Schlagwort-Archive: Rummenigge

Die Nomenklatura kanns auch nicht

Von , am Sonntag, 1. Oktober 2017

Die deutsche Fussballmeisterschaft scheint so langweilig zu laufen wie jedes Jahr. Nur dass der Meister dieses Mal wechselt. Es läuft auf den BVB hinaus, der auch schlechte Spiele, sogar solche seines nächsten Verkaufskandidaten Aubameyang, gewinnt.
Der Fussballkonzern aus dem süddeutschen Raum wird dagegen weiter für gute Unterhaltung sorgen. Nach dem 0:3-Untergang in Paris und dem erfolgreichen Trainersturz machte es die heute auf dem Platz stehende Kabinennomenklatura auch nicht besser. Wie zuvor gegen Wolfsburg wurde ein 2:0-Vorsprung noch vergeigt. Ribery verletzte sich, Robben war auch nach einer Stunde müde. Die Abwehr aus Boateng, Hummels, Kimmich und Alaba sprach immer wieder Einladungen an die Berliner „Männerfussball„-Ideologen aus. Der beste Fussballer in ihren Reihen Kalou nahm eine dieser Einladungen an.
In der Tabelle der börsen- und konzernunabhängigen Vereine, zu denen Hannover 96 ja bald nicht mehr zu zählen ist, führt jetzt also Weiterlesen

The winner: Ancelotti & China

Von , am Freitag, 29. September 2017

Die Ignoranz des Medienrudels ist oft zum verzweifeln. Ich hatte das hier schon zu Saudi-Arabien/Jemen hervorgehoben: es ist unfassbar, dass, was für Unsereinen eine fünfminütige Recherche-„Arbeit“ ist, bei der Mehrzahl der professionalisierten Mediendinestleister schon eine Überforderung ist. Im gescheiterten „realen Sozialismus“ gab es mal die Fantasie von der „allseitig gebildeten Persönlichkeit“. Sie scheint im heutigen Kapitalismus definitiv nicht möglich zu sein. Ein bisschen mehr Lesen und Lernen, das wäre schon viel.

Noch schlimmer als im Politikjournalismus sieht es beim Sport aus. Das einzige sportjournalistische Produkt des deutschen Fernsehens und seiner hunderten Programme, die WDR-Produktion „Sport inside„, beendet – sage und schreibe am 1. Oktober – seine „Sommerpause“.
In der abgelaufenen Woche wurde uns vorgespielt, dass der arme Trainer Ancelotti wegen angeblicher Erfolglosigkeit seinen gut bezahlten Arbeitsplatz loswurde. Wie lächerlich ist das denn? Nur einer, Gladbach-Fan Christian Eichler bei der FAZ, scheint es verstanden zu haben. Weiterlesen

Rummenigge knapp einem Anschlag entronnen

Von , am Dienstag, 26. September 2017

Wenig wahrgenommen von der breiten Öffentlichkeit hat der Präsident des Fußballkonzerns aus dem süddeutschen Raum Karlheinz Rummenigge kürzlich den Vorsitz in der Vereinigung der europäischen Grossclubs (ECA) aufgegeben, nach immerhin 10 Jahren. Kaum war sein Nachfolger, Juve- und Fiat-Boss Agnelli bestimmt, schlug direkt mal eine Bombe im Gebälk der Fussballkonzerne ein. Agnelli wurde verurteilt. Von einem italienischen Sportgericht.
Das allein ist schon eine Sensation.
Nicht minder spektakulär ist die Straftat: er hat die lukrative Verwaltung eines Fanblocks an die kriminelle Vereinigung N’Drangheta, die kalabrische Mafia übergeben. Der Kopf des größten norditalienischen Kapitalblocks macht also gemeinsame Sache mit dem brutalsten Mafiazweig Süditaliens.

Stört das irgendjemanden im europäischen Fussballbusiness? Interessiert das irgendjemanden in der EU? Ach was, Kleinkram, heute wird wieder Geld in der Champions League gemacht, Murdochs Sky wird senden (in Deutschland exklusiv!), China, Katar, Aserbaidschan und Russland werden zuschauen. Das ist wirklich wichtig.

