Schlagwort-Archive: Mexiko

WM 2018 in Russland – jetzt noch mehr gefährdet

Von , am Mittwoch, 11. Oktober 2017

Gestern endete der letzte Spieltag der Gruppenphase der Fussball-WM-Qualifikation auf allen Kontinenten, ausser Afrika. Das Stattfinden der WM ist ungewisser denn je geworden, denn die noch größte politische Macht der Welt, der Fussballzwerg USA, hat sportlich alles getan, um auf keinen Fall nach Russland reisen zu müssen: eine 1:2-Niederlage beim Gruppenletzten Trinidad&Tobago, in der Tabelle eingereiht hinter den Grossmächten Mexiko, Costa Rica, Panama (alle qualifiziert) und Honduras (muss in Play-Offs gegen Australien, das mit 2:1 im Heim-Rückspiel Syrien rauswarf).

Die Korruptionsermittlungen der US-Justiz gegen die Fifa wird dieses Geschehen gewiss befördern, die Beziehungen zwischen den USA und Russland dagegen kaum verbessern.

Ein Überblick über Aspekte der bisherigen WM-Qualifikation: Weiterlesen

Statt im-Stau-stehen: Lesen!

Von , am Montag, 2. Oktober 2017

4190 Staus mit einer Gesamtlänge von 9.700 km soll der ADAC am Freitagabend, dem Beginn dieses Brückentagwochenendes gemeldet haben. Bisher habe ich geglaubt, der Mensch lerne nur aus Erfahrungen. Selbst das ist in deutscher Leitkultur wohl nicht vorgesehen. Zu ihr gehört das Auto und sein in-mindestens-drei-Reihen-auf-die-Autobahn(das „Gute“ von Adolf)-stellen.

Es gibt Alternativen. Z.B. zuhausebleiben, Ausschlafen, zu-Fuss-gehen (mit dem Fahrrad geraten sie genauso in den Stau, dafür gibts nur noch kein Meldesystem), aufs-Sofa-legen, besonders-bei-schlechtem-Wetter-ins-Eiscafe-setzen, ausgiebig Mittag- und Abendessen, und vor allem: viel Lesen. Es gibt mehr zu lesen, als Sie schaffen können, viel Müll dazwischen, aber auch viel Gutes. Hier aktuelle Hinweise:

Libyen: da wollen unsere Regierungen in Zukunft Migrant*inn*en in Lagern einsperren. In der taz und bei Telepolis können Sie nachlesen, wer sich dort fürs Aufpassen, Bewachen und ggfls. Umbringen bewirbt.

Es wird wenig Freude machen, aber Ignorieren ist auch keine Lösung: in Mexiko wird der „Femizid“, das massenhafte Ermorden von Frauen immer gebräuchlicher. Weiterlesen

Gleichgültigkeit – Was muss Trump denn noch tun?

Von , am Mittwoch, 2. August 2017

von Bettina Gaus
Es könnte sein, dass der Präsident tatsächlich „irre“ ist. Wenn das Chaos ein Ende haben soll, müssen die Republikaner ihn endlich stoppen.

Eine dramatischere Nachricht als die Entlassung von Anthony Scaramucci hat es seit der Amtseinführung von US-Präsident Donald Trump vermutlich nicht gegeben. Nicht etwa deshalb, weil dessen Bedeutung für die Regierung im Weißen Haus so groß gewesen wäre, sondern weil sie einen so deutlichen Hinweis auf die Stimmungslage liefert. Nämlich Panik. Nackte Panik.
Der Mensch gewöhnt sich an fast alles. Deshalb dürfen Sensationen, Schreckensmeldungen und Klatsch nicht allzu kurzfristig aufeinander folgen, soll sich eine breite Öffentlichkeit dafür interessieren. Und deshalb treibt das Schicksal des ebenso kurzfristig geheuerten wie gefeuerten Kommunikationschefs im Weißen Haus den Blutdruck nicht in die Höhe. Stattdessen stellt sich eine seltsame Lähmung ein, Ermüdung, sogar Langeweile. Zu Unrecht. Weiterlesen

Mexiko-Fussball / Spatzen / Bullen / Hass

Von , am Mittwoch, 28. Juni 2017

Mexiko spielt seit vielen Turnieren regelmässig bei WMs mit und immer eine wichtige Rolle in amerikanischen Kontinentalmeisterschaften; die USA rangieren bis heute im Fussball da drunter. Sein nationaler Fussballmarkt ist unter dem amerikanischen Grosskapital bereits aufgeteilt und hemmt, auf allerdings besagtem global wettbewerbsfähigem Niveau, die sportliche Weiterentwicklung wie das Fussball-Fachblatt Handelsblatt analysiert.
Enthüllungen gegen die Fifa in BILD? Da liegt die Frage nahe: wem nützt es. Der Fussball ist längst Gegenstand globaler Strategien der Weltpolitik und verdeckter Strippenzieher. Mitleid gegen Russland und Katar und ihre jeweiligen Diktatoren ist sicher nicht angebracht, das macht ihre Gegner in den USA und Saudi-Arabien (und bei BILD) allerdings keinen Deut sympathischer – hier Fifa-Experte und everybody’s enemy Jens Weinreich im Interview mit der Funke-Mediengruppe.

