Schlagwort-Archive: Köln

Kapitalismus kills Wein

Von , am Sonntag, 23. April 2017

Wieder einmal ist die FAZ dafür zu loben, dass sie ein Problem überhaupt aufgreift, und dafür zu kritisieren, dass sie wieder zu kurz springt. Der deutsche Wein, und nicht nur der, ist in Gefahr. Die Monopolisierung des Lebensmitteleinzelhandels ist sein potenzieller Mörder. Es ist systemisch nicht anders vorgesehen, als als Lebensmitteleinzelhändler Aldi, Lidl, Rewe oder Edeka Milliardenumsätze zu machen. Das funktioniert nur über grosse Massenverkäufe, über Standardisierung und Industrialisierung, um „gleichbleibende Qualität“ garantieren zu können. Das Produkt Wein wird so den gleichen Tod sterben, wie es aktuell das Bier schon tut. Gleichheit ist der Tod des Weines.

Die Faszination des Produktes Wein lebt davon, dass – da ähnelt er der Welt insgesamt – er ständig faszinierende Neuentdeckungen anbietet, Neuentdeckungen die in sehr vielen Fällen mit neuen Qualitätssteigerungen verbunden sind. Wer mal guten Wein getrunken hat, mag keinen schlechten mehr. Weiterlesen

Abenteuer im VRS (II)

Von , am Samstag, 22. April 2017

Gestern schon wieder auf Abenteuerreise nach Köln. Fahrkartenkauf am Adenauerplatz überhaupt kein Problem. Verkehr über die Kennedybrücke trotz Schienenbauarbeiten auch nicht. Zugerreichen am Hbf. auch nicht. Das weite Rausfahren der Züge am Bahnsteig ist gewöhnungsbedürftig, zum Entzerren der Fahrgastmassen in der Rushhour aber sinnvoll, während der Bauarbeiten am Hbf. Baufortschritt ist für den Laien nicht wirklich sichtbar, naja es waren Osterferien.

In Köln Übergang zur U-Bahn, Breslauer Platz. Wer hatte den Stadtplanern und Architekten wohl was in den Kaffee getan? Oder was haben die geraucht bei der letzten Platzrenovierung? Weiterlesen

Abenteuer im VRS

Von , am Donnerstag, 20. April 2017

Zu doof zum Sozialbetrug habe ich vor einigen Wochen mein Jobticket zurückgegeben. Es erlaubte zu äusserst preisgünstigen Bedingungen (rund 50 €/Monat) die Nutzung des öffentlichen Regionalverkehrs. Gestern war ich zum BVB-Gucken in Köln verabredet. Spannender als das traurige Spiel die Rückreise:
1. U-Bahnhaltestelle Venloer Str./Gürtel: Automat nimmt kein Papiergeld (meine Fahrkarte kostet 7,80), meine EC-Karte auch nicht.
2. U-Bahn: Automat in der Bahn: dito
Knapper Übergang am Bhf. West zur Mittelrheinbahn nach Bonn, am späten Abend gibts nur noch stündliche Verbindung nach Bonn, ich nehme als Abkürzung den Behindertenaufzug direkt vom U-Bahnsteig zum DB-Bahnsteig, der beim Umbau zur Barrierefreiheit um 50 m verlegt worden ist.
3. Auf dem DB-Bahnsteig: kein Automat. Doch: einer für Getränke.
4. in der Mittelrheinbahn: kein Automat. Ab Bhf. Süd erscheint eine, wie heisst das heute?, früher sagten wir: Schaffnerin. Hinter Kalscheuren ist sie bei mir: ich bitte um Kaufgelegenheit einer Fahrkarte. Geht nicht.
5. Ich beschreibe ihr meine Erlebnisse wie oben. Sie meint, im Bhf. West gebe es einen Fahrkartenautomaten, an anderer Stelle, an der ich nicht vorbeigekommen sei. Sie schreibt eine „Störmeldung“, notiert sich meine Reisepassdaten und meine Anschrift.
6. In Bonn kaufe ich mir eine Busfahrkarte, Kurzstrecke Adenauer-Platz.
Wie wird es weitergehen? Ich werde berichten.

Für und Wider zu „Pulse Of Europe“

Von , am Samstag, 8. April 2017

Vor einigen Wochen berichtete mir eine gute Freundin von einem Zusammenstoss am Fusse des Kölner Doms mit ein paar Europa-Verrückten. Sie, Betriebsrätin in der Kulturwirtschaft, ehrenamtlich in der Flüchtlingssolidarität aktiv, habe sie u.a. gefragt, ob sie noch nie was von der Verarmung in Griechenland oder ersaufenden Flüchtlingen im Mittelmeer gehört hätten. Ich recherchierte nach ihrem Bericht ein wenig im Internet, welche Sekte das gewesen sein könnte, und stiess so zum ersten Mal auf „Pulse Of Europe“.

