Schlagwort-Archive: FAS

Lüders – Hütt – Flüchtlinge

Von , am Freitag, 21. April 2017

Was ist die Steigerung von Paranoia? Ich weiss nicht, wie die heisst, aber es handelt sich um Journalist*inn*en und Publizist*inn*en, die sich gegenseitig als notorische Lügner*inn*en pathologisieren wollen. Ein prägnantes Beispiel beschreibt Stefan Niggemeier bei uebermedien.de am Beispiel Michael Lüders. Niggemeier kennt, wie meistens, worüber er berichtet. Denn gelegentlich schreibt er selbst für die hier von ihm kritisierte FAS-Medienredaktion. Oder ist er schon wieder rausgeflogen?

Lieber Positives. Hans Hütt ist der Nachbesprecher von TV-Talkshows, den ich als einzigen auch lese. Seine jüngste Illner-Kritik in der FAZ macht sich frei vom unterirdischen Niveau der Sendung, weil Hütt die Gelegenheit wie so oft nutzt, um eigene politische und intellektuelle Einsichten zu entwickeln und zu verbreiten.

Michael Mönninger war lange beim Spiegel und ist nun wieder bei der FAZ aufgetaucht. Er liefert einen wertvollen Hinweis auf eine Buchpublikation zur Architektur von Flüchtlingsunterkünften. Der Verkaufspreis von 78 € lässt darauf schliessen, dass nur ein kleines Fachpublikum angepeilt ist. Das Thema wird allen Abkommen mit Despoten und Diktatoren zum Trotz Relevanz behalten.

Eribon / Seesslen

Von , am Mittwoch, 19. April 2017

Didier Eribon (in der FAS) und Georg Seesslen (in der taz) machen sich Gedanken um die politische Begriffswelt, und sorgen sich, dass auch die gesellschaftliche Linke doof genug sein könnte, sich von der rhetorischen Strategie der Rechten überwältigen zu lassen.

Potsdam – so doof wie Berlin / Hombach

Von , am Dienstag, 11. April 2017

Wenn jemand was vom deutschen Geldadel versteht, dann die FAZ. Sie gehört ihm schliesslich. Sie hat nun in ihrer Sonntagsausgabe ihre Feuilleton-Edelfedern Niklas Maak und Claudius Seidl auf den (West-)Berliner Geldadel, der sich das Städtchen Potsdam als Schrebergarten eingesteckt hat, losgelassen. Mit diesen provinziellen Gartenzwergen lässt sich die Weltherrschaft wirklich nicht erobern – Jürgen Becker würde sagen: „Nix is so schläch‘, dattet nich für irgndwatt joot es“ – aber lesen Sie selbst.
Ob die Ossis das geahnt haben, als sie die SED stürzten?

A propos Geldadel: einer, der zeitlebens dessen Geld auszugeben wusste, ist Bodo Hombach. Es ist eine besonders explizite Bosheit unserer lokalen Monopolzeitung, ihm auf einer ganzen Seite Platz zum Ausbreiten zu geben. Mit der Ministerpräsidentin Kraft verbindet ihn eine besondere Intimfeindschhaft aus gemeinsamer Mülheimer Zeit. Selbst ich weiss, was damals eine Putzhilfe über ihn wusste, ist eben eine sehr kleine Stadt.

Zeitpolitik und Selbstoptimierungsirrsinn

Von , am Sonntag, 26. März 2017

Zeitpolitik ist dieses Wochenende mal kurz angesagt, weil uns eine Stunde gestohlen wurde. Schlimm genug, auch wenn ich persönlich immer dafür bin, wenn es abends länger hell ist, aber im Kern geht es um viel mehr, um unsere Souveränität als Subjekt, als Ich. Wer bestimmt, wie ich meine Zeit verbringe? Wie weit habe ich darüber überhaupt Entscheidungsfreiheit? Will ich selbst entscheiden? Oder bin ich zufrieden mit dem Objektsein? Will ich als Mensch die Technik beherrschen? Manche von uns streben das auch über die Ökologie und die Natur an. Will ich über Ökonomie und Politik mitbestimmen? Oder genügt mir das Beherrschtwerden? Zeitpolitik handelt auch von der Individualisierung dieser Fragen.