Spatzen – Cord Riechelmann beschreibt in der FAS die historische Entwicklung unseres Verhältnisses zu ihnen. In meiner Kindheit galten sie als minderwertig gegenüber „Singvögeln“ (Meisen, Rotkehlchen, Finken), heute versetzt uns ihr „Verschwinden“ in ökologische Furcht. Weiterlesen

Jungle World: Mexiko – Brasilien – Iran – Kamerun

Von , am Dienstag, 9. Mai 2017

Die Wochenzeitung dieses Namens ist sicherlich nicht jedermanns Geschmack. Mit ihrem radikalen Zionismus kann ich wenig anfangen, wenngleich es für ihn im publizistischen Spektrum natürlich einen Platz geben muss. Unabhängig davon (oder dadurch?) ist die Jungle World aus meiner Sicht die interessanteste, weil diskussionsfreudigste deutschsprachige Wochenzeitung. Auch ihre Onlinestrategie ist vernünftig: am Erscheinungstag der Printausgabe werden nur wenige Häppchen online gestellt, und dann Tag für Tag ein bisschen mehr. Daraus spricht berechtigtes Selbstbewusstsein: die meisten Texte sind auch nach einer Woche noch nicht „von gestern“, sondern haben lange Haltbarkeit.
Die aktuellen Beispiele:
– eine Reportage aus dem Zentrum der Region, durch die Trump eine Mauer errichten will, Ciudad Juarez und El Paso;
– ein Bericht über die Millionen-Demos gegen die kriminelle neoliberale Regierung Brasiliens (haben Sie irgendwoanders was darüber gelesen oder gehört?);
– ein Porträt des grenzwertigen brasilianischen Fussballprofis/Torwarts Bruno Fernandes de Souza;
– ein Vorbericht zur iranischen Präsidentschaftswahl, kritisch aber ohne islamophobem Schaum vorm Mund;
– ein Bericht aus Kamerun über Boko Haram und die dortige despotische Regierung.
Kompliment, jeder einzelne Artikel ein Alleinstellungsmerkmal.

Und die Angst wird größer

Von , am Samstag, 29. April 2017

von Bettina Gaus

Seit 100 Tagen ist Donald Trump nun US-Präsident. Wer denkt, er sei doch nicht so schlimm, sollte vorsorglich in Deckung gehen.

Der Mann scheint keine Furcht zu kennen – und es steht zu befürchten, dass er diese Einschätzung für ein Kompliment halten würde. Bedrohlich. Wenn Leute, die etwas zu sagen haben, nicht wissen, was Angst ist, dann haben alle Anderen einen guten Grund, in Deckung zu gehen. Allerdings gibt es nicht viele Schutzräume, wenn es sich bei dem Furchtlosen um den Präsidenten der USA handelt.
Donald Trump schert sich nicht um Tatsachen, er lügt bedenkenlos, ihm ist die Bevölkerung seines Landes egal, er interessiert sich nicht für Politik und hat deshalb auch keine politischen Überzeugungen. Viele kluge und genaue Analysen sind in den letzten Tagen darüber geschrieben worden, bei welchen Themen er seine Position in den ersten Monaten seiner Amtszeit geändert hat und warum. Die Liste ist lang: Gesundheitspolitik, Außenpolitik – China, Russland, Syrien, Nato – , Handelspolitik. Eine Mauer an der Grenze zu Mexiko möchte er nun vorläufig auch nicht bauen.

Wenn es ein Markenzeichen von Trump gibt, dann ist es die Bereitschaft zum Kurswechsel. Optimisten sehen darin einen Hinweis auf seine Lernfähigkeit. Sie hatten ja auch geglaubt, er wachse allmählich in das Amt des US-Präsidenten hinein, nur weil er sich bei seiner ersten Rede vor dem Kongress ausnahmsweise nicht benommen hatte wie ein schlecht erzogener Jugendlicher. Die Optimisten irren sich. Weiterlesen

Trump – Ende des Kuschelns

Von , am Donnerstag, 9. Februar 2017

von Bettina Gaus

Geht es den Kritikern von US-Präsident Trump wirklich um die Verteidigung gemeinsamer westlicher Werte? Schön wär’s.

