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Therapie für die Grossmacht

Von , am Montag, 11. September 2017

Nachdem das Duett der Kanzlerin und des Kandidaten beiden Parteien den Umfragen zufolge geschadet, und wie es Lutz Hachmeister richtig bewertet hatte, der AfD und der Linkspartei, sowie der FDP genützt hat, traten gestern die Herren Özdemir und Schäuble im baden-württembergischen Regionalprogramm von Anne Will an.
Ich will so ehrlich sein: ich habe die Sendung nicht erlitten, und stattdessen lieber miterlebt wie der „Fussballgott“ Tom Theunissen den Kandidaten Arnd Zeigler anlässlich seines 10-jährigen Sendungsjubiläums zu seinem „Stellvertreter auf Erden“ ernannte. Das war auf jeden Fall amüsanter und liess einen besser statt schlechter gelaunt zubettgehen.
Heute nun bekam ich Zeugenaussagen über das politische Ereignis, die vermuten lassen, dass die FAZ-Würdigung des von mir hochgeschätzten Hans Hütt allzu freundlich ausgefallen ist. Die Bewertung „Paartherapie“ legt eine gleichberechtigte Ebene nahe; Grüner und CDUler stritten darum, wer besser für die Wirtschaft ist. Man darf vermuten, dass Schäuble sich davon hat traumatisieren lassen, dass die Kretschmann-Grünen da in seiner Heimat der CDU den Rang abgelaufen haben. Özdemir zelebrierte aber erneut den Irrtum der Berliner Blase, dass der Unterschied zwischen Schwarz-Grün und „Jamaika“ (also mit FDP) relevante Teile der Grünen mobilisieren könne.
Im Gegensatz zu Hütt sahen andere Betrachter eher ein Therapiegespräch zwischen Vater und Sohn. Selbst die Würdigung von Pascal Beucker in der taz sei noch schmeichelhaft – es sei „noch schlimmer“ gewesen.

Auch die Deuterbranche hat Probleme: Stefan Reinecke bespricht zwei Bücher, von Heinrich A. Winkler und Bernd Ulrich, über die Rollensuche der Grossmacht Deutschland. Bei Ulrich soll der Fussball da auch eine therapeutische Rolle bekommen haben.

Zum Thema politische Familientherapie passte heute auch das DLF-Kalenderblatt von Extradienst-Gastautor Michael Kleff über Jessica Mitford.

Kennen Sie Ingeborg Syllm-Rapoport?

Von , am Freitag, 1. September 2017

Ich auch nicht. Der Rolls-Royce unter den Radioformaten, die „Lange Nacht“ des Deutschlandfunks, stellt sie uns an diesem Wochenende vor – Freitag/Samstag 0 Uhr DLF-Kultur, Samstag/Sonntag 23 Uhr DLF, drei Stunden am Stück. Ich gebe zu, ich schaffe es meistens nicht, die ganzen drei Stunden wachzubleiben. Aber der DLF bietet uns immer das Nachhören (oder Aufnehmen) auf seiner Homepage, zeitsouverän.

Nur einmal habe ich die drei Stunden nachts geschafft, als Extradienst-Gastautor Michael Kleff den 100. Geburtstag seines Schwiegervaters Woody Guthrie würdigte. Auch der Autor dieses Wochenendes Jochanan Shelliem war schon mehrmals verhaltensauffällig zu Themen ausserhalb der großen Medienscheinwerfer. Frau Syllm-Rapoport ist 104 Jahre alt geworden, ihr individueller grosser Sieg gegen das Naziregime. Bis vor wenigen Monaten war sie noch unter uns Lebenden, das allein war schon sensationell. Noch mehr ihr Lebenslauf. Ich bin gespannt.

New York – Berlin: was ist das Trump?

Von , am Donnerstag, 26. Januar 2017

von Michael Kleff und Volker Perthes

Ausgelöst durch ein Deutschlandfunk-Interview von SWP-Direktor Volker Perthes, dessen verkürzte Zusammenfassung durch den Sender (nicht mehr im Netzangebot) der Musikjournalist Michael Kleff als Verharmlosung ansah, entwickelte sich zwischen beiden eine E-Mail-Kontroverse, die sie mir freundlicherweise erlaubt haben zu dokumentieren. Wir alle drei haben unsere politische Jugend in den 70er und 80er Jahren in den Jungdemokraten verbracht. Martin Böttger

Lieber Volker,
ich nehme an, Du verfolgst die Entwicklung in den USA. Trump ist vier Tage im Amt und hat schon ordentlich Hand angelegt bei der Zerstörung der noch vorhandenen demokratischen Strukturen im Land. Edogan und Putin lassen grüßen. Europa und die Deutschen schweigen.
Beste Grüße
Michael

Lieber Michael,
mir scheint, die Deutschen und andere Europäer wissen einfach noch nicht, wie sie aus Trump „Sinn machen“ sollen. Unterschiedlichste Theorien kursieren: Weiterlesen

Nichts mit Macht

Von , am Samstag, 14. Januar 2017

Der Beueler (und New Yorker) Musikjournalist Michael Kleff nahm heute in einem „Kalenderblatt“ für Deutschlandradio/Deutschlandfunk die Legende vom „Summer Of Love“ 1967 (vor 50 Jahren) auseinander.
Meine erste Assoziation nach dem Hören: war die Wahl von Trump vielleicht nur die Rache für diesen Shit? Nein, diese These in meinem Kopf ist wieder viel zu steil geraten. Besser erklären, und weg von Trump wieder bei uns zuhause, tut es Götz Eisenberg in der Jungen Welt: „Das Gespenst des Populismus“.

Türkei- & andere Außenpolitik

Von , am Dienstag, 8. November 2016

Während heute weltweit die Nervosität um die US-Präsidentenwahl steigt (s. DLF-Interview von Jürgen Trittin inkl. hübsches Foto! und Kommentar von Jörg Kronauer/JW), dreht sich die Welt weiter und begräbt viele Opfer unbemerkt unter sich. Woody Guthrie, verstorben 1967, kommentierte das Problem Trump schon zu Lebzeiten mit seinen künstlerischen Mitteln – ich grüße seinen Schwiegersohn Michael Kleff, z.Z. New York, ansonsten Beuel.
Der Schweizer Daniele Ganser hat soeben ein Buch über „Illegale Kriege“ veröffentlicht, egal wer heute Nacht gewinnt wird das ein aktuelles Thema bleiben.
Die Sanktionsdebatte in Bezug auf das Erdogan-Regime kommt endlich ingang: Günter Seufert (Stiftung Wissenschaft und Politik) kommentierte im DLF-Interview, Jürgen Gottschlich in der taz.
Nichts gemerkt? In Marokko kommt es aktuell zu Massendemonstrationen, nicht wegen des dortigen Klimagipfels in Marrakesch, sondern wegen Polizeiwillkür gegen einen Fischer, die nur ein Beispiel für grassierende Repression der „konstitutionellen Monarchie“ ist, mit der unsere Regierung gute Beziehungen pflegt.
Sachdienliche Hinweise zum Thema Korruption liefert ein afrikaorientierter Blog, der richtig darauf hinweist, dass zu dieser Seuche wesentlich die Bestechenden gehören.