Schlagwort-Archive: Neymar

The winner: Ancelotti & China

Von , am Freitag, 29. September 2017

Die Ignoranz des Medienrudels ist oft zum verzweifeln. Ich hatte das hier schon zu Saudi-Arabien/Jemen hervorgehoben: es ist unfassbar, dass, was für Unsereinen eine fünfminütige Recherche-„Arbeit“ ist, bei der Mehrzahl der professionalisierten Mediendinestleister schon eine Überforderung ist. Im gescheiterten „realen Sozialismus“ gab es mal die Fantasie von der „allseitig gebildeten Persönlichkeit“. Sie scheint im heutigen Kapitalismus definitiv nicht möglich zu sein. Ein bisschen mehr Lesen und Lernen, das wäre schon viel.

Noch schlimmer als im Politikjournalismus sieht es beim Sport aus. Das einzige sportjournalistische Produkt des deutschen Fernsehens und seiner hunderten Programme, die WDR-Produktion „Sport inside„, beendet – sage und schreibe am 1. Oktober – seine „Sommerpause“.
In der abgelaufenen Woche wurde uns vorgespielt, dass der arme Trainer Ancelotti wegen angeblicher Erfolglosigkeit seinen gut bezahlten Arbeitsplatz loswurde. Wie lächerlich ist das denn? Nur einer, Gladbach-Fan Christian Eichler bei der FAZ, scheint es verstanden zu haben. Weiterlesen

NRW&WDR: Symbiose, fruchtlose

Von , am Samstag, 12. August 2017

Es ist Sommerloch. Die TV-Sender schicken alle Redaktionen, sofern sie überhaupt noch welche unterhalten, in die „Sommerpause“, die aber nicht so kurz ist, wie bei den Schulkindern, sondern gerne doppelt so lang. Freie Mitarbeiter*inn*en bleiben in dieser Zeit auftragslos, so werden Kosten gespart. Sportsenderechte müssen versendet werden, was an Lücken bleibt, füllen Tatort-Wiederholungen. Eine „kreative“ Idee darüber hinaus ist, Volontär*inn*e*n ins Archiv zu schicken, und sie dort ein paar schöne, alte Schwarz-Weiss-Bilder neu zusammenschneiden zu lassen. Das kostet (fast) nichts, und das Ü70-Publikum, und das sind viele, freut sich an den Erinnerungen.
Andreas Rossmann, FAZ-NRW-Korrespondent mit badischem Migrationshintergrund, in Köln lebend, mit einer tiefen Liebe zum Ruhrgebiet, hat sich eine dieser Sendungen vorgenommen, mit einem schweren Denkfehler: er nimmt sie inhaltlich ernst, und kritisiert sie entsprechend qualitativ. Wie naiv von dem alten Mann, kurz vor seinem Rentenalter, gehört insofern also fast schon zur Zielgruppe.
Die sonntägliche WDR-Sendereihe „Mein Verein“ ist nach dem gleichen Muster gearbeitet (meine Anfrage nach dem Verbleib von „Sport inside“ ist seit einer Woche unbeantwortet). Die Folge über S04 schien zunächst ein rührseliges, schmalztriefendes Werbestück zu werden, bis glücklicherweise der eingebettete „Zwischenruf“ von Tom Theunissen kam. Weiterlesen

Katar und Neymar

Von , am Mittwoch, 9. August 2017

Claudio Catuogno/SZ sieht es völlig richtig: es ist nicht der „Markt“, der 222 Mio. Ablöse für Neymar hergibt, sondern es ist Politik. Im Rahmen dieser Politik sind Solarworld und Neymar nur kleine Erdnüsse.
VW könnte dagegen schon eine ausgewachsene Vorspeisenplatte sein. Katar ist in VW schon drin, manche meinen Niedersachsen solle dafür noch mehr Platz machen. In vorauseilendem Gehorsam füttert VW schon die Katar-abhängigen Mafiosi von der Uefa für die nächsten Jahre durch.
Und in exakt diesem Zusammenhang sollte nicht nur der grausame Jemen-Krieg, außerdem hier, betrachtet werden, sondern auch, dass in Saudi-Arabien, von uns fast unbemerkt, ein nicht minder brutaler Bürgerkrieg ausgebrochen zu sein scheint. In der Feudaldiktatur der Saudis ist es bisweilen Landessitte, „Terroristen“ an Ort und Stelle zu erschiessen, und auf diese Weise aufwendige kriminalistische Erkenntnisse und Gerichtsverfahren zu vermeiden.
Alles unsere „Freunde“. Wer will das schlichten? Gabriel? Lindner?

Über 3 Mio. guckten Werbung für den Frauenfussball

Von , am Freitag, 4. August 2017

Das Quotenrennen der TV-Sender hat die ARD gestern ein weiteres Mal verloren, reingelegt von der Frauen-DFB-Elf, die bei der EM in den Niederlanden vergangenes Wochenende schon im Viertelfinale ausschied. Weil sich die Sender gegenüber den UEFA-Mafiosi neben dem Bezahlen auch zum Senden verpflichten müssen, musste die ARD gestern das Halbfinale ohne deutsche Beteiligung übertragen. Das eine, Dänemark gegen Österreich, versteckte sie im Sender „One“, 0:0 n.V., 3:0 i.Elfmeterschiessen, erste dänische Schützin wieder Nadia Nadim.
Grosses Glück hatte die ARD mit dem Abendspiel: Niederlande gegen England, wie sich herausstellen sollte gefühlt wie ein „vorgezogenes Endspiel“. Die Engländerinnen spielten kämpferisch heiss, wie auf Drogen, zu keiner Sekunde mit den Kräften nachlassend, mit viel Pech (Pfosten, Latte etc.), und in einem Spiel ohne Torhüterinnenfehler. Die Niederländerinnen spielten vor eigenem Publikum natürlich auch heiss, aber einen Tick taktisch klüger, unter dem Strich auch kräfteschonender, wenngleich dieser Ausdruck auf dieses Spiel kaum anwendbar ist, und effizienter. Weiterlesen