Schlagwort-Archive: Junge Welt

Bundesliga-Krise

Von , am Montag, 6. November 2017

Saison nach weniger als einem Drittel – sportlich – beendet, schon vor der kalten Jahreszeit, das allein ist schon problematisch für den Konzern Deutsche-Fussball-Liga (DFL).
Dietrich Schulze-Marmeling habe ich persönlich in den frühen 80ern kennengelernt. Da war er Vertreter der „Autonomen“ im Koordinierungsausschuss der Friedensbewegung. Später verzog er sich ein Jahr nach Nordirland. Heute ist er bekennender BVB-Fan und respektierter Geschichtsschreiber des Konzerns aus dem süddeutschen Raum. Er analysiert in der taz kurz und prägnant die fussballerischen Symptome, die es dahin gebracht haben. „Stärkste Liga der Welt“ muss irgendwo anders sein.
Rouven Ahl (Junge Welt) entdeckt derweil Fussball-Innovation in der Zweiten Liga, bei Holstein Kiel, trainiert vom einstigen „ewigen Talent“ Markus Anfang.

Fussballweltkrieg – it’s the economy, stupid!

Von , am Freitag, 3. November 2017

Die Aufregung über den bevorstehenden europäischen Fussball-„Nationencup“ der Uefa ist noch gar nicht richtig ausgebrochen, ausser in unseren TV-Anstalten, die in ihrer Panik schon unsere Millionen aus den Fenstern geworfen haben. Da hat die Fifa zu einem Revanchefoul gegen die Uefa angesetzt, dass der mit dem guten Weitblick-Instrumentenkasten eines alten konservativen Politikers ausgestattete DFB-Chef Grindel als erster „Alarm“ gerufen hat. Die Fifa will in den bisherigen „Confed“-Cup-Jahren eine „Klub-WM“ ansetzen, ein direkter Angriff auf die sportlich langweilige aber beständig Geld scheissende Uefa-Champions-League.

Im Kern geht es strategisch darum, wer welche renditeträchtigen Marktplätze am schnellsten und wirkungsvollsten besetzt, bevor es jemand anders tut. Die Fifa analysiert richtig, dass die Vereinsmarken in der globalen Fussballwelt längst mehr Identifikation erzeugen, als die Nationalmannschaften. Da sie mehr zusammen trainieren und spielen, zeigen sie auch den besseren Fussball. Und, siehe Champions-League, sie mobilisieren entschieden mehr Kapital. Das kommt im Fussball mittlerweile in grösserem Masse aus Asien, als aus Europa. Von den in dieser Sportart abgemeldeten USA, die umso mehr in Sachen Fussballkorruption strafrechtlich ermitteln, ganz zu schweigen.
Wir dürfen davon ausgehen, hier geht es nicht um Fussball, sondern um Geopolitik. Niemand weiss das besser als Herr Grindel. Weiterlesen

RAF-Mythos – materialistisch demontiert

Von , am Samstag, 14. Oktober 2017

Dieser Tage jährt sich, was einst und heute sentimental „deutscher Herbst“ genannt wird – eine gewalttätige Auseinandersetzung zwischen ein paar Dutzend deutschen Linksradikalen und der damaligen politischen Führung der westdeutschen BRD. Inwieweit welche Geheimdienste wie involviert waren? Wir werden es eines Tages erfahren. Morgen soll sich der ARD-Tatort von Dominik Graf daran abarbeiten.

Vieles von damals war medienattraktive und bildstarke Äktschn und wurde mythologisiert. Wohltuend analytisch-kalt versucht sich dagegen heute Georg Fülberth in der Jungen Welt an einer Kompaktfassung diesbezüglicher Geschichtsschreibung. Es kommt meiner damaligen zeitgenössischen Sicht der Dinge ziemlich nahe, nur dass ich es seinerzeit nicht so geschliffen formulieren konnte, wie der ehemalige Professor der „Marburger Schule„.
Warum er allerdings den damaligen „Kommunistischen Bund„, genannt „KB-Nord“, für die „fitteste“ linke Organisation jener Zeit hält? Das sagt wohl mehr über die Organisationen, denen Fülberth selbst angehörte, als über diese Minisekte mit Gruppenschwerpunkten in Hamburg und Göttingen. Die Herren Ebermann, Ehlers, Trittin, Trampert und Reents waren/sind mir mehr oder weniger bekannt geworden. Keine dummen Kerls. Keine Frau dabei. Zufall oder bezeichnend?

Kennen Sie die katalanische Position?

Von , am Donnerstag, 12. Oktober 2017

Wer die Sprache nicht kann, wird von deutschen Medien doofgehalten. Man muss ja schon froh sein, wenn sie wenigstens in Spanien überhaupt noch Korrespondent*inn*enplätze unterhalten, Barcelona und katalanisch ist offensichtlich zuviel verlangt.

