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Dienstleistung und Depression

Von , am Mittwoch, 9. August 2017

Es gab ein Diskursfenster in Deutschland, nach dem Selbstmord des Nationaltorwarts Robert Enke. Es wurden nicht nur Sonntagsreden rund um seine Trauerfeier gehalten, es schien bis hin zum damaligen DFB-Chef Theo Zwanziger ein ehrliches Bemühen zu geben, danach nicht so weitermachen zu wollen wie vorher. Dass das eine Illusion war, war materialistisch geschulten Gemütern schon immer klar. Etwas war aber, zumindest über mehrere Monate, neu: es wurde offener und öffentlich gesprochen über die Volkskrankheit Depression. Ich erlebte eine Szene am damaligen Kaffeestand von Sara Monteiro-Gashi auf dem Bonner Marktplatz, bei der eine mir – ich sprach gerade über Enke – völlig fremde Person sich mir gegenüber zu ihrer Erkrankung bekannte. Für Depressive ein geradezu revolutionäres Verhalten, und zu dieser Zeit kein Einzelfall.

Ein weiteres Symptom fällt mir zunehmend auf: in Geschäften, in denen ich Stammkunde oder -gast bin, bekomme ich vom in der Branche normal fluktuierenden Bedienungspersonal ungewöhnliche Zuneigung entgegengebracht. Warum? Weiterlesen

Datengold

Von , am Dienstag, 4. April 2017

Das Bargeld wird sicher irgendwann abgeschafft. Die Frage ist nur, wer von uns es noch erleben wird. Die neue Währung werden – und sind schon – unsere Daten. Sie, die Machthaber*innen, das sind nicht nur Regierungen und Politiksysteme, sondern alle großen und kleinen Konzerne, wollen vor allem uns, unsere ganze menschliche Unvollkommen- und Unberechenbarkeit, unter Kontrolle bekommen. Für ihre ökonomische Planungssicherheit.

So wie für Fußballkonzerne der sportliche Zufall das zentrale Problem ist, ist es für Ökonomie und Herrschaft unser Menschsein. Darum werden keine Kosten und Mühen gescheut, das zu erforschen. Weiterlesen