Die ULTRAS in BILD

Von , am Donnerstag, 17. August 2017

von Dieter Bott

MORGEN BEGINNT DIE NEUE BUNDESLIGA SAISON—
Am freitag 18.august 2017–


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SO GEWALTTÄTIG WIRD DIE NEUE SAISON prophezeit BILD am 5.august 17 — als beweis druckt BILD den „HASS-SONG vom rapper M.I.K.I“ in voller länge ab — schmutzig gelb–schwarz eingefärbt —-

der refrain:
FÜR DIE GROSSE LIEBE –LOHNT SICHs IMMER IN DEN KRIEG zu gehen—FUSSBALL UNSER LEBEN—DIESE LIEBE BLEIBT BESTEHEN—
DESHALB ZIEH`N WIR IN DIE SCHLACHT— und schreien – KRIEG DEM DFB“

seit anfang august bereitet die BILD-zeitung die fussball-interessierten vor mit der „ EXPLOSIVEn STIMMUNG vor dem bundesliga-start BVB-BOSS WATZKE WARNT „ULTRAS RÜCKEN ZUSAMMEN“
„ENGLAND ENTSETZT – HANNOVER CHAOTEN SORGEN FÜR ABBRUCH“

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POLITIK MUSS EINGREIFEN fordert walter m. straten im BILD-KOMMENTAR (am 7.august 17) Weiterlesen

Mal ’ne schöne Abwechslung: Bayernkrise

Von , am Mittwoch, 26. April 2017

Kaum hat Horst Seehofer angekündigt, auf ärztlichen Rat doch nicht in Rente zu gehen, da nimmt sich der Fussballkonzern im süddeutschen Raum eine Krise. Eigentlich hatte man nie das Gefühl, dass der BVB das heutige Pokal-Halbfinale gewinnen könne. Das 0:1 verursachte imgrunde Bayern-Verteidiger Martinez, quasi Doppeltorschütze heute.
Der BVB war weit von Spitzenleistungsfähigkeit entfernt. Die war heute nicht erforderlich. Dembele, über 60 Minuten mit überwiegend fahrigen Aktionen, genügte ein Arschwackler mit feinem Schrägschuss, sowie eine exzellente Flanke auf Aubameyang, um der Saison für beide Vereine eine mglw. entscheidende Wende zu geben. Weiterlesen

Max Eberl – es wird eng

Von , am Mittwoch, 15. März 2017

Rainer Bonhof war als missratener Trainer das Gesicht eines Tiefpunktes der Vereinsgeschichte des VfL 1900 Borussia Mönchengladbach: der erste Bundesligaabstieg 1999. Auf ihn folgte Hans Meyer. Heute sind beide Vorstandsmitglieder und als solche nationale Spitzenklasse. Weil sie nicht ständig in die Schlagzeilen drängen, weil sie die Leistungsträger ihre Arbeit machen lassen, weil sie – ein immer seltener werdender Charakterzug – auch mal die Klappe halten können.

Was Bonhof jetzt gemacht hat, ist dennoch richtig. Planungssicherheit ist wichtiger als monatelanges Tauziehen. Es gibt keinen Anlass, die eigene Planung und Arbeit von den politischen Ränkespielen der diversen CSU-Seilschaften bei diesem Konzernverein im süddeutschen Raum abhängig zu machen. Wenn die keine Entscheidungen über ihre Machtverhältnisse treffen können, müssen wir ein eigenes Drehbuch schreiben.

Die Ablösesumme für den Manager Eberl wird um ein Vielfaches höher sein müssen, als sie es für den Spieler Eberl gewesen wäre. Borussia könnte sich freilich auch die beste Lösung leisten: dass er bleibt, und die tolle schon von ihm geleistete Arbeit fortsetzt und zu weiteren sportlichen (und wirtschaftlichen) Erfolgen führt; die Fundamente dafür sind gelegt. Das Abenteuer, das ihm Hoeness und Rummenigge bieten können, würde dagegen irgendwann ein böses der Gesundheit nicht zuträgliches Ende finden.

Update 16.3.: Medienmeldungen, auf die sich mein Kommentar bezieht, basieren auf einem offensichtlichen Durchstich aus der Vereinsführung heraus an das Lügenblatt mit den großen Buchstaben. Dass jemand meint, darauf angewiesen zu sein, ist immer ein Zeichen von Schwäche und mangelndem Format. Der offizielle Originalton von Bonhof geht so. Mit uninterpretierbaren klaren Ansagen von Eberl wäre alles zu erledigen.