Die Penetranz, in der die Position der spanischen Regierung, deren führende Partei PP von nachgewiesener Korruption durchsetzt ist, und die sich nie glaubwürdig vom Geist der faschistischen Franco-Diktatur distanziert hat, referiert und die Position der katalanischen Regionalregierung auch von linken Medien wie den nachdenkseiten und german-foreign-policy (letzterer Link verschwindet in einigen Tagen in einem Paywall-Archiv; die vermuten sogar eine finstere Verschwörung des Bundesregierung hinter dem bösen Separatismus) mit Unverständnis begleitet wird, ist für einen sich unbefangen informierenden Bürger, der des Spanischen und Katalanischen nicht mächtig ist, nicht mehr erträglich. Das war jetzt ein Bandwurm-Satz als Ausdruck von Zorn, der musste raus.

Meine Bildung über Katalonien kommt über die Sympathie für den Johan-Cruyff(also niederländisch!)-inspirierten Fussball des FC Barcelona. Weiterlesen

Andere Kulturen: bei der Bahn, im Fussball, Männer

Von , am Donnerstag, 28. September 2017

Die Bahnkatastrophe im Rheintal, auf die in diesem Blog schon hingewiesen wurde, wird immer noch nur von Nischenmedien ausgeleuchtet. Winfried Wolf, alter Trotzkist, dennoch exzellenter linker Bahnexperte, auch mal MdB der Linken gewesen, beschreibt in Kontext minutiös die Vertuschung des Unfallhergangs bei Rastatt. Christoph Jehle beschreibt auf Telepolis die aktuell missliche Lage im europäischen Bahnnetz: alle haben ihre Arbeit gemacht, mit milliardenschweren Vorleistungen vor allem in der Schweiz, nur die Deutschen sind für alles was Eisenbahn betrifft zu doof.
Das hat mentale Ähnlichkeiten mit der Bearbeitung der Gewaltverbrechen der NSU oder des Terroristen Amri: es wird eine spezifische Kultur der Verantwortungslosigkeit in deutschen Bürokratie- und Konzernstrukturen erkennbar.
In China geht alles viel schneller: nicht nur die E-Autoquote, die Zugstrecken werden schneller gebaut, die Züge fahren schneller, und die korrupten Verantwortlichen landen schneller im Knast. Ist uns das, hier von Kai Strittmatter in der SZ beschrieben, lieber, so ganz ohne bremsende Demokratie? Weiterlesen

NSU – Adenauer – Barcelona

Von , am Mittwoch, 20. September 2017

Thomas Moser berichtet auf Telepolis über die fortgesetzte Vernebelungsstrategie der Bundesanwaltschaft (= Organ der Bundesregierung) im Münchener NSU-Prozess. Sie schreckt auch vor der Diffamierung der Verbrechensopfer und ihrer Nebenklageanwält*inn*e*n nicht zurück.

Werner Rügemer beleuchtete in der Jungen Welt den heute weniger bekannten Lebensabschnitt Konrad Adenauers zwischen Kaiser und „Führer“.

In Barcelona haben sich die illegalen afrikanischen Strassenhändler organisiert und sind so vom politischen Opfer zum Subjekt geworden, das die seit der letzten Kommunalwahl linksorientierte Stadtverwaltung in stattliche Probleme bringt. Das DLF-Feature (hier nachzulesen oder nachzuhören) lässt ahnen, welche sozialen Konflikte der Zukunft auf europäische Metropolen zukommen.

Rossmann – Dündar – Penny – Somalia-Fussball

Von , am Donnerstag, 14. September 2017

Es gibt noch gute Journalist*inn*en/Autor*inn*en, hier zwei ältere Herren und eine junge Frau, sowie etwas Besonderes aus Somalia.

Andreas Rossmann schreibt eine politische Geschichte der längstdauernden Baustelle Deutschlands: der Kölner Dom, wie er wurde, was er ist. Wenn er fertig ist, geht die Welt unter.

Can Dündar kennt den Sieger des Kanzler*in-Duetts: Erdogan. Das habe ich ja auch befürchtet.

Laurie Penny müht sich mit einem deutschen Interviewer ab, weil sie hierzulande mal wieder auf Lesereise ist: Bitch-Doktrin.

Auf die Gefahr hin, dass es deutsche Asylentacheider freut: nach einem Bericht der Jungen Welt hat Mogadischu ein historisches Ereignis erlebt: eine öffentliche Veranstaltung in den Abendstunden. Es war ein Fußballspiel.