Auf die Spitze wird das dann mit dem Selbstoptimierungsirrsinn getrieben. Wie weit er schon unsere Kinder erfasst, beschreibt mit Ursula Kals eine weitere Autorin der FAS mitfühlend und richtig, um dann den alten Fehler ihres Mediums zu wiederholen. Es ist nicht das System, es ist nicht die Gesellschaft, es sind nicht Ökonomie und Politik verantwortlich. Es sind die Mütter!
Kinder nehmt mich vonne Zeche …..!

E-Mobilität: China dreht uns eine lange Nase

Von , am Sonntag, 19. März 2017

Die angeblichen Verteidiger von Industrieinteressen sind ihr eigentlicher Ruin, egal ob diese Witzfigur Trump oder Dobrindt heisst. Offen bleibt hier, wie in vielem, die Rolle des Weissen Blatts Martin Schulz. Der hat eben seine eigene Dramaturgie.
Sebastian Heilmann, einer der besten deutschen China-Kenner, beschreibt heute in der FAS die E-Mobilitätsstrategie der chinesischen Regierung. Die Lebensgefahr für die Autoindustrie in Europa und Nordamerika grinst hier aus jeder Zeile. Allein eine adäquate Reaktion der hiesigen Politik ist nicht zu erkennen.

Dazu ein kleines Beispiel aus dem Alltagsgeschehen auf der Kennedybrücke. Die eigentliche Pest der warmwerdenden Jahreszeit sind die Mopeds und Vespas. Ihre Emissionen an Dreck und Lärm übertreffen spielend so manchen LKW und Bus (unsere tollen 6 E-Busse sowieso). Als Fahrradfahrer weiss ich, dass ich auf der Brücke besser immer die „falsche“ Seite zur Überquerung nutze. Weiterlesen

FAS: Die Wissenschaft vom Scheissen

Von , am Dienstag, 14. März 2017

Die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung wird oftmals als liberales Kind der konservativen Mutter FAZ gesehen. Das ist in wichtigen Ressortteilen falsch. Die strategischen Köpfe des FAZ-Hauptstadtbüros Bannas und Sattar, beide weit entfernt von verblendenden Ideologien, publizieren online nur selten, in der FAS aber überhaupt nicht. Das entwertet ihren vorderen Teil, den kann man sonntags direkt weglegen.

Weiter hinten ist es dagegen sporadisch interessant. So erfahre ich, dass meine Geburtsstadt Gelsenkirchen neben S04 noch ein weiteres Alleinstellungsmerkmal hat: einen Lehrstuhl über die Wissenschaft vom Scheissen. Wie immer hat China auch zu dieser Wissenschaft Wichtiges beizutragen, als späte Lehre der „zehn chaotischen Jahre“, bei uns besser bekannt unter der Bezeichnung „Kulturrevolution“.

Relevant in der FAS ausserdem ein Lagebericht über den Spielerberatermarkt im deutschen Fussball, ein bisschen doll durchsetzt mit Marketing- und Rechtfertigungssprech der Branche selbst, aber auch mit harten ökonomischen Fakten.

Und bevor wir die FAS online wieder weglegen: die hochverehrte Senta Berger, die immer Interessantes zu sagen hat, im autobiografischen Interview.

ISM / NSU&BAW / Wirtschaft 4.0

Von , am Montag, 13. März 2017

ISM steht für „Institut Solidarische Moderne“, eine Gründung aus einer Zeit, als Medien noch nicht über rot-rot-grüne Politiker*innentreffen berichtet haben. Jetzt hat aber sogar die FAS den Institutsgeschäftsführer Thomas Seibert zum Interview gebeten. Ob es ihre Leser*innen fürchten werden?

