Schlagwort-Archive: Freitag

Whiteness / NSU / Saudis / Portugal / Wahl-Legenden

Von , am Donnerstag, 18. Mai 2017

Ich bin weiss, männlich, heterosexuell – und damit Angehöriger einer Minderheit. In unserer gesellschaftlichen und politischen Sprach- und Begriffswelt wird aber so getan, als wenn das das Normale sei. In dieser Feststellung ist den Anwält*inn*en der „Critical Whiteness“ zuzustimmen. Gesellschaftspolitische Debatte und selbstermächtigte Psychobehandlung Einzelner sollte man aber auseinanderhalten können, wenn man an politischen Bündnissen und Erfolg interessiert ist und rassistischen Ideolog*inn*en nicht in die Falle tappen will, plädiert Leander F. Badura im Freitag.

Schlimmer als falsches politisches Denken und Reden ist falsches politisches Handeln. Die NSU-Affäre besteht aus nichts anderem, Weiterlesen

GMSM – gute Medien, schlechte Medien: Naidoo, Nahles, Trump, Uganda, Somalia

Von , am Freitag, 12. Mai 2017

Marcus Klöckner zeichnete vorgestern auf telepolis nach, was „die (meisten) Medien“ mit einem Schlagersänger veranstaltet haben. Interessant an seiner Darstellung ist die medienkritische Seite. Es scheint zum Geschäftsmodell dieses Entertainers zu gehören, sich mit Hilfe der beschriebenen Mechanismen im Gespräch zu halten. Ich kann das nicht sympathisch finden; warum spielen es seine scheinbaren Gegner*innen also so gut mit?

Extrem übel – oder bescheuert? -, was der Deutschlandfunk mit Andrea Nahles angestellt hat. Mir ist schon mehrmals aufgefallen, dass das gute Radioprogramm mit seinen reflektierten und in der Regel wohltuend differenzierenden Inhalten, von der Nachrichten- und/oder Online-Redaktion boulevardesk zugespitzt wird, weil wohl der Glaube vorherrscht, ohne Boulevardniveau „im Netz“ nicht wahrgenommen zu werden. Ein Irrtum.

Nur an einer deutschen Stelle, in der Jungen Welt vermerkt von Knut Mellenthin, fand ich einen Hinweis auf einen „guten“ Grund für das Feuern des FBI-Chefs: Weiterlesen

Augstein

Von , am Dienstag, 4. April 2017

Zeitgemässes modernes mafiöses Agieren heisst heute: Gegner spalten, schwächen, zur Not kaufen, statt sie zu erschiessen. Erst- und Zweitgenanntes ist ihnen nun mit Jakob Augstein und Petra Reski gelungen. Bei Augstein frage ich mich: was soll nur aus ihm werden?

Veröffentlicht hat die Geschichte Andreas Rossmann, FAZ-Feuilletonkorrespondent für NRW mit Sitz in Köln und regelmässigem Urlaub in Sizilien. Ich kenne ihn gut genug, dass ich mich für seine journalistische Seriosität verbürge. Wie bei Journalisten-Geschichten üblich, verbreitet sie sich in der Medienbranche mit potenziertem Tempo und reichlicher Aufregung. Weiterlesen

Frankreich / Nazi-V-Mann / Wagenknecht / Jantschke

Von , am Donnerstag, 16. Februar 2017

Es ist unser Nachbar, Frankreich, unser bester Freund, wenn Deutschland überhaupt noch Freunde hat, aber unsere Medien sind seltsam desinteressiert. Weil es „nur“ um Rassismus geht? Um Rassismus bei und in der Polizei; die nimmt einen angenommenen Wahlsieg von Frau Le Pen schon vorweg, wie Bernhard Schmid in der Jungle World berichtet.
Der NSU-Untersuchungsausschuss vernimmt einen ehemaligen V-Mann in der Nazi-Szene, in nichtöffentlicher Sitzung und zwei Präsidenten (einer Ex-) des sog. „Verfassungsschutzes“. Bei solchen Zeugen ist die Wahrheitsfindung besonders schwer, wie Andreas Förster im Freitag erläutert.
Warum redet Sahra Wagenknecht nur noch so kariert daher, wenn es um Merkel, Flüchtlinge und internationale Solidarität geht? Weil sie vor allem von letzterem keine Ahnung hat, und damit als vorgeblich gelernte „Kommunistin“ auch keine von einer politischen Rolle, die die Arbeiterklasse gespielt hat und spielen könnte, wenn sie über kluge Parteien und Gewerkschaften verfügen würde, meint Michael Jäger im Freitag. Wagenknecht repräsentiert so „perfekt“ das Versagen deutscher linker Organisationen.
Tony Jantschke personifiziert die neue Abwehrstärke von Borussia Mönchengladbach in einem lesenswerten Sp-on-Interview. Es gibt also auch gute Nachrichten.