Katzen, Eagles und spezifisch deutsche Kultur

Von , am Montag, 4. September 2017

Helmut Höge hat sich in meinem Gedächtnis als taz-Hausmeister festgesetzt. Tatsächlich ist er aber ein politisch-materialistisch geschulter Kolumnist, nicht nur bei der taz, sondern auch bei der Jungen Welt, der selbst kleinste Alltäglichkeiten in ihren gesellschaftlichen Zusammenhang zu stellen weiss. In der – angeblich – 38. Folge seiner Studien aus der Tierwelt, ist er nun beim publikumswirksamen Höhepunkt angelangt: den Katzen.

Die Eagles waren zu „ihrer“ Zeit hochumstritten. Die einen hassten sie als der Musikindustrie willfährige Weichspüler des Rock’n Roll, die andern liebten sie dafür. Heute sind sie Bestandteil des Formatradio-Mainstreams, und in ganz seltenen Momenten werden sie auch mal länger als 3 Minuten ausgespielt. Wie in den besten Familien, Unternehmen und politischen Organisationen hassten sie sich untereinander so heftig, dass sie es, wie Uwe Ebbinghaus/faz.net es fein beobachtet hat, in ihren Liedern und ihrer Bühnenperformance nicht verbergen konnten: „Lyin‘ eyes„.

Ein glänzender Essay zur Kenntlichmachung Alexander Gaulands und seiner „spezifisch deutschen Kultur“ ist Detlef zum Winkel auf telepolis gelungen,

Trampert / Bannon / Schäuble / wahl-o-mat

Von , am Samstag, 26. August 2017

Rainer Trampert weiss schon seit vielen Jahren politisch nicht mehr weiter, 1987 hörte er als Bundesvorstandssprecher der Grünen auf, 1990 trat er aus. Öffentlich auf sich aufmerksam machte er danach noch durch gemeinsame Pferdezucht und Kabarettauftritte mit Thomas Ebermann. Legendär für mich waren seine TV-Auftritte in den 80ern, mit denen er Helmut Kohl, Heiner Geissler und Co. so auf die Bäume trieb, dass Kohl danach in keine kontroverse TV-Runde mehr ging. Und Merkel tut das auch nicht. Ich übertreibe kaum, wenn ich sage, dass sich Trampert auf diese Weise um die Qualität des deutschen Fernsehprogramms verdient gemacht hat. Seine bleibenden Talente gut Schwätzen, gut Schreiben, gut Beobachten dokumentiert er bisweilen in der Jungle World, wie aktuell hier.

Das gleiche Blatt hier wie auch die dogmatische (Jungle World würde sagen: stalinistische) Stiefschwester Junge Welt hier bemühen sich um ein tieferes Verständnis für die Degradierung Stephen Bannons.

Während wir uns im deutschen Wahlkampf langweilen, findet in der EU, der Finanzwelt und zwischen den von ihr beauftragten Politikern ein beinharter Machtkampf statt, von dem wir möglichst wenig mitbekommen sollen – hier Tomasz Konicz bei Telepolis.

Am 30. August startet der wahl-o-mat der Bundeszentrale für politische Bildung. Zu spät für mich, habe schon gewählt. RTL startete ein paar Tage früher ein „Wahl-Navi„, das mir durch seine Datenneugier – in welchem Wahlkreis wohnen Sie? und viele weitere persönliche Daten werden abgefragt – auffiel, die ich der Einfachheit halber übersprungen habe. Die Wahlkreisfrage kann man einfach falsch beantworten. Dem RTL-Navi zufolge, bin ich recht weit von den Parteien entfernt 😉

„Frankenstein des Neoliberalismus“

Von , am Donnerstag, 17. August 2017

Vor wem von beiden müssen wir uns mehr fürchten? Antwort: wenn sie beide so harmonisch zusammentreffen, wie jetzt bei Donald Trump. So deutet es Judith-Butler-Gattin Wendy Brown in einem Aufsatz, der in deutscher Übersetzung von den „Blättern“ online gestellt wurde.
Trump-Berater Bannon wird, u.a. in der FAZ zitiert, dass Nordkorea eine Nebensache sei, die Hauptsache sei die Auseinandersetzung mit China. Da könnte er Recht haben. Die Sache hat nur einen Haken: China hat sie, die USA, schon am Haken, am Schuldenhaken. In immer mehr Technologien und Branchen hat es längst die Weltmarktführung übernommen.
Ein Gastautor von Spiegel-online feiert derweil schon die „Alt-Left“ in den USA als das nächste heisse Ding.

In der Jungen Welt zeichnet Werner Ruf heute nach, wie planmässig, aber auch konkurrenzhaft, die Westmächte Libyen zerstört und die Probleme kreiert haben, Weiterlesen