Freiheit, Menschenrechte, Demokratie, Gewaltenteilung und gutes Benehmen: Seit dem Amtsantritt von US-Präsident Donald Trump ist der Eindruck entstanden, dass diese Themen ein Herzensanliegen aller möglichen Leute sind – von Wirtschaftsmagnaten bis zu Spitzenpolitikern. Das freut diejenigen, die sich mit den meisten dieser Anliegen lange alleingelassen fühlten. Aber es steht zu befürchten, dass sie sich zu früh freuen. Es gibt Indizien dafür, dass die scheinbare Übereinstimmung hinsichtlich der Kritik an Trump auf einem Missverständnis beruht.
Ja: Die Sorge bei den Verbündeten der USA wächst angesichts der politischen Richtung, die Donald Trump einschlägt. Nein: Sie meinen nicht alle dasselbe, wenn sie gemeinsam den neuen Präsidenten der Vereinigten Staaten kritisieren. Je lauter dieser Chor singt, desto seltener wird nach seinem Repertoire gefragt.

Die Frage, wer Trump eigentlich verurteilt und aus welchen Gründen, wird immer seltener gestellt. Hauptsache, Widerspruch. Das gaukelt eine Gemeinsamkeit vor, die nicht besteht. Weiterlesen

Frankfurter Schule, alte

Von , am Sonntag, 15. Januar 2017

Micha Brumlik versucht mit den Instrumenten der klugen, epochemachenden Gesellschafstheoretiker, die uns in der Tat noch einiges mitzuteilen haben, wenn wir nur die Zeit hätten, sie noch zu lesen, in den Blättern die komplizierte, gefährliche Lage für demokratische Politik zu erfassen.
Bemerkenswert, dass sie einem Jungle-World-Interview mit Stefan Gandler zufolge, im lateinamerikanischen Wissenschaftsbetrieb gegenwärtig eine Renaissance erfahren. Mexiko könnte zu einem Brennglas avancieren, weil schon vor Trumps Amtsantritt, der die Lage noch verschlimmern dürfte, die gesellschaftlichen Konflikte dort weiter eskalieren.
Die Zapatist*inne*en wollen erstmals eine eigene Präsidentschaftskandidatin nominieren.
Und die Frauen werden ihren Widerstand gegen die Gewaltkultur verstärken müssen; jetzt hat es eine Senatorin und ehemalige Leichtathletikweltmeisterin erwischt. Mexiko ist, verstärkt durch seinen Drogenkrieg und katholisch konnotierten Machismo eine globale Hochburg des Femizids.

Und hier noch die gute Nachricht: seit Jahren ist Peru der Hotspot der globalen Gourmets. Sein gutes und aus seltenen originär peruanische Zutaten entwickeltes Kochen ist zum Branding des ganzen Landes geworden. Das hat nun sogar das deutschnationale Spiegel-online schon bemerkt, für das es natürlich eine Deutsche gewesen sein muss ….wer sonst?

Sportkriminalität grenzenlos

Von , am Dienstag, 13. September 2016

Ein mexikanischer Fußballer, Cuauhtémoc Blanco, erst Bundesgenosse und Hampelmann, dann Abtrünniger der Mafia seines Landes, diese aufregende Geschichte fand ich nur in der Jungle World. Warum nur erinnerte mich die Story gedanklich immer an Franz Beckenbauer?

Vielleicht weil Aushängeschilder der deutschen Sportmafia in nicht so unähnlichen Geschäften verstrickt sind. IOC-Präsident Thomas Bach war zuvor Präsident des Deutschen-Olympischen Sportbundes (DOSB), ist Rechtsanwalt mit vitalen Geschäftsbeziehungen in arabische Feudalstaaten und FDP-Mitglied. Jetzt muss er empfindliche Einschränkungen seiner globalen Reisefreiheit hinnehmen, ganz so wie Fifa-Expräsident Blatter.

Wie schön, dass es wissenschaftliche Grundlagen dafür gibt, dass den Gangstern nicht der ganze Sport in die Hände fallen kann. Ihr Feind ist u.a. der Zufall, der uns dann doch noch das eine oder andere lange Gesicht von Karl-Heinz Rummenigge und Uli Hoeness bescheren wird. Das hat jetzt Prof. Klaus Günther publiziert, ein absolut integrer Politologe, für den ich in den 80ern vier Semester als Tutor arbeiten durfte. Das GA-Interview war leider für mich online nicht auffindbar und ist daher nicht verlinkbar; das angekündigte Buch soll in wenigen Wochen erscheinen.