Politisches Prekariat VI / Vogelgrippe / Ahr-Rotwein

Von , am Donnerstag, 29. Dezember 2016

Eine geniale Ergänzung zu meiner Textreihe zum Problem „Politisches Prekariat“ fand ich im Freitag. Georg Seesslen veröffentlichte dort ein Glossar zur politischen Intrige. Die Namen der handelnden Personen muss sich jede/r dazudenken.
Hat Ihnen das Geflügel diese Weihnachten irgendwie anders geschmeckt? Dann können Sie reich werden, denn sie wären der erste Mensch, der den Grippevirus mit Zunge und Gaumen erkennen kann. Unsere industrielle Gefügelwirtschaft will an diesen Epidemien unschuldig bleiben, ist es aber nicht.
Wir in Bonn leben im Paradies, oder jedenfalls direkt daneben. Dort wächst Ahr-Rotwein, ein großes Geschenk für unsere Gesundheit, Wohlbefinden und Glück. Wenn Sie der FAZ-Reportage nachfahren wollen, empfehle ich folgende Abweichung: die dort gelobte Abfahrt nach Dernau erreichen Sie nur, wenn sie in Bonn den Venusberg erklimmen und von Ippendorf aus das idyllische „Ländchen“ durchqueren. Bequemer ist es unten rum: in zwei Fahrradstunden sind sie am Rhein entlang und von der Ahrmündung aus ahraufwärts in Sinzig um dort im Vieux Sinzig Mittagspause zu machen. Wenn Sie dann noch fahren können, gehts dann weiter am Fluss entlang, entweder mit dem Fahrrad oder der Bahn. Auto zuhauselassen versteht sich, es geht ja um Wein.

Holm / Barley / Lobo / Niggemeier

Von , am Donnerstag, 15. Dezember 2016

Christoph Twickel bewertet die Ernennung von Andrej Holm zum Staatssekretär im rot-rot-grünen Berliner Senat. (Freitag)
Ebenfalls im Freitag ein interessantes Porträt von SPD-Generalsekretärin Katarina Barley. Die Bewertung ihres Examensthemas (Kommunalwahlrecht für EU-Ausländer) durch die Autorin als „dröge“ halte ich allerdings für extrem abwegig.

Und nun zu den Fake News: Sascha Lobo (Sp-on) muss ich wohl bald zum Internet-Weisen aus dem Abendland erinnern.
Und eine illustrative Ergänzung von Stefan (erst hatte ich hier fälschlich „Horst“ geschrieben; von dem muss ich heut nacht wohl geträumt haben) Niggemeier, wie Presse ganz ohne Journalismus – schon lange – hergestellt wird.

Todenhöfer beim Freitag – „ein Fuchs im Stall“?

Von , am Donnerstag, 8. Dezember 2016

In den 70er Jahren war es eine revolutionäre Tat meiner Schülervertretung, für unsere damalige selbstverwaltete Schülerbibliothek die Deutsche Volkszeitung zu abonnieren und auszulegen, die westdeutsche Vorläuferin des späteren Freitag. Wenn uns damals jemand vorausgesagt hätte, diese Zeitung werde dereinst vom entwicklungspolitischen Sprecher der CDU/CSU-Bundestagsfraktion Jürgen Todenhöfer (damaliger Jargon: „Hodentöter“) herausgegeben, wir hätten ihn sehr für seinen Geisteszustand bedauert. Nunja, der damalige Volksverhetzer Heiner Geißler ist ja auch attac-Mitglied geworden. Und der damalige Kämpfer gegen „Sekundärtugenden“ mit denen man ein KZ betreiben könne, hat später geholfen, das Grundrecht auf Asyl zu schlachten. Und frühere Apo-Aktivisten kämpfen heute gegen Russland. Die Zeiten ändern sich, wir wissen und erfahren immer mehr; und das ist sehr unübersichtlich und in Schubladen nicht zu sortieren.

