Schlagwort-Archive: FR

Neuer BVB-Trainer schon ausgeguckt?

Von , am Montag, 8. Mai 2017

Wie unwichtig der DFB-Pokal für das Fussballgeschäft geworden ist, wird wohl nirgends deutlicher demonstriert, als von der Außendarstellung des Finalisten in Dortmund. Dort wird ein offener Bürgerkrieg ausgetragen; niemand versucht mehr das zu verbergen. Als Aussenstehender muss man wohl offenlassen, wer „angefangen“ hat.
Das Vorgehen der Vereinsführung ist jedenfalls zielstrebig. Ihre Offensive gegen den Trainer begann mit diesem Interview von Boss Watzke mit der WAZ.
Trotzdem hat die Mannschaft, mit schlechter Leistung und Schiri-Hilfe zwar, das wichtige Punktspiel um Platz 3 gegen Hoffenheim gewonnen. Da Platz 4 als CL-Quali-Platz aber sowieso nicht gefährdet ist, fallen wohl alle Hemmungen vor verbrannter Erde. Das Presseecho ist einhellig: Tuchel hat ausgeschissen. Theweleit (taz/FR) macht mit, und der viel in den Verein hineinhörende Röckenhaus (SZ) ebenfalls – alle volles Rohr.
Wer so offen(siv) agiert, muss einen Grand mit Vieren in der Hand haben, oder von Katastrophenangst angetrieben sein. Oder beides.

Gehört das auch zu deutscher Leitkultur? BVB-Fan Küppersbusch hat zu der heute jedenfalls in der taz das Richtige geschrieben: Weiterlesen

Berlin total bekloppt / Beyoglu-Istanbul

Von , am Freitag, 31. März 2017

Ist Berlin vielleicht eine einzige große Klapse? Wir haben bei der Bundestagswahl Leute dahin geschickt, um Politik für uns zu machen. Und dann lesen Sie hier mal den Bericht von Arno Widmann in der FR, mit was die sich gedanklich und auf öffentlichen Veranstaltungen beschäftigen – nur mit sich selbst. Total irre.

Am gleichen Ort kauft ein nicht näher beschriebener undurchsichtiger Investor das hässlichste Gebäude, das ich in meinem Leben jemals persönlich gesehen habe – ich besuchte seinerzeit im dortigen Kino eine Bingewatching-Aufführung der TV-Serie „Kingdom“ von Lars von Trier, das passte zum Ort – zu einem Fantasiepreis und kriegt mglw. gerichtliche Rückendeckung um die 300 Sozialmieter*innen zu vertreiben.

Im ungleich schöneren Istanbuler Stadtteil Beyoglu ist die Erdogansche Gentrifizierung ebenfalls im vollen Gange.
Ich fürchte diese weltweiten ökonomischen Entwicklungen werden zu einer Potenzierung von Radikalisierung und Militanz führen. Die Medien werden, wie aus obigem Bericht von Widmann deutlich wird dabei nicht mit Nachdenklichkeit, Intelligenz und Verstand bremsen, sondern die Feuer mit anfachen. Jedenfalls, wenn wir sie heute alle so weitermachen lassen.

Slowakei – Eibar – Freiburg – Dortmund

Von , am Dienstag, 14. Februar 2017

Osteuropa ist fremden- und flüchtlingsfeindlich. Dank ihrer formidablen Regierungen sind die europäischen Länder und Menschen (süd-)östlich von Deutschland bei uns im Kopf entsprechend abgestempelt. Zum Glück stimmt das nicht. Die zahlreichen deutschen Numerus-Clausus-Flüchtlinge z.B. wissen es besser. Sie lernen Städte wie Wilnius, Riga oder Bratislava als kosmopolitische Global Cities kennen. Und die Slowakei hat sogar einen Staatspräsidenten (Audiolink von „Europa heute“, 14.2.), der sich von der fremdenfeindlichen sozialdemokratischen Regierung abgrenzt, und dafür nicht etwa angefeindet, sondern immer beliebter wird.

Das Fußballmärchen in Eibar ist immer noch nicht zuende. 4:0 im Montagsspiel gegen Granada, dicht an den Europapokalplätzen in der La Liga.

Das Fußballwunder des SC Freiburg ist das Produkt harter Arbeit. Und am Ende der Saison müssen die besten Spieler immer weiterverkauft werden, mit erklecklichem Gewinn.

