Schlagwort-Archive: DLF

China – es ist Volkskongress

Von , am Montag, 6. März 2017

In der aufsteigenden Weltmacht China ist Volkskongress, dort der Höhepunkt des politischen Lebens. „Totgeschwiegen“ wird er hier nicht. Aber verstanden? Welcher Aufwand wurde bei der US-Präsidentenwahl getrieben? Gut, die wurde uns mit Monsteraufwand auch nicht wirklich verständlich gemacht. Sparen unsere Sender und Redaktionen darum bei China lieber Ressourcen?

Nehmen wir als repräsentative leitmediale und regierungsberatende Kraft wieder die gute alte FAZ. Sie berichtet immerhin. Aber versteht sie auch was? Update 8.3.: Zum Vergleich hier ein Telepolis-Bericht mit Links zu Originaldokumenten.

Nur noch 6,5% Wachstum werden erwartet. Nur? Die ökonomischen Probleme, globale Finanzkrise, Urbanisierungswanderungen, werden durch Investitionen bekämpft, die Inlandsnachfrage wird verstärkt. Alles Massnahmen, die von deutschen „Sachverständigen“ militant bekämpft werden. Und die funktionieren in China? Das muss eine völlig andere Kultur sein. Weiterlesen

Caesar im Weissen Haus

Von , am Sonntag, 26. Februar 2017

Als ich ihn kennenlernte, hätte er die Klassenanalyse nicht so großzügig weggelassen. Bernd Gäbler sah heute im Beginn der Regentschaft von Trump etwas „cäsarenhaftes“, wie er unter Umgehung der politischen Institutionen und Medien „direkt mit dem Volk“, bzw. dem von ihm bevorzugten Teil davon, kommunizieren wolle.
In einem Satz ergänzt: Der von Trump repräsentierte Teil der herrschenden Klasse kündigt jeden Klassen- und Verfassungskompromiss auf.
Und um im Cäsarenbild zu bleiben: in unserem Lateinunterricht kamen seine kriegerischen „Heldentaten“ großzügig vor, nur damals noch ohne Atomwaffen. Ebenso großzügig wurde im Geschichtsunterricht weggelassen, was wir als Schüler*innen in den 70ern selbst ein- und vorbringen mussten: das Römische Reich war eine Sklavenhaltergesellschaft. Ja, kann sein, dass Trump das wiederhaben will. In Teilen der Welt, wenn wir nur Zeit und Lust haben hinzuschauen, ist sie bis heute noch nicht vorbei.

Portugals Drogenpolitik / Graham Nash

Von , am Montag, 13. Februar 2017

Das werktägliche DLF-Magazin „Europa heute“, Sendetermin 9.10 h, ist immer das Zuhören wert. Wir erfahren Dinge aus EU-Mitgliedsländern, über die in der Regel in anderen Medien überhaupt nicht berichtet wird. Unsere Sender und Zeitungsredaktionen sparen das Geld für teure Korrespondet*inn*en lieber ein. Wussten Sie, dass Portugal schon seit über 10 Jahren, also über mehrere Regierungswechsel hinweg, eine Politik der Entkriminalisierung von Drogengebrauch verfolgt? Dem DLF-Bericht zufolge liegt das an einem hartnäckigen fachkundigen Regierungsbeamten.
Um das gleiche Thema Drogengebrauch und seine Illegalisierung kreist das Jungle-World-Interview mit dem 70-jährigen angloamerikanischen Musiker Graham Nash. Er hat mit Crosby, Stills, Nash & Young (hier ein Wikipedia-Link auf deutsch ohne „Young“) sowie den Hollies ein zum Teil unvergessliches Werk hinterlassen, musikalisch und politisch. Beim „No-Nukes“-Konzert 1979, einem der ersten großen Musikereignisse der Anti-Atom-Bewegung spielte er eine wichtige Rolle.

Trump – Ende des Kuschelns

Von , am Donnerstag, 9. Februar 2017

von Bettina Gaus

Geht es den Kritikern von US-Präsident Trump wirklich um die Verteidigung gemeinsamer westlicher Werte? Schön wär’s.

Freiheit, Menschenrechte, Demokratie, Gewaltenteilung und gutes Benehmen: Seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump ist der Eindruck entstanden, dass diese Themen ein Herzensanliegen aller möglichen Leute sind – von Wirtschaftsmagnaten bis zu Spitzenpolitikern. Das freut diejenigen, die sich mit den meisten dieser Anliegen lange alleingelassen fühlten. Aber es steht zu befürchten, dass sie sich zu früh freuen. Es gibt Indizien dafür, dass die scheinbare Übereinstimmung hinsichtlich der Kritik an Trump auf einem Missverständnis beruht.
Ja: Die Sorge bei den Verbündeten der USA wächst angesichts der politischen Richtung, die Donald Trump einschlägt. Nein: Sie meinen nicht alle dasselbe, wenn sie gemeinsam den neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten kritisieren. Je lauter dieser Chor singt, desto seltener wird nach seinem Repertoire gefragt.