In den Nuller-Jahren habe ich die damaligen Freitag-Verleger*innen beraten, wie sie ihren damaligen Herausgeber*innen*kreis aktualisieren könnten, einige sehr wertvolle, Günter Gaus und Wolfgang Ullmann waren verstorben. Ihr größeres Problem, das ich selbstverständlich nicht lösen konnte, Weiterlesen

China / CDU / Beethoven gegen AfD / oxiblog / Feminismus / Saudi-Arabien / Mali / Brasilien

Von , am Donnerstag, 8. Dezember 2016

Jammern und Zähneklappern: die Kommunisten in China versuchen den Kapitalverkehr zu kontrollieren. Mit Griechenland oder Portugal würde man ja noch fertig, aber der Chinese ist ja leider schon erste Liga. (SZ)
CDU ungehorsam? Die wenig beachteten Wahlergebnisse zeigten, dass das von Merkel noch eins der besten war. (FR)
Selbstbewusstsein gegen Rechts gibt uns, nach einer Entdeckung von Michael Jäger, Ludwig van Beehoven. (Freitag)
Im Oxiblog beschreibt der Soziologe Klaus Krämer, durch welche Fehler der Linken die Rechten in kapitalistischen Ländern so viel Oberwasser bekommen konnten.
Frigga Haug erklärt den Marxismus-Feminismus. (Jungle World)
Burkas aus Saudi-Arabien wollen wir hier nicht, aber wenn die dort Waffen und Militärausbildung aus Deutschland wollen, sääährrr geeerne. (JW)
Was bei so einer „Hilfe“ rauskommt, kann man z.B. in Mali studieren, wird aktuell auch nur wenig berichtet. (Jungle World)
In Brasilien ist das Klischee wahrgeworden: die Mehrheit der aktiven Poltiker*innen scheint aus Straftäter*inne*n zu bestehen. (JW)

Sanders&Lee / Israel / Syrien / BuPrä / Podemos / Italien

Von , am Donnerstag, 1. Dezember 2016

Bernie Sanders und Spike Lee diskutierten für den Guardian das US-Wahlergebnis. (Freitag)
Knut Mellenthin (JW) berichtet über eine Korruptionsaffäre in Israels Regierung, hinter der – wenig überraschend – die Rüstungssparte von Thyssen-Krupp und unsere eigene Bundesregierung stecken.
Michael Lüders beschrieb heute morgen im DLF-Interview die ausweglose strategische Situation in und um Syrien. Wie die Fluchtsituation die Lebenslage syrischer Frauen verändert, hat eine von ihnen selbst untersucht. (Freitag)
Bundespräsidentenkandidat Butterwegge veröffentlicht seine Agenda. (Freitag)
Ebendort eine Bestandsaufnahme der Strategiediskussion bei Podemos in Spanien, die hier schon ausführlich beschrieben wurde. (Freitag)
Wie Alte, Eltern, Lehrer*innen und besserwissende Kulturkrtiker*innen nicht nur den Lernfortschritt ihrer Kinder, vergeblich, zu bremsen versuchen, sondern auch den technisch-industriellen Fortschritt unserer Ökonomie, steht nicht im Handelsblatt, sondern auch im Freitag.
Petra Reski, die durchaus auch schon mal über das eine oder andere Ziel hinausschiesst, schimpft über die verzeifelte Lage vor dem vermaledeiten Renzi-inspirierten Verfassungsreferendum in Italien. Nach Auskunft meiner italienischen Freunde verniedlicht Reski die Gefahr, die von der „5-Sterne-Bewegung“ ausgeht, in allen anderen Punkten hat sie glaube ich leider ziemlich recht.

Renterinnen / Richterin / Erdogan /Aubameyang

Von , am Donnerstag, 3. November 2016

FAZ-Herausgeber Steltzner ängstigt sich vor den Rentnern. Klassisch für einen Mann seiner Rolle und Position ist ihm die Genderfrage fremd, von Rentnerinnen weiss er nichts. Wenn die herrschende Klasse so ignorant bleibt, besteht ja noch Hoffnung für die Andern.
In Hamburg gibt es eine Richterin am Landgericht mit Namen Meyer-Göring. Sie nimmt es mit dem regionalen Apparat der Sicherheitsbürokratie auf. Wenn Richterinnen gemäss Grundgesetz wirklich unabhängig sind, dürfte das für sie eigentlich nicht gefährlich sein …..
Hierzulande versteht ausser den MitbürgerInnen mit türkischem Migrationshintergrund, und von denen auch sehr viele, nicht, wie es mit diesem Erdogan so weit kommen konnte. So weit es die türkische Innenpolitik betrifft, zeichnet das Guardian-Korrespondent Christopher de Ballaigue im Freitag noch einmal nach.
Spektakulärster Vorfall am gestrigen Champions-League-Abend war der Tribünenauftritt von „Auba“. Daniel Theweleit (Sp-on) sieht den „besten deutschen Trainer“ Thomas Tuchel dabei an einer riskanten Kante entlangbalancieren.