Meine Freundin beruhigte ich danach: keine Evangelisten, auch keine rechten Spinner, vermutlich nur etwas verwirrte Bürger*innen, die sich nicht genug in die komplexe widersprüchliche Materie vertieft haben, aber auch nichts Böses im Schilde führen.

Seitdem sind die Aktionen dieses Vereins von Woche zu Woche größer geworden und viele haben sich bereits kritisch an ihnen abgearbeitet. Weiterlesen

Über Barbarossaplatz

Von , am Sonntag, 2. April 2017

Es ist jetzt vier Tage her, dass ich den TV-Film gleichen Namens gesehen habe. Ich kann mich nicht erinnern, wann ein Spielfilm mich gedanklich so lange beschäftigt hat. Sowohl beim Versuch, seine Geschichte und seine Figuren zu verstehen; als auch bei der Überlegung: wie finde ich das? Ist das gut? Oder sehr gut? Die Geschichte ist zu widersprüchlich und gebrochen, als dass ich in fanartige Begeisterung ausbrechen könnte. Ich denke immer noch darüber nach. Kann ein Film überhaupt eine bessere Kritik bekommen?

Die ARD versenkte den Film am Dienstagabend um 22.45 h in der DVB-T-Umschaltzeit, die letzte Viertelstunde war für mich per TV nicht empfangbar. Ich habe sie mir dann in der Mediathek angesehen. Bravo: dort wird der Film nicht 7 Tage sondern drei Monate vorgehalten, weil er eine WDR-Eigenproduktion ist. Dann müssten sie ihn aber im Juni auch eigentlich gar nicht rausnehmen.

Wo soll ich anfangen, um das Besondere dieses Films zu beschreiben? Das Köln-Bild, Weiterlesen

Sack Reis im Saarland umgefallen

Von , am Montag, 27. März 2017

Das Saarland wird immer gern für Größenvergleiche herangezogen, wenn unbekannte Weltgegenden charakterisiert werden sollen. Bei uns in NRW hat sich in Bezug aufs Saarland eingebürgert: kleiner als Köln.
Wenn es nicht so wäre, müsste man jetzt von tektonischen Verschiebungen in der CDU sprechen. Die Saarländerin, deren Namen so schwer zu merken ist, wie der des letzten SPD-OB-Kandidaten in Bonn (erinnern Sie sich etwa noch?), hat klarer gewonnen, als in irgendeinem anderen CDU-Landesverband. Obwohl – oder weil? – sie die unübertroffen beste Freundin der Bundeskanzlerin überhaupt ist. Wird das die angeschwollene Merkel-Kritik in der CDU verstummen lassen? Da können wir angesichts der „Größe“ des Saarlandes beruhigt sein: für Unterhaltung wird weiter gesorgt.
Kommen wir zur Linken. Oskar Lafontaine hat seine Wahlprozente nun nahezu halbiert, verglichen mit der vorletzten Landtagswahl kurz nach seinem SPD-Austritt. In ihm und seiner Gattin personifizieren sich zwei Probleme der Linken: ohne politische Erfolgsperspektive gibt es keine Mobilisierung an die Wahlurne. Und wenn dann in der Flüchtlingspolitik noch AfD-affine Signale gegen die Politik der eigenen Partei gesendet werden, wirkt das wie Mobilisierungssabotage. Gut, im Saarland wäre Lafontaine zu einer Koalition gnädig bereit gewesen. Aus einem klassischen Politmachoreflex: keine*r kann Verhandeln/Dealen ausser ich. Alles Mist, es sei denn ich habe ihn selbst gemacht.
Die Grünen – vergessen wirs. Im Saarland war der Landesverband noch nie von traditioneller Clanwirtschaft zu unterscheiden. Schon bei Beginn meines politischen Engagements in den 70er habe ich gelernt: die Verrückten sammeln sich immer im Saarland und in Westberlin (bei allen Parteien und Verbänden).

Demokratie und Türkei-Diktatur

Von , am Montag, 6. März 2017

Falsch gemacht, was man falsch machen kann?

Der türkische Diktator im Wartestand, Erdogan tut alles, um sich mittels eines fragwürdigen Referendums an die absolute Macht zu putschen. Vieles, was er in den letzten Jahren inszeniert hat, erinnert an die Vorgänge in Deutschland vor und nach der Machtergreifung der Nazis. Nein, ich vergleiche den Gernegroß vom Bosporus nicht mit Hitler und seine AKP ist keine NSDAP, aber sie ist möglicherweise ähnlich menschenfeindlich wie die spanischen Faschisten des Franco-Regimes. Sie unterhalten Schlägertrupps und bedrohen in SA-Manier anders Denkende. Erdogan ist anders als Franco auch ein Völkermord – in diesem Falle an den Kurden – durchaus zuzutrauen. Sein Vorgehen gegenüber den kurdischen YDP-Truppen im Norden Syriens und die Einsätze der türkischen Armee in Diyarbakir sprechen Bände. Erdogan sind zur Erlangung der absolutistischen Macht in der Türkei alle Mittel recht. Und nicht zuletzt dank der verlogenen Verzögerungstaktik der EU beim Beitrittsprozess der Türkei konnte Erdogan seit einigen Jahren gegenüber seinen Anhängern erfolgreich argumentieren, man wolle in der EU ja eigentlich keine Türkei. Er kann sich dabei auf eine breite konservative Wählerschaft stützen, die autoritäre Politik und Staatsformen befürwortet. Und trotzdem hat Erdogan Angst, er könne das Ziel, die Türkei in eine Quasi-Diktatur zu verwandeln, nicht erreichen. Weiterlesen

