Schlagwort-Archive: Rassismus

Moderner Fussball – Fans, Schwarze, nur Ärger ….

Von , am Mittwoch, 25. Oktober 2017

Zu den politischen Auseinandersetzungen im US-Sport gab ich hier schon Hinweise. Die weissen Männer im europäischen Sport habens auch nicht leicht.
Im Fussballbusiness Europas gibt es ein besonders grosses Problem: die Fans. Die sind nun wirklich ein Problem bei der Renditeoptimierung. In England, dem Paradies aller DFL-Manager, haben sie wenigstens schon mal alle Stehplätze abgeschafft. Beim Gastspiel des FC Köln bei Arsenal London staunten die kölschen Gäste, dass es ihnen im Stadion spielend gelang, die Stimmung zu dominieren (obwohl es auf dem Rasen genau andersherum war). Es gab sogar Beschwerden von englischen Tribünengästen über extrovertierte Kölner Gästefans – also eher so, wie in einem Restaurant. Fans sind eindeutig Bekloppte, wie es dieses DLF-Feature letzten Sonntag deutlich machte. Es gibt sogar acht Gladbach-Fanclubs in Köln, Leute wie ich.
Ein ähnlich schwerer Fall sind die „Sechzger“-Fans in München: unverbesserlich haben sie den deutschen Meister von 1966 in die vierte Liga ruiniert, da, wo der Fussball noch uns gehört. Ein klarer Beweis, dass Fans in den Ruin führen.

Schwarze Frauen bringen nun den gerade so super gewinnträchtigen britischen Fussball ins Wanken. Weiterlesen

Österreich in der Nähe des „Führers“?

Von , am Sonntag, 15. Oktober 2017

Heute ist in Österreich der Nationalrat gewählt worden, die der glatte, welpenhafte Spitzenkandidat der ÖVP weit nach rechts gerückt hat. Die ehemals bürgerliche ÖVP hat einen Wahlkampf gegen „Zuzugsbegrenzung“ „Überfremdung“ und „Islamisierung“ geführt und damit die rechtsextreme Sprache übernommen, mit der einst Jörg Haider die rechtsliberale FPÖ zu einer stramm rechten Partei wandelte. Durch eine demonstrative Nähe zu Viktor Orban und den nahezu einzigen Wahlkampfthemen Migration und (Nicht-)Integration hat die ÖVP die unangefochtene Lufthoheit über den Stammtischen und letzlich auch die Stimmenmehrheit bei der Wahl errungen und ist auf fast 32% gewachsen. Spitzenkandidat Sebastian Kurz hat sich persönlich mit der eigenhändigen „Schließung der Balkanroute“ gebrüstet, die Viktor Orban durchgeführt hat und in vielen Fragen dieselbe Sprache gesprochen, mit der seit Jahren die sogenannten „Rechtspopulisten“ der FPÖ hetzen. Sein erklärtes Ziel, damit der FPÖ Stimmen abzujagen, hat er damit nicht erreicht, sondern wie die CSU in Bayern durch die Übernahme rechtsextremistischer Forderungen der AfD das Original nur noch stärker gemacht. Kurz und niemand anders trägt die Verantwortung dafür, dass Österreich sich möglicherweise in die Reihe der sezessionistischen „Visegrad“-Staaten unter einer schwarz-blauen Regierung einreihen wird.

Das Original, die FPÖ, hat landete mit ihrem Spitzenkandidaten Strache nah am zweiten Platz unter den Parteien. Sie liegt tatsächlich gleichauf mit den Sozialdemokraten von der SPÖ, die auf 26 Prozent zurückfiel. Die SPÖ verlor so die Wahl krachend und sieht sich einem gesamtgesellschaftlichen Rechtsruck gegenüber, der in seinen Folgen für Europa in kleinem Maßstab einer Regierungsübernahme von Marine Le Pen in Frankreich gleichkommt. Denn die FPÖ ist keineswegs eine rechtspopulistische, sie ist eine rechtsextremistische Partei. Sie wird seit Jahrzehnten von dubiosen Seilschaften studentischer Verbindungen beherrscht und gesteuert. Weiterlesen

