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Champions League: Gähnen und Lehrgeld zahlen

Von , am Mittwoch, 6. Dezember 2017

Endlich vorbei, die Gruppenphase der europäischen Champions League, in der sich die Fussballkonzerne von Trump-Freund Murdoch und anderen Medienmogulen und Sponsoren mit Geld zuscheissen lassen. Überraschungen? Die grösste ist vielleicht, dass es der FC Basel mal wieder in die besten 16 geschafft hat, im Endspurt mit einem 1:0 gegen ManU und einem Auswärtssieg in Lissabon.
Die deutschen Teilnehmer am Schneckenrennen hinter dem Fussballkonzern aus dem süddeutschen Raum, Brause Leipzig und der BVB, zahlten Lehrgeld. Leipzig zuhause gegen die Reserve von Besiktas Istanbul, die zuhause noch nicht einmal in ihrer Stadt die Spitze bilden, 1:2. Und der BVB gegen die Reserve von Real 2:3. Aubameyang hatte sein Vorstellungsgespräch im Bernabeu-Stadion, machte seine zwei Tore. Im Für-Sich-Selbst-Glänzen hat er Weltmeisterniveau, eine Mannschaft mitreissen kann er nicht.
Die Bundesliga bestätigte damit, dass sie weder die stärkste Liga der Welt noch von Europa ist. Das wahre Gipfeltreffen ist Sonntag um 17.30 h in Manchester. Bei ManU gegen ManCity trifft US-amerikanisches auf arabisches Grosskapital, und sie führen katalanische (City, Guardiola) gegen portugiesische (ManU, Mourinho) Fussballschule ins Feld. Deutschland ist mit dem Schwarzen Leroy Sane aus dem Ruhrgebiet und dem einer türkischen Familie entstammenden Ilkay Gündogan, geb. in der gleichen Stadt wie ich, (beide deutsche Nationalspieler, beide ManCity) beteiligt. Wer gerne stolz sein will auf unser Land: bitteschön!

Dopingparadies Fußball

Von , am Mittwoch, 15. Februar 2017

In Deutschland und England ärgert mann sich sehr, dass der spanische Fussball ihnen, meistens, bei Länderturnieren und in den Europapokalen der Vereinsmannschaften seit über 10 Jahren eine lange Nase zeigt. Die spanischen Großklubs Real und Barca beherrschen den Fußball nicht nur sportlich, sondern auch in der Geldliga; sie sind globale Marken, unbezahlbar wertvoll im Entertainmentgeschäft. Real wird dabei von der spanischen Staatspartei PP protegiert, das florierende Barcelona inkl. Womanizer Pep Guardiola, hat seine ökonomischen Fühler in die arabischen Feudaldiktaturen ausgestreckt.
Thomas Kistner/SZ fragt darum verständlicherweise, ob das Zufall sein kann. Zufällig auch hat die rechte Parlamentsmehrheit, Engagement der Linken ist allerdings auch nicht bekannt, eine Ratifizierung internationaler Antidopingabkommen bisher verschleppt, so dass sie in Spanien immer noch keine Rechtskraft haben.
Vom Antidopingkampf im deutschen Fussball ist allerdings auch wenig bekannt. Im Ohr klingen noch die Heuchel-Interviews, Doping würde im Fussball ja „gar nichts bringen“. Finanzdoping ist dagegen, ausser in Fan- und Ultrakreisen, unumstritten. Das Magazin „Sponsors“, der Name ist die Nachricht, listet die erste Finanzfußballliga auf, mit auf den ersten Blick seriös geschätzten Zahlen. Auch diese Tabelle „lügt nicht“; ein deutscher Traditionsverein von „1899“ gehört dieser Ersten Liga an. Eine gewisse Logik haben also die nächsten WM-Veranstalter Russland 2018 und Katar 2022. Auf sie wird China folgen, wetten?
Beim Fußball ist es wie bei der Deutschen Bahn. Bei ihr ist das einzige, was den Betrieb stört, der Fahrgast. Beim Fussball ist der Einzige, der beim Geldverdienen stört, der Fan im Stadion. Samstag Fünfzehndreissig schauen wir im Westfalenstadion in die Zukunft.