Beim Thema Fußballfans brechen alle rechtsstaatlichen Dämme, sogar bei Heribert Prantl, der die DFB-Strafe gegen die Südtribüne richtig findet und erwachsene Bürger zu „Vereinskindern“ degradiert, anders als der realistische Fußballfachmann der FR Jan Christian Müller. Worauf ich bereits hingewiesen habe, wird nun endlich von Freddie Röckenhaus für alle, die es ernsthaft interessiert offengelegt: der rechtsradikale Hintergrund der Gewalttäter in Dortmund. Wer dagegen Beleidigungen nicht aushält, sollte sich vom Fußball fernhalten.

Von Feudalismus&Diktatur zu Analphabetismus&Terror

Von , am Donnerstag, 2. Februar 2017

Martin Gehlen, langjähriger Nahostkorrespondent veröffentlicht heute einen Überblick in der Frankfurter Rundschau, auf welche Weise 360 Millionen Menschen im arabischen Raum durch feudalistische und militaristische Diktatoren von Bildung und sozialer Entwicklung ferngehalten werden, unter tätiger Mithilfe unserer eigenen Regierung.
Warnung: nach dem Lesen werden Sie sich nicht besser fühlen.

Frankreich

Von , am Samstag, 14. Januar 2017

Es gibt eine Welt da draussen, in der in diesem Jahr auch wichtige politische Entscheidungen fallen. Noch vor der NRW-Landtagswahl werden wir wissen, wer neuer französischer Präsident – eine Frau hoffentlich nicht – wird. Der linke Kandidat Jean-Luc Melenchon kommt heute im FR-Interview selbst zu Wort; Rudolf Walther kommentiert beim oxiblog seine strategische Ausgangslage.
Der seit einigen Jahren beste deutsche Frankreich-Korrespondent Bernhard Schmid veröffentlichte in der jüngsten Jungle World eine zeitgeschichtliche Beschreibung des ideologisch-intellektuellen Hintergrunddiskurses hinter den französischen Politikdebatten. Zu Melenchon hat er eine deutlich-kritische Einschätzung (Jungle World eine Woche zuvor).

Noch eine Bemerkung zu weiblichen Kandidatinnen: es „gibt“ genug gute Frauen. Meistens sind sie leider selbst ihre schärfsten Kritikerinnen und kandidieren erst gar nicht bei wichtigen Wahlgängen und Personalentscheidungen. Es ist eine Schwäche der Grünen, dass keine linke Frau die Traute hatte, sich gegen KGE um die Spitzenkandidatur zu bewerben. Es ist eine ebensolche Schwäche, wenn die Linken meinen, eine Populistin mit kaputtem Kompass einer Frau mit einer klaren emanzipatorischen Linie vorziehen zu müssen. Wahlen, zu denen frau nicht kandidiert, sind schon verloren. Ich hoffe inständig, dass das wenigstens in Bezug auf Frankreich widerlegt wird.

Gegenwehr, aber wie und gegen was und wen?

Von , am Montag, 9. Januar 2017

Am Wochenende hatte ich eine kurze Korrespondenz mit einem Freund in den USA. Es ging um die (Selbst-)Zweifel an der eigenen politischen Wirksamkeit. Welche Aktivität hat (noch) welchen Sinn? Bei Herren reiferen Alters sind das berechtigte Überlegungen. Und Rezepte können hier nicht geliefert werden. Mann sollte nicht nur selber kochen, sondern auch die Rezepte gemäss den eigenen Neigungen und Fähigkeiten lieber selbst kreieren, statt irgendwelchen Meistern zu folgen. Bei dieser Suche helfen, wie hier z.B. die Kolleg*inn*en von oxiblog, wäre ein realistischer Anspruch. Mehr ist nicht drin, aber weniger sollte es auch nicht sein.

Nehmen wir mal die tunesische Perspektive. Mein Fußball-Gastwirt Kamel Bsissa ist tunesischer Herkunft. Ein Künstler seiner Zunft, pflegt er doch eine total heterogene Kundschaft auf engstem Raum, und alle halten es bei ihm miteinander aus. Seine herzlich-rustikale Ehrlichkeit erleichtert ihm die Ausführung seines soziokulturellen Kunsthandwerks. Käme ich auf die Idee, von ihm auf Tunesien zu schliessen? Weiterlesen

Whisky

Von , am Donnerstag, 5. Januar 2017

In den 80ern nahm ich im Kreise meiner Mitstudent*inn*en der Politischen Wissenschaften an einer Vergleichsverkostung von Malt-Whiskys teil. Jede*r sollte ein Fläschchen mitbringen; wir koordinierten untereinander, dass es keine Doppelungen gab. Der damalige Edeka am Friedensplatz, dessen Betreiber, wie es der Zufall will, jetzt bei mir um die Ecke in der Beueler Jahnstraße residiert, unterhielt ein stadtweit bekanntes liebevoll zusammengestelltes Sortiment dieses Getränks. Das Regal ist heute allerdings hinter einer verschlossenen Glasscheibe vor Diebstählen geschützt und wird nur auf Anforderung geöffnet. Es war damals ein unvergesslicher, genussvoller Abend, bis ….. Weiterlesen