Trumps Rassismus geht uns alle an

Von , am Donnerstag, 17. August 2017

Man fühlt sich in die Zeit der 50er Jahre des letzten Jahrhunderts in den USA zurückversetzt: Weiße Rassisten und Neonazis machen die Straßen unsicher und demokratische Gegendemonstranten werden schikaniert. Dann rast ein rassistischer Mörder in eine Gruppe Gegendemonstranten und tötet eine junge Bürgerrechtlerin. Ein Präsident Trump, der mit Hilfe dieser Neonazis und Rechtsextremisten gewählt wurde, findet 48 Stunden lang keinerlei verurteilende Worte. Dann sagt er etwas gegen Rassismus, der nicht ginge, nimmt es aber anschließend wieder halb zurück und gibt die Schuld an den Ausschreitungen Opfern wie Tätern gleichermassen. Nur die Schilder „whites only“ auf Parkbänken und Toiletten fehlen noch.

Dafür schämen sich viele Amerikaner, dafür muss sich auch die gesamte „freie“ Welt fremdschämen. Der US-Präsident ist ein Gipfel der Peinlichkeit, Inkompetenz und Verantwortungslosigkeit und ein neonazistischer Sympathisant. Darüber dürfen demokratische Politiker nicht zur Tagesordnung übergehen. Denn in seiner Haltung liegt eine Gefahr, die in die EU und andere Staaten des Westens ausstrahlt. Weiterlesen

Critical Whiteness: die „Normalen“ sind das Problem

Von , am Sonntag, 23. Juli 2017

In den 90er Jahren nahm ich an einem „Anti-Rassismus-Training (ART)“ der damaligen Initiative Schwarze Deutsche (heute: Initiative Schwarze Menschen) teil. Man musste sich damals verpflichten, hinterher nicht davon zu erzählen. Was einerseits verschwörerisch schien, hatte andererseits seinen guten Grund. Die Teilnehmer*innen sollten sich individuell weiter als gewohnt öffnen und kritisieren lassen. Sonst hätten sie ja nichts dabei gelernt. Wir haben damals über uns gelernt, im schönsten Hotel, das ich jemals bewohnt habe – ich war danach noch zweimal privat dort und heute gibt es das leider nicht mehr: es war das Hotel „Rheinvilla“ in Boppard.
Eine Lehre damals: niemand ist „nicht rassistisch“, aber jede*r anders. Nichts ist normal, wenn man nur bereit und in der Lage zu Empathie und Perspektivenwechsel ist. Darum fällt es bis heute fast allen Beteiligten so schwer, über die auch unter Linken umstrittene Forschungs- und Politikrichtung „Critical Whiteness“, im kantigen Deutsch auch Weiss-Seins-Forschung genannt, offen und kritisch zu diskutieren.
Umso ehrenwerter, dass die „Zeitfragen“-Feature-Redaktion von DLF-Kultur sich in der letzten Woche dieser Mühe selbst unterzogen hat. Wer besser verstehen will, was das soll, und worum es geht: bitte hier.

Mark Terkessidis / Rudolf Walther / Deniz Yücel

Von , am Donnerstag, 23. Februar 2017

Wenn uns alle etwas eint, dann ist es die Überzeugung „Ich bin kein Rassist“. Nicht wenige neigen zu einer Fortsetzung dieses Satzes mit „, aber…..“ Es gibt Stellen in Köpfen und Diskursen, über die wollen wir nicht so viel wissen. Keine Zeit. Viel zu tun. Wichtigeres vor allem. Mark Terkessidis können wir so nichts vormachen, einer der klügsten Migrationsforscher und Publizisten, und übrigens auch ein kämpferischer mit Körpereinsatz arbeitender Redner.
Rudolf Walther versucht Didier Eribon vor der Vereinnahmung durch deutsche Feuilletons und auch ein bisschen vor sich selbst zu retten. Im Kern geht es darum, Roman und Analyse nicht zu verwechseln. Ein guter Roman ist dramaturgisch zugespitzt und vereinfacht das Politische zugunsten einer stimmigen Erzählung. Genau das sollten politische Analysen aber vermeiden, sonst werden sie falsch.
Kein Ahnung was Deniz Yücel von taz und Jungle World zur „Welt“ getrieben hat, in den Knast gehört er jedenfalls dafür nicht, in einen türkischen schon gar nicht. Die FAZ stellte nun einen Kursbuch-Text von ihm online, der eine gute Zusammenfassung des politischen Geschehens der Ära Erdogan darstellt.

