Schlagwort-Archive: DLF

Tansania – wie „unser“ Kapital Land stiehlt

Von , am Donnerstag, 16. November 2017

In dieser Woche beherrschen aus Afrika Frau dos Santos („die reichste Frau Afrikas“) und Herr Mugabe („kein Putsch“) die deutschen Schlagzeilen. Diese auch zuhause verhassten Superreichen machen es uns leicht, uns darüber zu erheben. Bei uns wird Ausbeutung und Raub dagegen doch viel geregelter und ziviler praktiziert – allerdings wird nur sehr geringfügig darüber berichtet.
Die unermesslichen globalen heimatlosen Kapitalströme ahnen, dass es mit der Landwirtschaft in Europa, noch dem grössten Etat der EU, zuende gehen wird. Das Ende der Artenvielfalt – danke Glyphosat! danke Bayermonsanto! – ist in Signalen erkennbar. Der Boden wird von unserer Agro- und Chemieindustrie noch zu Lebzeiten unserer Kinder zutode gedüngt sein. Ernährung, im industriellen Massstab und billig erzeugt, wird aber nachgefragt bleiben, solange es Menschen gibt. Wohin könnte ihre Produktion wandern?
Asien ist bereits weitgehend kapitalistisch vermachtet. An Russland lässt uns dieser Putin nicht ran; er und seine gierigen Oligarchen wollen sich lieber selbst bereichern als es „unseren“ Investmentfonds zu überlassen. In Lateinamerika kommen immer wieder störende Linksregierungen dazwischen. Dort ist aber vieles – z.B. in Argentinien – bereits erschlossen, bzw. – z.B. in Brasilien – gerade dabei erschlossen zu werden (Regenwaldvernichtung, Tierfutter und Billigobst für Europa und USA, etc.). Bleibt noch das weitgehend unerschlossene Afrika. Beim G20-Gipfel in Hamburg war die Aufteilung bereits weitgehend besprochen worden.
Judith Fehrenbacher war für ein DLF-Feature, das Sie sicher nicht gehört haben, in Tansania und hat sich die Alltagspraxis einiger „Modellprojekte“ angesehen. Es macht Hoffnung, dass die Tansanier*innen nicht doof genug sind, sich widerstandslos von „uns“, „unserem“ Kapital, „unserer“ Agroindustrie und unseren Regierungen, über den Tisch ziehen zu lassen.

„Das Volk“ / Bangladesh / Portugal

Von , am Mittwoch, 15. November 2017

Was will das Volk? Wer kann das schon wissen angesichts so vieler Millionen Individuen? Viele wissen das von sich selbst nicht. Wer behauptet es zu wissen, ist in der Regeln ein*e Lügner*in. 46% scheinen nicht zu wissen, in welcher Partei ein gewisser Herr Lindner ist. FDP? Was soll das sein? Stefan Niggemeier erklärt es uns.
Wollte das Volk den vergrabenen Bahnhof Stuttgart 21? Viele ahnten es vorher, viele aber auch nicht, wie teuer das wird. In und um eines der ärmsten Länder der Welt, Bangladesh werden, nur mal so zum Vergleich, 117.000 neue Bahnkilometer  geplant. Welche Autoindustrie von uns wird wohl an den fetten Bauaufträgen beteiligt sein?
Lange nichts mehr von Portugal gehört? Das würde den deutschen Europa- und Wirtschaftsdiskurs nur stören, insbesondere die aktuellen Koalitionsverhandlungen. Der DLF sendete vor wenigen Wochen ausführlich über die in der Tat schlimmen Waldbrände dort. Da sieht keine Regierung gut bei aus. Über die Kommunalwahlen dagegen berichtete hier niemand. Und über die volkswirtschaftlichen Fundamentaldaten, die alle Annahmen deutscher Finanzministerien und Haushaltssperren widersprechen, berichtet nur Steffen Vogel in den Blättern.

