Schlagwort-Archive: Olympische Spiele

Menotti: Jeden Tag Fußball ist wie jeden Tag Nudeln

Von , am Mittwoch, 17. Mai 2017

Interview mit der argentinischen Trainerlegende César Luis Menotti
von Sandra Schmidt

An einem heißen Sommertag im Februar empfängt César Luis Menotti Sandra Schmidt in seinem klimatisierten Büro zwei Blocks vom Obelisken im Zentrum von Buenos Aires. El Flaco, wie der lange, dünne Mann hier heißt, ist in hervorragender Verfassung und bester Laune. Bei den politischen Themen regt er sich wunderbar auf und weist auch gern nochmal auf seine Zeiten mit Parteibuch – der argentinischen KP – hin. Auf seinem Schreibtisch stapeln sich Papiere und alte Fußballzeitschriften, die den Trainer des Weltmeisters von 1978 und Verfechter des schönen Spiels auf dem Titelbild zeigen – „Guck’ mal, so etwas schicken mir die Leute!“. Menotti wird im Oktober 79 Jahre alt.

Wie geht es dem argentinischen Fußball heute?

Der argentinische Fußball behauptet sich wie der Jagdhund, das ist genetisch. (lacht) Diese Hunde sind seit hundert, ach was, seit tausend Jahren Jagdhunde, und hier kommen immer wieder Fußballer hervor und man weiß nicht, warum. Das kann eigentlich nur genetisch sein, denn das ganze Umfeld hier macht es niemandem leicht, sich zu entwickeln. Wir stecken in einer sehr tiefen Krise, die nicht nur, aber auch kultureller Art ist. Argentinien hat in den letzten dreißig Jahren einen tiefgreifenden Kulturverlust erlebt, und davon ist der Fußball natürlich nicht unberührt geblieben. Er ist längst Teil des großen Geschäfts, nicht mehr der Kultur, nicht mehr das, was der argentinische Fußball lange war: repräsentativ für die Gesellschaft hier, mitsamt der Freude jedes einzelnen, der sein Vereinstrikot hatte. Heute träumt der junge Fußballer hier nicht mehr davon, in seinem Verein Karriere zu machen, sondern eher davon, nach Europa zu gehen. Hier herrscht das Chaos, die wirtschaftliche Situation ist sehr schwierig und komplex.

Der argentinische Fußballverband, die AFA, steckt seit dem Tod von Julio Grondona 2014 in einer tiefen Krise… (zum Zeitpunkt des Interviews war die AFA noch führungslos, am 30. März wurde Claudio Tapa zum Präsidenten gewählt)

Grondona war ein Caudillo, ein Anführer, und wenn ich das sage, dann rede ich nicht über Redlichkeit oder Ehrlichkeit – dafür ist die Justiz zuständig –, sondern über seine Art. Weiterlesen

NRW-Rohrkrepierer Olympia – es ist ein Elend

Von , am Montag, 27. Februar 2017

Aus Schaden wird man klug? Unser Bundesland Nordrhein-Westfalen macht es sich zum Markenzeichen, diese Lebensweisheit zu widerlegen. Nur die Älteren werden sich erinnern: 2003 erlaubten wir uns die Peinlichkeit, eine Olympiabewerbung zu starten, für das Ruhrgebiet, das – Gipfel aller Peinlichkeiten – aber das benachbarte und in der Ruhrgebietsbevölkerung wegen seiner Schnöseligkeit genauso wie in Köln verachtete Düsseldorf vorschickte, um dann aber direkt in der nationalen Vorausscheidung gegen Leipzsch zu scheitern. International war es sowieso alles komplett aussichtslos. Kapuddeneu.
Ex-Westerwelle-Gatte Mronz traf seinen FDP-Parteifreund Thomas Bach, im Hauptberuf Obermafioso des IOC bei seinem Aachener Reitturnier, erntete ein gnädiges Kopfnicken, und setzt den Floh nun der desolaten landespolitischen Szene, die ja sonst für nichts irgendeine Idee hat, ins Ohr.

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AfD / Weisse / Missbrauch / Olympia

Von , am Montag, 28. November 2016

Die AfD ist in mancherlei Hinsicht die modernste aller deutschen Parteien, z.B. in der Art und Weise, wie sie sich intern auseinandersetzt.

Weiss-sein ist nicht normal. Weltweit sind wir eine kleine – oftmals radikale – Minderheit. Aber „wir“ haben viel Macht darüber, wie die Welt zu sehen ist. Darauf weist eine taz-Kolumne hin, die sich gleichzeitig vorsichtig von überspitzenden „Critical-Whiteness“-Agitator*inn*en absetzt.

Kürzlich erwähnte ich hier eine deutsche Studie zum (sexuellen) Missbrauch im Sport. Jetzt kommt – hoffentlich – eine Aufklärungslawine im britischen Fussball ins Rollen. Leider müssen sich immer erst Opfer „bekennen“, die Täter tun es in der Regel nicht. Es wäre wohl nicht verkehrt, wenn buchstäblich jeder Fußballverein, so wie z.B. auch jede Kirchengemeinde in ihrer Vereinsgeschichte ein Reinemachen durchführen.

Unter solchen Vorzeichen ist es nur schlüssig, wenn ARD und ZDF auf Live-Senderechte von den nächsten Olympische Spielen verzichten. Die nächsten Veranstaltungen sind überwiegend in Ostasien angesiedelt: ein Finale um 20 h liefe bei uns um 4 Uhr morgens; das ARD/ZDF-Morgenmagazin beginnt immer erst um 5.30, da sind in China, Japan und Korea die Kinder schon im Bett. Der US-amerikanische „Discovery“-Konzern hat sich die europaweiten Senderechte für 1,3 Mrd. bei der kriminellen Vereinigung IOC erkauft. Mehr als 10% dieser Summe wollte er bei uns Gebührenzahler*inne*n abkassieren. Nein danke!

Sind Olympische Spiele noch zu retten?

Von , am Donnerstag, 1. September 2016

Michael Vesper, Vorstand des Deutschen Olympischen Sportbundes (DOSB), hat das olympische Motto „Dabeisein ist alles“ immer als Devise für seine Politik missverstanden. Das war schon bei den Grünen so. Jetzt steht er, seinerzeit von Thomas Bach, dem heutigen IOC-Boss, als behutsamer Modernisierer angeworben, vor den Trümmern der olympischen Idee: Profitgier, Korruption, Dopingsumpf, Spielball geopolitischer Interessen. Wo ist die Idee vom friedlichen Zusammenbringen der Jugend der Welt geblieben?

Hierzulande sind DOSB und noch mehr das IOC weitgehend desavouiert. Weiterlesen