Über Thomas Moser und seine NSU-Berichterstattung auf Telepolis habe ich mich hier schon oft lobend ausgelassen. Jetzt hat er sich die Arbeit, bzw. die Nichtarbeit, den sabotierenden Streik der Bundesanwaltschaft (BAW) vorgenommen. Neue blamable Tiefpunkte deutscher Rechtspflege.

Roland Appel beklagte gestern hier, dass die Grünen in ihrem Wahlprogrammentwurf keine ausreichenden Antworten auf die Probleme der Wirtschaft 4.0 geben. Ebenfalls auf Telepolis haben Matthias Weik und Marc Friedrich aktuell zusammengefasst, um welche Probleme es sich da im einzelnen handelt: wir werden alle arbeitslos!

BaWü-Wasserverseuchung – Behörden verschlimmern es

Von , am Mittwoch, 15. Februar 2017

Vor einigen Monaten hatte ich hier auf seine sehr umfangreiche Reportage der FAS zur Verseuchung von Grundwasser im baden-württembergischen Kreis Rastatt verlinkt. Dröhnendes öffentliches Schweigen begleitet seitdem diese Geschichte. Ich habe kein überregionales Medium entdeckt, das sie begleitet oder gar eigenständig recherchiert hätte. Mein Befragen bei potenziellen Wettbewerbern der FAZ, die sich in anderen Regionen schon mit Grundwasserthemen befasst hatten, ergab immerhin, dass das Problem von den FAS-Autor*inn*en „nicht übertrieben“ werde, „im Gegenteil!“.
Tragisch (oder bezeichnend?) ist, dass die erste grüngeführte deutsche Landesregierung sich bisher nicht durch herausragende Aufklärungsarbeit auszeichnet. Die FAS dagegen ist drangeblieben und hier eine aktualisierte Bestandsaufnahme geliefert. Für die Grünen ist es nachhaltig peinlich, dass sie sich von diesem „Organ“ am Nasenring durch die öffentliche Arena ziehen lassen. Der Versuch, das Problem regional einzugrenzen, wird misslingen. Wir alle leben im Rheintal, und bekommen dieses geschmackvolle Wasser ab.

Hunger, Sportsucht&Selbstoptimierung vs. Lebensgenuss

Von , am Dienstag, 7. Februar 2017

Es ist verdienstvoll, dass sich die Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung (FAS) zum wiederholten Male dem massenhaften Hungern überwiegend junger Frauen zugewandt hat. Ebenso lobenswert ist es, dabei Positivbeispiele und -vorbilder zu präsentieren. Leider prügeln leitende Angestellte in den Redaktionen ihre Untergebenen dabei immer wieder „Serviceorientierung“, „immer an die Leser denken“ und Ratgeberfunktion ein, was in diesem Fall, wie bei der FAS auch nicht anders zu erwarten, zu einem zu kurzen Sprung führt.

Schon das Verkürzen des Problems auf bestimmte böse Medien, in diesem Fall „Instagram“, ansonsten sind z.Z die bösen „Castingshows“ beliebtes Objekt von hilflosem Geschimpfe, ist vordergründig und lächerlich. Schliesslich sind wir von Körperbildern in Realität und Fantasie permanent umstellt. Das Gleiche gilt für konkurrenzhafte, wettbewerbsorientierte Vergleiche und Blicke. Von klein an wird uns eingetrichtert, dass wir – in irgendwas – besser sind oder sein müssen als die andern. Das sind keine Einzelereignisse, sondern das hat System. Weiterlesen

Ein Apokalyptiker als „Sicherheitsberater“

Von , am Montag, 6. Februar 2017

Mark Siemons, einer der Klugen bei der FAZ/FAS hat sich Steve Bannon mal gründlich angesehen. Und kommt am Schluss sogar zu klugen ersten Gedanken für einen demokratischen Widerstand gegen solche gefährlichen Kerle.

Wie schlau diese Kerle mit Sprache arbeiten, weiss die Berkeley-Linguistin Elisabeth Wehling, die z.Z. in Deutschland eine PR-Tour für ihr neues Buch macht.