Kinder an die Macht – McDonalds Fussballeskorte

Von , am Dienstag, 14. November 2017

von Dieter Bott

„EIN UNGLAUBLICHER TRAUM —–
nicht grösser als 1,48 m und schulsport-tauglich“
„DER GRÖSSTE fussball-FAN der welt“—-

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HEUTE ABEND –dienstag 14.november- sehen wir
als schmückendes und beglückendes beiwerk
beim initations-ritus mit ernster miene die national-hymnen- und fussball-helden flankierend

vor dem freundschafts-spiel deutschland gegen frankreich
In der ARD um 20 uhr 45 —vor dem anpfiff— die von MC DONALDS gesponserte
FUSSBALL ESKORTE—-zweimal ELF KINDER von 6 -10 jahren
werden Im adidas-dress aufgestellt —

„DIE AUSSTATTUNG: bestehend aus adidas-R-trikot, hose, stutzen und schuhen
darf selbstverständlich als erinnerung an den grossen tag behalten werden“

„SEID DABEI —mit den national-spielern HAND in HAND ins STADION
einlaufen und die TOLLE STIMMUNG erleben.“

„diesen UNGLAUBLICHEN TRAUM könnt IHR euren KIDs jetzt erfüllen“ Weiterlesen

Espana Corrupta / Xavi & Pirlo

Von , am Montag, 13. November 2017

Wird Spanien von einer kriminellen Vereinigung regiert? Die offiziellen Ermittler vermeiden diese Begrifflichkeit, noch; Journalist*innen dagegen nicht mehr. Das geht aus diesem DLF-Bericht hervor. Fälschlicherweise suggeriert er, dass dieses Thema und die Katalonien-Frage zwei verschiedene Themen sind. Das sind sie nicht. Im Gegenteil ist es genau das, was die Katalan*inn*en gegen die spanische Zentralregierung mobilisiert. Und sie sind es, die für Europa eintreten und von der EU im Stich gelassen werden. Die damit zeigt, wie schwach sie ist.

Christian Eichler weist heute auf das Karriereende der aus meiner Sicht grössten Fussballer unserer Zeit hin: Xavi Hernandez und Andrea Pirlo. An Charakter- und Ich-Stärke nehmen sie es spielend mit den Steuerhinterziehern Lionel Messi und Cristiano Ronaldo auf, Weiterlesen

Spitze der (linkeren) Grünen bei der Arbeit

Von , am Montag, 6. November 2017

Anton Hofreiters öffentliche Auftritte waren zuletzt sparsam dosiert. Wer über eine Regierung verhandelt, ist damit auch gut beraten. Geschwätzigkeit, das spielt die CSU derzeit vor, ist in solchen Phasen ein Zeichen fataler Schwäche. Dennoch muss ein Verhandlungsmarathon von einer öffentlichen Performance begleitet werden. Die Öffentlichkeit hat ein Recht zu erfahren, was die in Berlin da treiben. Partei- und Fraktionsapparate bieten dafür – im Idealfall – die Möglichkeit der Arbeitsteilung: die einen müssen schweigen, andere – im Idealfall Vertrauenswürdige – machen Begleitmusik, ohne sich zu verplappern.
Hofreiters DLF-Interview von heute morgen ist in diesen Hinsichten ok. Die Grünen dürfen der FDP das Feld nicht überlassen, und der CDU nicht die Schiedsrichterrolle. Sie müssten eigentlich intensiver, aber die Zeiten scheinen wohl vorbei, verschränkt mit den Bewegungen in der Gesellschaft, konkret bei aktuellen Klimagipfel in Bonn, agieren. Denn wenn es von draussen keine Bewegung und keinen Druck gibt, hilft das schlaueste Verhandeln auch nicht weiter.
Auch der Aufsatz von Grünen-Chefin Simone Peter in den Blättern ist in dieser Hinsicht ok. Der Grundgedanke ist vollkommen richtig: die gesellschaftliche Linke im europäischen Machtzentrum Deutschland müsste stärker kooperieren. Der Text macht allerdings auch deutlich, woran es dabei hapert. Er bleibt auf der Ebene des appellativen guten Willens. Eine eigene Strategie, innovative Vorschläge und Ideen, die müssen wohl erst noch entwickelt werden. Von meiner Seite ist das keine Kritik an der Autorin, sondern an den politischen Strukturen in den Grünen, die ihre Basis sind. Bei ihnen wird am Denken und Streiten zuviel gespart, keine Zeit.

