Schlagwort-Archive: Eribon

Der digitale Kapitalismus deutscher Zeitungsverlage

Von , am Dienstag, 10. Oktober 2017

Didier Eribon wurde hierzulande mit 7 Jahren Verspätung berühmt. So lange brauchte es für die Übersetzung seines Buches „Rückkehr nach Reims„. Darin beschrieb er die Verwandlung seiner einst kommunistisch orientierten Verwandtschaft zu Wähler*inne*n der rechtsradikalen FN. Was hierzulande gerne totalismustheoretisch gelesen wird (linksradikal=rechtsradikal), sieht Eribon ganz anders: Ursache sei der Verrat einst angeblich „linker“ Parteien an den Interessen ihrer Wähler*innen. Dennoch hat er ganz vernünftig im 2. Wahlgang den Präsidenten Macron gewählt. Den sieht er heute als Gefahr für Freiheit, Kultur und Zivilisation: seine Verachtung die die arbeitenden Menschen, seine neoliberale Anti-Sozialpolitik, seine Steuerumverteilung zugunsten der sich Bereichernden zu Lasten derer, die nicht mehr viel haben an Respekt und Selbstachtung.
Darum hat Eribon auf seine goldene Ehreneintrittskarte zur Frankfurter Buchmesse gerne verzichtet und es mit einem flammenden Text im SZ-Feuilleton begründet.

Ich hoffe, die SZ hat dem Mann wenigstens ein faires Honorar bezahlt. Denn das Interesse des Verlages geht wohl dahin, eine grössere Verbreitung des Textes zu vermeiden. Er ist nämlich online nur hinter ihrer Paywall zu lesen.
Das ist exakt die „Digitalstrategie“ der deutschen Verleger*innen. Weiterlesen

Open Space – Open Mind – Open Society

Von , am Donnerstag, 24. August 2017

Notizen zu einem allgegenwärtigen, widersprüchlichen und vieldeutigen Narrativ, Variationen inbegriffen
von Wolfgang Hippe

Auftakt

Der Begriff der „Offenen Gesellschaft“/„Open Society“ ist in der Öffentlichkeit überall präsent und scheint zeitlos gültig zu sein. Er ist in aller Regel irgendwie positiv besetzt und soll den Rahmen für Liberalität, Egalität und Säkularität einer Gesellschaft bilden. Weitere Stichworte, die in Zusammenhang mit dem „Erfolgsmodell“ auftauchen: Aufklärung, Offenheit, Partizipation, Fortschritt, Gerechtigkeit, Konsens, Interessenausgleich, Aufstiegschancen, Wachstum und Wohlstand. Die Aufzählung ließe sich beliebig fortsetzen. Kurz: die „Offene Gesellschaft“ steht für ein umfassendes, aber unbestimmtes und deshalb interpretationsbedürftiges Versprechen für eine bessere Zukunft der Gesellschaft insgesamt. In Zeiten eines dominanten Neoliberalismus stellt sich allerdings die Frage nach der aktuellen Interpretation des liberalen Begriffs und den damit verbundenen Interessen.

Die Spanne der Befürworter einer „Offenen Gesellschaft“ reicht von eher auf die sog. Zivilgesellschaft ausgerichtete Initiativen (z.B. Open Society Foundation, Initiative Offene Gesellschaft, Pulse of Europe, FuturZWEI) und Individuen aller Richtungen über die etablierten Parteien, ihnen zugeordnete und sonstige Stiftungen, Ministerien und internationale Organisationen wie die OECD bis hin zu Banken, Wirtschaftsunternehmen und Interessensverbänden aller Art. Auch in postkolonialen Diskursen taucht sie auf. Die breite Palette legt die Vermutung nahe, dass nicht alle Protagonistinnen dasselbe meinen (können), wenn sie das Narrativ beschwören. Weiterlesen

Eribon / Seesslen

Von , am Mittwoch, 19. April 2017

Didier Eribon (in der FAS) und Georg Seesslen (in der taz) machen sich Gedanken um die politische Begriffswelt, und sorgen sich, dass auch die gesellschaftliche Linke doof genug sein könnte, sich von der rhetorischen Strategie der Rechten überwältigen zu lassen.

Linker Populismus

Von , am Donnerstag, 29. September 2016

Isolde Charim stellt in für sie typischer kühl-analysierender Art die aktuelle Weltsicht von Zizek und Eribon gegenüber.
Eine begnadet gute Besprechung von Eribon liefert BVB-Fan Klaus Bittermann in der Jungle World, indem er kursorisch die deutsche Zeitgeschichte neben der von Eribon beschriebenen französischen nachzeichnet.
Christian Zaschke darf heute auf Seite 3 der SZ – endlich – erklären, warum der hierzulande überwiegend für bekloppt erklärte Labour-Vorsitzende Corbyn im United Kingdom zum Hoffnungsträger werden konnte. Da die SZ ihre Seite 3 nicht online stellt, kann sie hier leider nicht verlinkt werden. So bleiben nur Seiten zu empfehlen, die „einseitig“ für die hunderttausenden engagierten neuen Labour-Parteimitglieder parteinehmen, kontinuierlich in mehreren Beiträgen die nachdenkseiten.de und aktuell Paul Mason im Freitag. Und tatsächlich: uns wird weisgemacht, die Umfragewerte von Labour seien „im Keller“. Gleichzeitig sind sie in ganz Europa die höchsten einer sozialistischen/sozialdemokratischen Partei 😉

„Linker Populismus“? – Rassismus ist das Problem

Von , am Samstag, 24. September 2016

In der taz wird in mehreren Beiträgen die Frage nach einem „linken Populismus“ thematisiert. Der hier schon erwähnte Didier Eribon kommt in einem längeren Interview zu Wort. Matthias Greffrath hat abends tief ins Rotweinglas geschaut, um dort Gedanken für ein fortschrittliches Europa zusammmenzulesen.

Und Stefan Reinecke diskutiert die aktuellen politischen Angebote für „linken Populismus“ in er europäischen politischen Szene.

Man kann die hier zusammengestellten Erkenntnisse spitz und polemisch so zusammenfassen: das Problem des bisher real existierenden linken Populismus ist sein Rassismus. Seine wichtigsten Vertreter in den wichtigsten Ländern, Lafontaine/Wagenknecht (Deutschland) und Melenchon (Frankreich) können davon nicht lassen. Sie beweisen damit, wie von gestern sie sind. Sie werden nicht erfolgreich sein. Denn wenn Rassismus nicht konsequent bekämpft wird, ist der „Klassenkampf“ keiner, sondern irgendwas anderes Reaktionäres.

Türkei, Neoliberalismus & Linke, Veganer*innen aufgepasst

Von , am Mittwoch, 14. September 2016

Desinteressiert wie meistens ist die hiesige, man darf in diesem Fall auch formulieren: nationale, Öffentlichkeit an den Diskursen anderer Länder, zumal, wenn wir und viele unserer KorrespondentInnen die Landessprache nicht können. Beschämend genug für Deutsche unter denen Millionen Menschen dieser Sprache leben: die Türkei. In der taz findet der von mir sehr geschätzte Jürgen Gottschlich wohl nicht genügend Platz, um es uns zu erklären; so tut er es in den Blättern für deutsche und internationale Politik. Da stellen sich dann einige Dinge und Maßstäbe etwas anders dar, Weiterlesen