Die Frage, wer Trump eigentlich verurteilt und aus welchen Gründen, wird immer seltener gestellt. Hauptsache, Widerspruch. Das gaukelt eine Gemeinsamkeit vor, die nicht besteht. Weiterlesen

Es gibt noch gute Medien

Von , am Donnerstag, 2. Februar 2017

Gestern berichtete das Deutschlandradio über ein selbstverwaltetes Krankenhaus im brandenburgischen Spremberg. Kannte ich nicht, gesundheitspolitisch sensationell, von der breiten Öffentlichkeit ausserhalb dieses dünn besiedelten Bundeslandes unbemerkt. There are alternatives!
Sonntag bereits sendete „Sport inside“, das sich zusehends zu einem „Weltspiegel“ des Sports entwickelt. Absolut sehenswert: die Gabun-Reportage. Das Tragische: es handelt sich um die einzige TV-Sendung, egal ob öffentlich-rechtlich oder privat, die überhaupt Sportjournalismus betreibt – alle anderen Sportformate sind Produktpräsentationen, die sogar weitgehend vertraglich über die Senderechte abgesichert werden, also bei Licht besehen eigentlich Werbefernsehen. Das ist das WDR-Format „Sport inside“ ganz sicher nicht, und, obwohl es nur normal-kritischen Journalismus betreibt, für dieses Alleinstellungsmerkmal grimmepreiswürdig.
Thomas Kistner ist auch ein richtiger Sportjournalist. Er berichtete diese Woche für SZ und DLF neue Vertuschungsmerkwürdigkeiten des DFB und der von ihm beauftragten Kanzlei Freshfields in Sachen „Sommermärchen“ 2006. Ex-DFB-Präsident Niesbach war offensichtlich besonders darauf erpicht, seinen Vorgänger Zwanziger, der verdächtig ist Jens Weinreich/Spiegel-online mit Infos gefüttert zu haben, in ein schlechtes Licht zu rücken. Kein Medium hat nachgesetzt. Eigene Recherche erfordert bezahlte Arbeit; wer will heute noch für Arbeit bezahlen?
Einige richtige Stichworte zur aktuellen Medienentwicklung gab Lutz Hachmeister der geschätzten Kollegin Ulrike Simon. Hachmeisters wacher Geist ermüdet, ich sah ihn vor ein paar Wochen bei einer Veranstaltung seines Instituts in Köln, weil die Berliner Hauptstadtpolitik an seinen Hinweisen komplett desinteressiert ist. Medienpolitik macht in der BRD eine kleine Gemeinde, fast alle kennen sich untereinander persönlich, Selbstreferentialität in potenzierter Form. Sie sollen die Kreise derer in Berlin nicht belästigen – die so besonders anfällig bleiben für Einflüsterungen strategisch agierender Milliardär*inn*e*n (Murdoch, Malone, Mohn, Springer, Zuckerberg etc.). Diese Provinzialität in der Hauptstadt ist erschütternd.

Kulinarik: macht Georgien jetzt Peru Konkurrenz?

Von , am Dienstag, 24. Januar 2017

Der Kaukasus ist eine der schönsten Landschaften der Welt. Das weiss ich nicht, weil ich schon dort war, sondern weil ich rund 10 Jahre einen Wohngenossen hatte, der an seinem Fusse aufgewachsen war und in seiner Nähe studiert hatte. Politisch dagegen ist es bis heute eine zurückgebliebensten Weltregionen geblieben, viele Terroristen wachsen dort auf, wo mein Wohngenosse ein aufrechter demokratischer Kommunist geworden war; mit Islamismus kannte er sich als Iraner schon hinreichend aus.
Kann in diesem Umfeld eine gute Küche entstehen? Möglicherweise, mann gönnt sich ja sonst nichts. Peru, seit wenigen Jahren der weltweite Wallfahrtsort aller Gourmets, hat in seiner Geschichte bisher auch nur kurze demokratische Perioden erlebt.
Jetzt wies der an dieser Stelle von mir schon gelobte DLF-„Sonntagsspaziergang“ auf Georgien hin. Der Wein von dort hat sich schon lange einen Namen gemacht. Aber wenn man diese Reportage hört ist es zweifelsfrei: die können auch kochen. Wenn sie jetzt noch eine vertrauenswürdige Demokratie hinkriegen – die Eisenbahnen dorthin sind schon gebaut, China steht bereit sie zu beschleunigen und zu modernisieren.