Lückenpresse im Kampf mit sich selbst

Von , am Montag, 6. November 2017

Stefan Niggemeier ist wohl deswegen einer der besten deutschen Medienjournalisten, weil er sich manchmal beängstigend hartnäckig in einen Streitgegenstand verbeissen kann. Jedenfalls wählt er sich keine Schwächere als Opfer, sondern aktuell den Verband Deutscher Zeitungsverleger mit dem Multimilllionär und Friede-Springer-Liebling Matthias Döpfner. Respekt und Kompliment!

Georg Seesslen benutzt – unnötigerweise – die Konstruktion einer „fiktiven Filmbesprechung“ in der Jungle World, um nicht dem Menschen sondern dem Systemphänomen Harvey Weinstein zu Leibe zu rücken. Seesslen, immer lesenswert und intellektuell bereichernd.

Friedrich Küppersbusch, Leser dieses Blogs, kommentierte im Deutschlandfunk den Streit zwischen Verlegern und öffentlich-rechtlichen Journalist*inn*en. Er selbst ist als für private wie öffentlich-rechtliche Sender dienstleistender selbstständiger Produzent sein eigener Chef und pflegt wie immer das offene Wort. Subtil bricht er eine Lanze für das, was er selbst macht, gesellschaftspolitische Themen so boulevardesk zu verpacken, dass sie auch von dümmsten TV-Glotzer*inne*n verstanden und – so die Hoffnung – nicht ausgeknipst werden.

Thematisch gut anschliessend an einen vielgelesenen Text von Roland Appel im Extradienst beschäftigt sich ein Interview der in der Netzgemeinde meinungsführenden Kolleg*inn*en von netzpolitik.org mit Frank Pasquale mit den notwendigen politischen Regulierungen der Konzernmonopole im Netz.

Lambsdorff-Trump / Arabien / Agroindustrie / Katalonien / Drohnenkrieg / Feminismus

Von , am Sonntag, 5. November 2017

Das Wochenende ist Palaverzeit. Die Mitglieder des politisch-medialen Komplexes in Berlin sind auf Heimaturlaub, machen Wahlkreisarbeit, oder treffen sich in Parteigremien und Kungelrunden, und geben Interviews. Der Springer-Verlag versucht mit seinen Sonntagsblättern die Agenda in seinem Sinn zu steuern, dass der Spiegel jetzt samstags erscheint – hat das schon jemand bemerkt?

Die für das Volk relevanteste Nachricht ist, dass die Bundesligasaison gestern Abend im Westfalenstadion – gefühlt – vorzeitig beendet wurde. Jetzt folgt wieder eine Länderspielpause, gegen England und Frankreich. Bei gutem Fussball könnte sie die Stimmung der Fans kurzzeitig aufhellen, die der Bundesligamanager dagegen weiter ansäuern. Denn Vereine und Nationalmannschaft ergänzen sich nicht mehr, sondern sind Konkurrentinnen um den Aufmerksamkeits- und Medienmarkt.

Es gab trotz allem eine Reihe politischer Vorgänge, die Aufmerksamkeit verdienen.
Während in Bonn, von der Berliner Republik weitgehend unbemerkt, die Weltklimakonferenz tagt, gibt der Bonner Abgeordnete Lambsdorff, der bei der Direktwahl im Wahlkreis klar scheiterte, ein Interview, mit dem er fast trumpartig den Klimaschutz einkassieren will. Weiterlesen

Moderner Fussball – Fans, Schwarze, nur Ärger ….