Frankreich / Nazi-V-Mann / Wagenknecht / Jantschke

Von , am Donnerstag, 16. Februar 2017

Es ist unser Nachbar, Frankreich, unser bester Freund, wenn Deutschland überhaupt noch Freunde hat, aber unsere Medien sind seltsam desinteressiert. Weil es „nur“ um Rassismus geht? Um Rassismus bei und in der Polizei; die nimmt einen angenommenen Wahlsieg von Frau Le Pen schon vorweg, wie Bernhard Schmid in der Jungle World berichtet.
Der NSU-Untersuchungsausschuss vernimmt einen ehemaligen V-Mann in der Nazi-Szene, in nichtöffentlicher Sitzung und zwei Präsidenten (einer Ex-) des sog. „Verfassungsschutzes“. Bei solchen Zeugen ist die Wahrheitsfindung besonders schwer, wie Andreas Förster im Freitag erläutert.
Warum redet Sahra Wagenknecht nur noch so kariert daher, wenn es um Merkel, Flüchtlinge und internationale Solidarität geht? Weil sie vor allem von letzterem keine Ahnung hat, und damit als vorgeblich gelernte „Kommunistin“ auch keine von einer politischen Rolle, die die Arbeiterklasse gespielt hat und spielen könnte, wenn sie über kluge Parteien und Gewerkschaften verfügen würde, meint Michael Jäger im Freitag. Wagenknecht repräsentiert so „perfekt“ das Versagen deutscher linker Organisationen.
Tony Jantschke personifiziert die neue Abwehrstärke von Borussia Mönchengladbach in einem lesenswerten Sp-on-Interview. Es gibt also auch gute Nachrichten.

Rassismus: kennen Sie Afrofuturismus?

Von , am Donnerstag, 26. Januar 2017

Ich auch nicht.
Ich kenne „Shaft“. Ein oscargekrönter Spielfilm von 1971, mit Fortsetzungen in den frühen 70ern und einem Revival 2000. Ich weiss von Spike Lee, einem Regisseur, der sich nur sehr mühevoll und kämpferisch gegen den Hollywood-Rassismus durchzusetzen weiss.
Die meisten von uns sind sicher fähig, wenigstens ein halbes Dutzend schwarzer Musiker aufsagen zu können. In der Musik taugen sie als Projektionsfläche unseres „Anderen“ verborgenen Ichs. So funktioniert unser Alltagsrassismus.
Schlimmer aber ist in meinen Augen unsere ungebildete Ahnungslosigkeit, das diskriminierende Weglassen wichtiger Teile menschlicher Geschichte und Kultur. Das Deutschlandradio bot gestern zum Afrofuturismus eine seltene Abhilfe, eine Perle des Radioschaffens.
Es ist seltsam, dass wir vom „schwarzen“ Kontinent, aber von „weissen“ Flecken sprechen, wenn es um Dinge geht, von denen wir nichts wissen….