China

Von , am Samstag, 7. Januar 2017

Birgit Schönau ist eine Italien-Korrespondentin, von der ich mir wünschen würde, dass mehr Politikredaktionen als nur das Studienräteblatt Die Zeit sie mit Schreibaufträgen eindecken. Weil sie schon so lange dort lebt, sich als Deutsche in Italien gut integriert hat, gelingen ihr die am wenigsten oberflächlichen Reportagen und Analysen. Seit dem Tod von Werner Raith ist sie die beste deutsche Korrespondentin im südlichsten Stadtteil von Köln. Aktuell gelingt ihr mit einer Bestandsaufnahme des italienischen Vereinsfussballs gleichzeitig eine geopolitische ökonomische Analyse, wie das chinesische Businesskapital sich Eingang in mittel- und vielleicht auch langfristig Sonderrenditen versprechende kapitalistische Branchen verschafft. Und wie unideologisch und wenig zimperlich es dabei zugeht. Ökonomisch klug von der chinesischen Seite ist, dass sie sich als Zielgebiet Bereiche mit günstigen Einkaufspreisen ausgesucht hat, nämlich die sportlich seit einiger Zeit heruntergewirtschafteten aber über eine große globale Anhängerschaft verfügenden Mailänder Klubs, und nicht die überhitzte Premier League oder die Bundesliga. In Spanien sind nicht die überteuerten Aushängeschilder Real oder Barca das Ziel, sondern Atletico; in Frankreich ist man am Überraschungsspitzenreiter Nizza beteiligt und dreht den arabischen (PSG) und russischen (Monaco) Investoren von oben eine lange Nase.

Der Trick der chinesischen Okonomie-Strategen ist, dass sie als angebliche „Kommunisten“ am wenigsten ideologisch vernagelt sind, Weiterlesen

Kompliment BVB – Ansätze zur Weltklasse

Von , am Mittwoch, 7. Dezember 2016

Wie schwer die Krise meiner Lieblingsmannschaften, Barca und der Borussia vom Niederrhein ist, hat man heute in Madrid gesehen. Gegen dieses Real Madrid konnte Barca zuhause nicht gewinnen, und bei diesem Barca ging meine Borussia unter.
Der BVB hat heute gezeigt, wie schlagbar Real ist, was für eine mittelmässige Mannschaft diese Ansammlung von unbestrittenen Weltklassestars zusammen bildet. Wie bei Barca ist das Strukturproblem, im Defensivspiel die Ruhepausen und defensiven Unvollkommenheiten der Stürmerstars zu kompensieren. Die Stars sind gut zum Strahlen, fürs Spektakel, fürs Marketing; für Mannschaften sind sie ein großes Problem. Ich erinnere nur daran, dass Portugal das EM-Finale gegen Frankreich gewann, als Ronaldo verletzt ausgeschieden war.
Der BVB, als Mannschaft immer noch unvollkommen in der Umbruch- und Findungsphase, hat die Schwächen von Real heute intelligent offengelegt. Pepe fehlte, Ramos wird nicht mehr schneller, ein harmonisches Ensemble sind die nicht. Die BVB-Youngster Dembele und Pulisic hatten Probleme ins Spiel zu finden, doch für ihre spielerische Reifung war es mit Sicherheit ein epochales Ereignis. Sofort voll da war der kurz vor Schluss eingewechselte Däne mit türkischen Verwandten Emre Mor. Wie er vor dem Ausgleichstor den Ball eroberte und mit einem Zauberpass Aubameyang auf die Reise zur Torvorbereitung des 2:2 von Marco Reus schickte, das findet Platz in zukünftigen Lehrfilmen. Der ist 19!
Marco Reus, verdammt. In all seinen Verletzungspausen schätze ich uns Gladbach-Fans glücklich, dass „wir“ für ihn noch so viel Geld bekommen hatten. Die Führerscheingeschichte hatte sogar Borderline-Charakter, persönlich in jeder Hinsicht dramatisch. Doch wenn man ihn spielen sieht, ist das alles vergessen. Stoff für eine weitere Legende.
Monsanto Leverkusen spielte heute auch, in einem kleinen Stadion, das dennoch nur halbvoll war. Merkwürdig, an der sportlichen Leistung lag es nicht. Also woran dann?