Von , am Mittwoch, 25. Oktober 2017

Zu den politischen Auseinandersetzungen im US-Sport gab ich hier schon Hinweise. Die weissen Männer im europäischen Sport habens auch nicht leicht.
Im Fussballbusiness Europas gibt es ein besonders grosses Problem: die Fans. Die sind nun wirklich ein Problem bei der Renditeoptimierung. In England, dem Paradies aller DFL-Manager, haben sie wenigstens schon mal alle Stehplätze abgeschafft. Beim Gastspiel des FC Köln bei Arsenal London staunten die kölschen Gäste, dass es ihnen im Stadion spielend gelang, die Stimmung zu dominieren (obwohl es auf dem Rasen genau andersherum war). Es gab sogar Beschwerden von englischen Tribünengästen über extrovertierte Kölner Gästefans – also eher so, wie in einem Restaurant. Fans sind eindeutig Bekloppte, wie es dieses DLF-Feature letzten Sonntag deutlich machte. Es gibt sogar acht Gladbach-Fanclubs in Köln, Leute wie ich.
Ein ähnlich schwerer Fall sind die „Sechzger“-Fans in München: unverbesserlich haben sie den deutschen Meister von 1966 in die vierte Liga ruiniert, da, wo der Fussball noch uns gehört. Ein klarer Beweis, dass Fans in den Ruin führen.

Schwarze Frauen bringen nun den gerade so super gewinnträchtigen britischen Fussball ins Wanken. Weiterlesen

Schwarze Sportler*innen-Emanzipation – ein Jahrhundertwerk

Von , am Montag, 23. Oktober 2017

Die USA sind immer noch das Referenzland für die Emanzipation nichtweisser Menschen. Der Sport spielt dabei eine Avantgarderolle. Was in den USA passiert, wird über globalisierte Medien weltweit verbreitet. Und derzeit finden dort mal wieder intensive bedeutende Auseinandersetzungen statt, im Guten wie im Schlechten.
Zwei der besten sportjournalistischen Produkte hierzulande haben sich gestern dieses Themas angenommen. Das Sportgespräch im Deutschlandfunk diskutierte das Thema mit zwei deutschen Wissenschaftlern und ordnete es in lange historische Linien ein. Ich teile Wolfram Eilenbergers dort geäusserte Bewertung, dass Muhammad Ali der vermutlich „größte“ Sportler des 20. Jahrhunderts war. (eine Mitschrift steht noch aus, aber nachhörbar, 30 Min.)
Sport inside (WDR-Fernsehen) berichtete mit klugen Interviewpartnern über den Diskurskampf in den USA. Zusätzlich im Internetangebot: ein Interview mit John Carlos, 200m-Medaillengewinner, der die Olympia-Siegerehrung 1968 zusammen mit Tommie Smith zur politischen Demonstration nutzte. Ein unvergesslicher Wettbewerb mit dem ersten Läufer unter 20 Sekunden.

Genusspolitik in unserer Region

Von , am Montag, 23. Oktober 2017

Während ich dies schreibe, diskutiert der Deutschlandfunk „Wie rechts kann die Union noch sein?“, ein Problem, das manche Redakteur*inn*e*n dieses Senders wohl wirklich stark beschäftigt. Realoorientierter ging es gestern auf dem gleichen Sender zu, in der immer hörenswerten (und nachhörbaren) Sendung „Zwischentöne“. Dort war der Filmemacher Valentin Thurn zu Gast. Ein oder zwei seiner Filme habe ich schon gesehen, neu für mich war, dass er sich auch in einem „Ernährungsrat“ der Stadt Köln engagiert.
Einerseits haben wir es in dieser Region sehr gut, was die Versorgung mit und das Angebot von ökologisch produzierten und vielfältigen, schmackhaften Lebensmitteln betrifft. Andererseits gibts auch hier um die Ecke noch die industriell orientierte Landwirtschaft, die für Artenschwund und Insektensterben mitverantwortlich ist.
Ich fahre regelmässig mit dem Fahrrad von Beuel nach Porz. In Porz-Lind gibt es eine Stelle, von der aus bei klarem Wetter gleichzeitig der Dom und der Bonner Posttower zu sehen sind. So faszinierend so ein Moment ist, sagt es doch auch, dass da dem Blick keine Vegetation im Weg steht, sondern das eher Ähnlichkeit mit einer Wüste hat.
Ergänzend zu Thurns Ausführungen noch der Hinweis auf die Regionalwert AG Rheinland, die hier in der Region am gleichen Thema politisch und ökonomisch arbeitet, von der Produktion bis zum Teller.