Seesslen über Trump / Lachen über „Schwarze Null“ / wie wärs mit Journalismus?

Von , am Freitag, 20. Januar 2017

Georg Seesslen, in meinen Augen bester Essayist unter deutscher Sonne, hat ein Buch über Trump geschrieben. Und siehe da, neben seinen regelmässigen Arbeitgebern taz, Jungle World und DLF gibt jetzt sogar das FAZ-Feuilleton Texte bei ihm in Auftrag. Im Telepolis-Interview gibt es Auskunft über seine Trump-Sicht. Seine Berlusconi-Bezüge sind interessant und zutreffend – Trump ist zwar sehr US-amerikanisch, aber nicht nur. Das Problem, das er darstellt und repräsentiert, lässt sich in Europa nicht aussitzen. Ein Teil der herrschenden neoliberalen Klasse ist zum Bündnis mit Rassismus, Machismus und dem, was früher mal „Lumpenproletariat“ genannt wurde, entschlossen.
Ein Mitarbeiter der Rosa-Luxemburg-Stiftung beschrieb im Deutschlandradio, wie der kluge Karl Marx die heutige strategische Lage – vielleicht – erfasst hätte.
Eine „Schwarze Null“ ist aus US-amerikanischer Sicht allenfalls Wolfgang Schäuble, und Ausweis für seinen lächerlichen Provinzialismus. Für die Politik einer Großmacht ist die Höhe der Schulden irrelevant – entscheidend ist Vertrauen in ihre Macht.

Die ganze Woche habe ich überlegt, was ich kluges zum allgemeinen „Fake-News“-Gequatsche schreiben könnte. Ausgeruhte kritische Einschätzungen gab es Weiterlesen

Nichts mit Macht

Von , am Samstag, 14. Januar 2017

Der Beueler (und New Yorker) Musikjournalist Michael Kleff nahm heute in einem „Kalenderblatt“ für Deutschlandradio/Deutschlandfunk die Legende vom „Summer Of Love“ 1967 (vor 50 Jahren) auseinander.
Meine erste Assoziation nach dem Hören: war die Wahl von Trump vielleicht nur die Rache für diesen Shit? Nein, diese These in meinem Kopf ist wieder viel zu steil geraten. Besser erklären, und weg von Trump wieder bei uns zuhause, tut es Götz Eisenberg in der Jungen Welt: „Das Gespenst des Populismus“.

Whisky

Von , am Donnerstag, 5. Januar 2017

In den 80ern nahm ich im Kreise meiner Mitstudent*inn*en der Politischen Wissenschaften an einer Vergleichsverkostung von Malt-Whiskys teil. Jede*r sollte ein Fläschchen mitbringen; wir koordinierten untereinander, dass es keine Doppelungen gab. Der damalige Edeka am Friedensplatz, dessen Betreiber, wie es der Zufall will, jetzt bei mir um die Ecke in der Beueler Jahnstraße residiert, unterhielt ein stadtweit bekanntes liebevoll zusammengestelltes Sortiment dieses Getränks. Das Regal ist heute allerdings hinter einer verschlossenen Glasscheibe vor Diebstählen geschützt und wird nur auf Anforderung geöffnet. Es war damals ein unvergesslicher, genussvoller Abend, bis ….. Weiterlesen

Digitalisierung schafft mehr Herrschaft mit weniger Kontrolle

Von , am Sonntag, 1. Januar 2017

Sie haben Angst vor Gewalt und Kriminalität? Einbruch und Diebstahl? Da haben Sie recht. Sie sind nämlich schon da, in Ihrer Wohnung, und rauben sie aus: kriminelle Konzernmonopole und staatliche Sicherheitsbürokratien. Sie kennen keinen Respekt vor Bürgern, Wohnungen, Privatleben. Der Stand dieser Ausübung von Gewalt hier in einer Bestandsaufnahme von Telepolis.
Doch damit sind sie noch nicht zufrieden. Die Weltverbesserer der großen IT-Monopole basteln nicht nur, wie die Biotechbranche, an unseren Genen, sie wollen unser Hirn. Ein Deutschlandfunk-Feature beleuchtet den Siegeszug der Meditation in den modernen Kapitalismus, und wie sie uns noch mehr für unser Schicksal einzeln verantwortlich/schuldig sprechen und von organisiertem, sozialen Handeln abhalten wollen.
Ein weiteres Feature des Deutschlandradios analysiert den Bedeutungsgewinn von Freundschaft, aber auch ihre Bedrohung durch neokapitalistische Verzweckung.