Champions League – die fällige Reform

Von , am Mittwoch, 8. März 2017

Reichtum, das haben wir gelernt seit es den Kapitalismus gibt, bedeutet waaahnsinnig viel Verantwortung. Im Fussball hat sich mittlerweile so viel Verantwortung angesammelt, dass sein Geschehen nicht mehr so ausschliesslich sportlichen Zufällen ausgesetzt sein darf. Es gibt Städte in Europa, in denen der Fußball schon der größte Arbeitgeber ist; andere könnten jederzeit von den Clubbesitzern komplett gekauft werden, weil sie aufgrund ihrer Überschuldung in Geld ausgedrückt nichts mehr wert sind.

Darum hier der Vorschlag, um in Zukunft Ruin und Verzweiflung zu vermeiden. Und den Fussball, nicht in der Champions-League, aber ausserhalb von ihr, wieder spannend zu machen.
Statt einer willkürlichen Auslosung von Gruppen und Spielpaarungen wird folgendes festgesetzt: Weiterlesen

Westherne und Nordlüdenscheid im Panicroom

Von , am Dienstag, 31. Januar 2017

In Düsseldorf war eine Sportbusinessmesse. Und die wichtigste dort diskutierte Frage war, wie die Fans endlich vollständig enteignet werden können. Imgrunde also die Trumpsche Agenda herunterdekliniert auf unsere beliebteste Sportart, die jetzt neu definiert wird als letzte kapitalistische Goldgrube, nachdem alles andere leider abgegrast und ausgebeutet ist. Relevanter Widerstand dagegen ist nicht erkennbar. Dennoch ist die Nervosität groß. Denn es könnte sein, dass die kapitalistische Systematik nicht von Kommunisten, sondern von sich selbst gekillt wird.

In Düsseldorf wurde den Sport-„Journalisten“ in die Aufnahmegeräte diktiert, dass die „50+1-Regelung“, eine letzte Bremse gegen schrankenlose Investoreninvasion, die in Wolfsburg, Leverkusen, Hoffenheim, Leipzig und Hamburg längst nicht mehr gilt, bald ganz weg soll. Für Hannover 96 und seinen verhassten Präsidenten Kind, quasi eine Trump-Zwergenausgabe in der DFL, zu spät. Der hat das Verhältnis zu den Fans so vollständig ruiniert, Weiterlesen

Max Eberl

Von , am Montag, 23. Januar 2017

Natürlich bringt mich, wie jeden Gladbach-Fan, das Werben des Steuerkriminellen Uli Hoeness um Max Eberl zur Weißglut. Und ich kann darum mit Eberls Interview am Samstag im Aktuellen Sportstudio nicht zufrieden sein. Trotzdem bleiben Restzweifel, ob Hoeness‘ Störmanöver erfolgreich enden kann, denn Eberl ist ein kluger Kopf. Ich versuche mal, mich in ihn reinzuversetzen.

Es wäre unvernünftig von Eberl, die alte Geheimagentenweisheit, die exakt identisch im nicht weniger kriminellen Fußballbusiness gilt, „Sag‘ niemals nie!“ zu vergessen. Darum seine Einsilbigkeit auf entsprechende Fragen. Seinen Buddy Hoeness, in alten Jugendfußballertagen liebgewonnen, und Eberl war damals keine Supertalent, sondern lebte auch schon als aktiver Fußballer von seinen charakterlichen Stärken, wollte er nicht öffentlich desavouieren. Die Antworten auf alle anderen Fragen waren aber durchaus erhellend. Weiterlesen

Fussballbusiness – kommt jetzt der Weltkrieg?

Von , am Dienstag, 10. Januar 2017

Die Kriegserklärung der Fifa gegen die globalen Großklubs ist jetzt auf dem Tisch. Eine WM mit 48 Teilnehmerstaaten soll Marktanteile der Kontinentalverbände in Europa (Champions League) und Südamerika (Copa Libertadores) zurückerobern und die ökonomisch schwächeren Länder und Kontinente in einem Bündnis vereinen.

Die Fifa war bisher in der Defensive. Die USA, keine Fußballgrossmacht, gingen aggressiv mit ihrer staatlichen Justiz gegen ihre globale Korruption vor. Es war gleichzeitig Teil des Schleifens des Schweizer Bankgeheimnisses, jedenfalls sind die USA davon nicht mehr betroffen, wenn sie es nicht wollen. Ökonomische Interessen der USA wurden dabei nicht geschädigt, im Gegenteil.

Auf einer anderen Seite steht die – im Fussball durchaus heterogene – Grossmacht China. Darum geht es im Kern bei dem Fifa-Beschluss: wer leitet das unüberschaubare chinesische Businesskapital in seine Kanäle? Weiterlesen