Panikmache regiert das Land

Von , am Dienstag, 20. Dezember 2016

Gestern Abend ist in Berlin ein Sattelzug in einen Weihnachtsmarkt gefahren und hat nach bisherigen Erkenntnissen zwölf Menschen getötet und achtundvierzig verletzt. Das ist schlimm, wenn dies absichtlich geschehen ist, noch schlimmer. Das Mitgefühl mit den Opfern und ihren Angehörigen sowie die hoffentlich baldige Genesung der Verletzten sind das Wichtigste. Dies wäre die richtige Reaktion, wenn wir nur im mindesten ernst nähmen, was die Weihnachtsbotschaft des christlichen Glaubens meint. Barmherzigkeit und Mitleid mit den Opfern und ja, auch mit dem Täter, egal wer er ist. Denn wie fehlgeleitet, wie irrsinnig und weit weg von jeder Menschlichkeit muss ein Mensch gekommen sein, der so etwas – möglicherweise, wir wissen es immer noch nicht – mit Absicht getan hat? Warum schreibe gerade ich als Atheist so etwas? Weil ich trotzdem glaube, dass ein Weg der inneren Stärke und Sicherheit von uns allen, nur über Mitleid und Barmherzigkeit erlangt werden kann und nicht über Hass und Gewalt. Der Gedanke kam mir, als ich heute Morgen das „Handelsblatt Morning Briefing“ las, in dem Herausgeber Steingart von „Zivilisationsfinsternis“ und einer „weltweiten Serie des Unheils“ schrieb und die Frage stellte, „ab dem wievielten Anschlag der Krieg“ beginnt?

Als vor einigen Jahren in Köln ein Raser auf dem Ring in eine Menschenmenge fuhr und ich weiß es nicht mehr genau, ich glaube, fünf Menschen tötete, darunter den Sohn den Oberbürgermeisters Schramma, war das eine furchtbare Tat. Aber niemand kam deshalb auf die Idee, Weiterlesen

Rassismus bei uns / TV-Unterhaltung tot / Duterte / Realos

Von , am Sonntag, 20. November 2016

Isaiah Lopaz spiegelt mit einem Kunstprojekt den deutschen Rassismus in Berlin (FAZ).
Die deutsche TV-Unterhaltung ist im Eimer, wie sie bei einer Fachtagung in Köln selbst feststellte (FAZ).
Auf den Philippinen regiert nun schon über längere Zeit ein Präsident, der ein Vorbote für Entwicklungen in vielen weiteren, großen und kleinen Staaten sein könnte, wenn wir es einfach so weiterlaufen lassen (Jungle World).
Die Grünen Realos haben „es“ vergeigt, meint Franz Sommerfeld; es liest sich ein bisschen wie enttäuschte Liebe, verkennt auch die wichtige Rolle, die Jürgen Trittin bei der Durchsetzung des Präsidenten Gauck gespielt hat, ist ansonsten in der Analyse aber sicher treffend (Carta).

Demokratiewachsamkeit

Von , am Mittwoch, 16. November 2016

von Mely Kiyak / Otto-Brenner-Stiftung
Festrede zur Verleihung des Otto-Brenner-Preises am 15.11.2016 in Berlin
– Es gilt das gesprochene Wort –

Sehr geehrte Preisträger, sehr geehrte Gastgeber der Otto-Brenner Stiftung, geschätzte anwesende Kollegen, sehr verehrte Damen und Herren, liebe Freundinnen und Freunde
Als ich die Einladung erhielt, die heutige Festrede halten zu dürfen, schaute ich zunächst einmal nach, um wen es sich bei Otto Brenner eigentlich handelt. Er war in Hannover geboren, was – das sage ich aus biographischer Erfahrung – glauben Sie mir das bitte, immer ein tragischer Start für ein Leben ist.

Mit nur 13 Jahren wurde er Gewerkschaftsmitglied, machte Karriere und brachte es bis zum Vorsitzenden der IG Metall. Vom einfachen Zeitungszusteller und Nietenpresser zum Gewerkschaftsboss, ist in Deutschland – damals wie heute – wo die Herkunft eines Menschen seinen gesellschaftlichen und beruflichen Werdegang beeinflusst, eine der wenigen und seltenen Möglichkeiten als Arbeiterkind, und das war Brenner, aufsteigen zu können.

Brenners Parallelen zu meinem Leben sind verblüffend. Auch ich bin ein Arbeiterkind. Auch ich kämpfe seit meinem 13. Lebensjahr in der Gewerkschaft. Weil ich nämlich die Tochter eines Kupferdrahtlackierers bin. Weiterlesen