Verdächtiger erschossen – in Italien

Von , am Freitag, 23. Dezember 2016

Es fällt schwer, sachlich zu bleiben, wenn man sich wie ich diese Woche dem Trommelfeuer des Deutschlandfunks ausgesetzt hat. Zu Beginn der Woche ergab sich die paradoxe Situation, dass der Interviewte Bosbach (!) seinen Befrager zur Mässigung seiner Spekulationen aufforderte. Statt investigativer, kritischer Befragung muss man bei jedem Äußerungsversuch kompletter Gedanken stammtischartige Unterbrechungen a la „wie ist es denn möglich, dass ….“ anhören. Wenn Journalist*inn*en am Mikrofon einen Ton anschlagen, den sie an Stammtischen vermuten, dann sind sie wirklich ganz unten angekommen.

Also: der Tatverdächtige des Berliner LKW-Attentats ist von der italienischen Polizei bei einer „zufälligen“ Verkehrskontrolle erschossen worden, nachdem er eine Waffe gezogen haben soll.
Die Merkwürdigkeiten dieses Falls sind so umfangreich, dass sie hier nicht referiert werden können. Heribert Prantl ist es in sachlicher und kompakter Form besser gelungen, als ich es jemals könnte.

Ich möchte nur auf das zufällige zeitliche Zusammentreffen mit einem anderen gewichtigen Vorgang hinweisen, der die deutsch-italienischen Beziehungen der nächsten Wochen stark prägen wird, und bei dem die eine der anderen Seite so manchen Gefallen schuldig sein wird: dazu hier ein knackkurzer taz-Kommentar und eine ebenso kurze Darstellung der FR.

Leitkultur und Sex

Von , am Dienstag, 6. Dezember 2016

Das Geschwätz von Leitkultur war schon immer schwer erträglich. In einem etwas schwergängigen Essay in der FR wird heute ein weiteres Mal erklärt, warum es mit unserer Demokratie nicht vereinbar ist.
Etwas bildstärker wird es aktuell in der europäischen Sexpolitik, europäisch, nicht morgenländisch! Die Missbrauchsaffäre im englischen Fußball (der Herren) hat in einer Weise publizistische Fahrt aufgenommen, dass es kaum noch nachzuzeichnen ist. Es gibt jedoch auch Beispiele aus der Zeit der glorifizierten „sexuellen Revolution“, die im Kern wohl nur eine Modernisierung der Ausbeutungsverhältnisse war. Was die früh verstorbene und verehrungswürdige Schauspielerin Maria Schneider seinerzeit mit „modernen“ Männern ihrer Branche erleben musste, und was sie vermutlich für den Rest ihres Lebens traumatisiert hat, wie würden wir das heute einer „unterdrückten Kopftuchfrau“ erklären? Wie konnten Männer mit dieser Arbeitsweise ihre Berühmtheit steigern und Preisehrungen aller Art sammeln? Was daran war noch mal genau „emanzipatorisch“?

Update 27.12.: drei Wochen benötigte die taz, um dann aber doch zu dem hier bezeichneten Diskurs-Vorgang einen ausgereiften hervorragenden Text von Mithu Sanyal zu veröffentlichen.

NSU-Aktenvernichter / Putintrolle / van der Bellen / 2,3-Mio.-Demo / PC

Von , am Montag, 5. Dezember 2016

Zur Weißglut bringt es einen, wenn man für total bescheuert gehalten wird. Unser teurer „Verfassungsschutz“ beherrscht diese Kunst spielend, und entwickelt leistungssportliche Qualitäten im NSU-Aktenvernichten und anschliessendem Balkenbiegen. (Telepolis)
Die deutsche Sehnsucht nach dem starken Führer beherrscht nach Meinung von Tomasz Konicz auch die leider überhaupt nicht ferngelenkten sondern ganz selbstständig agierenden Putintrolle. (Telepolis)
Ein lesenswertes Porträt des neugewählten österreichischen Bundespräsidenten veröffentlicht der in Graz lebende Bonner Nobert Mappes-Niediek. (FR)
Im Schatten der eurozentrischen Weltwahrnehmung demonstrieren 2.300.000 Koreaner*innen gegen ihre Präsidentin. (Telepolis)
Mely Kiyak erklärt uns noch mal in leichter Sprache die Sache mit der Politischen Korrektheit. (Zeit)