls kein Vertrauen sondern bestätigt allen Verdacht, den Menschen über „die Medien“ sowieso schon haben.

Das FAZ-Feuilleton nimmt sich heute des Bahndesasters bei Rastatt an. Der Autor Hansjörg Küster erklärt anschaulich die geologischen Ursachen. Bleibt die Frage offen, warum die DB sie ignoriert hat. Ahnungslosigkeit und Kompetenzmangel? Oder skrupellose Risikobereitschaft? Oder eine Mischung von alldem?

Andreas Rossmann identifizierte den Sozialdemokraten Jochen Köhnke als Ursache dafür, dass Münster der einzige Bundestagswahlkreis war, in dem die rechtsradikale AfD unter 5% blieb. Weiterlesen

Nobelpreis nicht für uns / Tschirner gegen Bodyshame

Von , am Freitag, 6. Oktober 2017

Der heute bekanntgegebene Friedensnobelpreis wird gegen den Widerstand der Bundesregierung vergeben. Hier berichtete Extradienst-Gastautor Andreas Zumach bereits zur Kampagne gegen Atomwaffen und den koalitionsintern seinerzeit unumstrittenen Widerstand der Bundesregierung.

Nora Tschirner und Pro7 machen PR füreinander, indem sie öffentlich streiten. Ich will nicht lästern, in der Sache bin ich klar auf Tschirners Seite.

SPD / Rauchende Sportler

Von , am Donnerstag, 5. Oktober 2017

Wolfgang Michal, der gut kennt wovon er schreibt, skizziert im Freitag die organisationspolitische Entwicklung der größten und ältesten Partei Deutschlands. Traurig, aber wahr.
Auch Albrecht von Lucke widmet sich in den Blättern der Degeneration der einstigen Volksparteien.

Wo wir den Blick schon ins gestern werfen, noch ein Hinweis zur einstigen Genusskultur des Rauchens (ich selbst habe es nie getan, und schon gar nicht genossen). Matthias Marschik und Rolf Sachsse haben sich dem Bild vom „Rauchenden Sportler“ in einer kleinen Buchveröffentlichung gewidmet, schöne eindrucksvolle Bilder dabei. Und es war gar nicht so schädlich, wie die meisten von uns denken. Nikotin ist leistungssteigernd, insbesondere im heutigen athletischen Hochgeschwindigkeitsfussball. Darum wird es, wie der DLF gestern berichtete, von rund einem Viertel der Leistungssportler oral zu sich genommen. Legal, es steht nicht auf der Dopingliste.

Uganda / Israel&USA / Rastatt / Mediaplanung / Petty

Von , am Mittwoch, 4. Oktober 2017

„Leitmedium“ Spiegel-online hat nun auch die ugandische Flüchtlingspolitik entdeckt. Ich hatte darauf – und auf die Ambivalenz der ugandischen Regierungsstrategien – bereits zu Beginn des mittlerweile vergangenen Sommers hingewiesen.

Ulrich Teusch widmet sich in seinem Blog, dessen Einträge mir als bemerkenswert gründlich und immer wieder in die Lücken der „Lückenpresse“ stossend auffallen, einem Bilanzgespräch der US-Wissenschaftler John Mearsheimer und Stephen Walt zu ihrem vor gut 10 Jahren erschienen kritischen Aufsatz zur „Israel-Lobby“ in den USA (hier auch eine deutsche Übersetzung). Ihr Fazit: mit dieser Regierungspolitik ist Israel als Staat gefährdet.

Zum Eisenbahndesaster bei Rastatt wurde von den Rechtsvertretern der Stuttgart21-Gegner*inne*n Strafanzeige erstattet.

Die Werbewirtschaft wird bemerkenswert destabilisiert. Die „Währungen“ für ihre Mediaplanung und der Glaube an ihre Wirksamkeit und Korrektheit schmilzt noch schneller als die Auflagen von Zeitungen und Zeitschriften. Mglw. zieht sogar ein Unwetter für Facebook und Google auf – dafür müssten die Kritiker*innen allerdings an einem Strang ziehen, ich glaub‘ nicht dran.

Edo Reents gelingt in der FAZ eine angemessene Würdigung des zu früh verstorbenen Musikers Tom Petty. Nun schon der dritte tote Traveling Wilbury.