Köln – Bergamo

Von , am Freitag, 3. März 2017

Eine beliebte Nummer des Kölner Kabarettisten Jürgen Becker, der auch privat ein lustiger netter Kerl sein kann, geht so: er steht vor einem bekannten großen Luftbild von Köln am Ende des 2. Weltkriegs, zu sehen ist die riesige Trümmerwüste mit dem unversehrten Dom in der Mitte. Kommentar von Becker: „Die U-Bahn ist fertig!“
Angedroht ist das in Köln ja jetzt erst für 2023, also ein paa Jahre ham’wer noch.
Angespielt wird damit auf den Einsturz des Kölner Stadtarchivs an der Severinstrasse in der Südstadt im Jahr 2009. Andreas Rossmann, der landeskundigste NRW-Korrespondent der bundesweiten Blätter (FAZ) kommentiert nun einen weiteren Einsturz des Kölner Stadtarchives, nämlich den, den ihm die lokale Bürokratie beibringt.
Es ist eine Parabel für einen Systemfehler, der weit über Köln hinaus, und weit über Kultur hinausreicht. Diese Bürokratien sind kaum noch steuerbar, schon gar nicht für ehrenamtliche Amateurpolitiker*innen, wie sie auf kommunaler Ebene die Regel sind. Hier liegt ein tieferer Grund für das Scheitern auch bei größeren Aufgaben; es ist unsere Bürokratie, die „das nicht schafft“.

Darum hier noch was Positives: eine graue Maus der Seria A im italienischen Fussball, Atalanta Bergamo mischt derzeit das Business auf, das neue Udinese. Der Fussball lebt, solange sowas noch möglich ist. Zum Vergleich: hier der neueste Lagebericht aus China.

NRW-Rohrkrepierer Olympia – es ist ein Elend

Von , am Montag, 27. Februar 2017

Aus Schaden wird man klug? Unser Bundesland Nordrhein-Westfalen macht es sich zum Markenzeichen, diese Lebensweisheit zu widerlegen. Nur die Älteren werden sich erinnern: 2003 erlaubten wir uns die Peinlichkeit, eine Olympiabewerbung zu starten, für das Ruhrgebiet, das – Gipfel aller Peinlichkeiten – aber das benachbarte und in der Ruhrgebietsbevölkerung wegen seiner Schnöseligkeit genauso wie in Köln verachtete Düsseldorf vorschickte, um dann aber direkt in der nationalen Vorausscheidung gegen Leipzsch zu scheitern. International war es sowieso alles komplett aussichtslos. Kapuddeneu.
Ex-Westerwelle-Gatte Mronz traf seinen FDP-Parteifreund Thomas Bach, im Hauptberuf Obermafioso des IOC bei seinem Aachener Reitturnier, erntete ein gnädiges Kopfnicken, und setzt den Floh nun der desolaten landespolitischen Szene, die ja sonst für nichts irgendeine Idee hat, ins Ohr.

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Fall Amri – Organisierte Unverantwortlichkeit

Von , am Freitag, 20. Januar 2017

Hans-Christian Ströbele rang nach der Sitzung des parlamentarischen Kontrollgremiums am vergangenen Montag sichtlich um Fassung. So ein Behördenversagen, an dem niemand Schuld sei, habe er in seinem Leben noch nicht erlebt. Den ironischen Unterton, der an rechtsstaatlichen Galgenhumor grenzte, verstanden nicht alle. CDU-Ausschussvorsitzender und SPD-Obmann ergingen sich in langatmigen Erklärungen, warum der neunzehnseitige, vertrauliche Bericht des Bundeskriminalamts über die Chronologie Anis Amri so überraschend wenig über Verantwortlichkeiten der beteiligten Sicherheitsbehörden enthalte.

In der Tat ist es bei der Lektüre des Papiers schwer zu erkennen, inwieweit Landeskriminalamt NRW, Verfassungsschutz NRW, Ministerium für Inneres und Kommunales oder die Ausländerbehörden Kleve und Oberhausen, Verfassungsschutz und Landeskriminalamt Berlin, Generalstaatsanwaltschaft Berlin, die dortige Landesausländerbehörde oder Bundesamt für Verfassungsschutz, Bundeskriminalamt, Bundesanwaltschaft, BAMF oder der Bundesinnenminister nun jeweils für Amri verantwortlich waren. Aber trotzdem ist der Bericht interessant und wirft neue Fragen auf. Weiterlesen