Schlagwort-Archive: Nudging

Der Wirtschafts“nobel“preis ist keiner

Von , am Dienstag, 10. Oktober 2017

Die Bezeichnung „Nobelpreis“ für die Ehrung meistens neoliberaler und häufig US-amerikanischer Wirtschaftswissenschaftler trifft nicht zu. Er wird nicht von der Alfred-Nobel-Stiftung vergeben. Die Schwedische „Reichsbank“ hat ihn 1969 erfunden. Ihren rechten Herren stank schon damals die langjährige sozialdemokratische Herrschaft in Skandinavien allgemein, und in der Nobel-Stiftung sehr speziell. Also erfand sie einen eigenen Preis, den sie praktischerweise immer gleichzeitig mit den echten Nobelpreisen vergibt. Journalist*inn*en haben keine Zeit, Sachen, die verschieden sind, auseinander zu halten, und also war der „Wirtschaftsnobelpreis“, also irgendwas mit Schweden, erfunden.
Der diesjährige ist nochmal sehr speziell, weil Mr. Thaler als Experte für Nudging gilt, die Herrschaftsmethode des digitalen Kapitalismus, die bereits von unserem Bundeskanzleramt persönlich angewandt wird. Es ist zu befürchten, dass es sich hier um den Kern des zukünftigen Konsenses der „Jamaika-Koalition“ handelt.

Open Space – Open Mind – Open Society

Von , am Donnerstag, 24. August 2017

Notizen zu einem allgegenwärtigen, widersprüchlichen und vieldeutigen Narrativ, Variationen inbegriffen
von Wolfgang Hippe

Auftakt

Der Begriff der „Offenen Gesellschaft“/„Open Society“ ist in der Öffentlichkeit überall präsent und scheint zeitlos gültig zu sein. Er ist in aller Regel irgendwie positiv besetzt und soll den Rahmen für Liberalität, Egalität und Säkularität einer Gesellschaft bilden. Weitere Stichworte, die in Zusammenhang mit dem „Erfolgsmodell“ auftauchen: Aufklärung, Offenheit, Partizipation, Fortschritt, Gerechtigkeit, Konsens, Interessenausgleich, Aufstiegschancen, Wachstum und Wohlstand. Die Aufzählung ließe sich beliebig fortsetzen. Kurz: die „Offene Gesellschaft“ steht für ein umfassendes, aber unbestimmtes und deshalb interpretationsbedürftiges Versprechen für eine bessere Zukunft der Gesellschaft insgesamt. In Zeiten eines dominanten Neoliberalismus stellt sich allerdings die Frage nach der aktuellen Interpretation des liberalen Begriffs und den damit verbundenen Interessen.

Die Spanne der Befürworter einer „Offenen Gesellschaft“ reicht von eher auf die sog. Zivilgesellschaft ausgerichtete Initiativen (z.B. Open Society Foundation, Initiative Offene Gesellschaft, Pulse of Europe, FuturZWEI) und Individuen aller Richtungen über die etablierten Parteien, ihnen zugeordnete und sonstige Stiftungen, Ministerien und internationale Organisationen wie die OECD bis hin zu Banken, Wirtschaftsunternehmen und Interessensverbänden aller Art. Auch in postkolonialen Diskursen taucht sie auf. Die breite Palette legt die Vermutung nahe, dass nicht alle Protagonistinnen dasselbe meinen (können), wenn sie das Narrativ beschwören. Weiterlesen

Flüchtlingspolitik: Linke zerquatscht und verpennt Paradigmenwechsel

Von , am Donnerstag, 24. September 2015

Die Welt verändert sich mit wachsender Geschwindigkeit, und unsere Republik auch. Vieles, aber nicht alles davon, liegt am Kapitalismus. Und andere Widersprüche, als der zwischen Kapital und Arbeit, sind mitunter keine Nebensache. Z.B. ob man in einer Gesellschaft leben will, die auf Rassismus baut, oder in einer, in der er bekämpft wird. Voraussetzung für Letzteres ist, dass Rassismus-Opfer nicht Gegenstand und Objekt, sondern Subjekt entsprechender politischer Strategien sein müssen. Dazu gehören mitunter auch Kapitaleigner, Präsidenten oder Kanzlerinnen.

Es kann wohl kaum linker Ernst sein, Vegetierende und Ertrinkende erst mal auf Hilfe warten zu lassen, bis der Kapitalismus kapituliert hat. Weiterlesen