Schlagwort-Archive: Spiegel

Braucht Trump schon einen Krieg?

Von , am Freitag, 11. August 2017

Als es für Margaret Thatcher erstmals innenpolitisch eng wurde, brach sie 1982 den Falkland-Krieg vom Zaun. Das lief so perfekt, dass der Spiegel noch heute begeistert ist. Irgendjemand wird Donald Trump sicher schon mal davon erzählt haben.

Während ein SZ-Korrespondent heute sensationellerweise mal den Versuch unternimmt, sich strategisch in die Rolle von Nordkoreas Diktator zu versetzen, beschreibt Frauke Steffens erneut, wie gefährlich Sondermittler Mueller den Oligarchengeschäften Trumps, und – zunächst – seiner Hintersassen kommt. Gegen Mueller scheint Trump keine Gegenmittel mehr zu haben. Er braucht also, im schlimmen Sinne des Wortes, ein anderes „Schlachtfeld“.
Fast alle anderen internationalen Parteien scheinen dagegen vernunftgeleitet: China, Südkorea mit linksreformerischer, selbst Japan, mit rechtsreaktionärer Regierung. Aber welches Mittel haben sie gegen „America first“?

Linke Grüne – nicht so dumm wie der „Spiegel“

Von , am Montag, 24. Juli 2017

Als Informationsquelle habe ich den „Spiegel“ bisher nie benutzt. In allen Bereichen, in denen ich selbst politisch engagiert war, hat er sich kontinuierlich als Quelle von „Fake-News“ erwiesen, als der Begriff in unserer Sprache noch gar nicht existierte.
Daran scheint sich bis heute nichts wesentliches geändert zu haben. Mir sind viele Linke bei den Grünen ja auch zu dumm, wie ich hier oft genug beklagt habe.
Aber dass sie sich jetzt schon verbieten zu tun, was für einen Fall gilt, der noch gar nicht eingetreten ist, und nach eigenem Willen auch nicht eintreten soll, dafür reicht die Doofheit nicht, sondern allenfalls die feuchte Fantasie karrierlüsterner Realos und mit ihnen befreundeter Spiegel-Journalist*inn*en.
Nach meinen Informationen aus Berlin: frei erfunden. Das einzige was stimmt: dass sich dort Leute treffen, um Sachen zu besprechen. Was sollen die da in der Hauptstadt auch sonst den ganzen Tag tun?

(Einige) Medien in Panik und Auflösung

Von , am Samstag, 22. Juli 2017

Um das Folgende zu verstehen, müssen Sie sich zunächst Folgendes vorstellen. Sie sind Oberhaupt eines Milliardärsclans, der seinen Wohlstand der Arbeit von hunderten qualifizierten Journalist*inn*en zu verdanken hat. Bis vor gut 10 Jahren liefen die Geschäfte. Und Ihre Konten voll.
Und jetzt das: die einstigen Cashcows, die Publikumszeitschriften, und auch die Vorzeigeprodukte, die gedruckten Zeitungen. BILD hat weniger als ein Drittel von dem, was das „Lügenblatt“ (Kittner) einst in den 90ern hatte.
Selbst wenn sie kein Verlegermilliardär (bzw. sein Erbe) sind, sondern mit geringerer Fallhöhe „nur“ z.B. Mitglied der Mitarbeiter-KG des Spiegel, dann sehen sie an diesen Zahlen, wie Ihre komplette Altersvorsorge mit wachsender Geschwindigkeit abkackt. Der Spiegel hat einst, wie der Stern, an der Millionenmarke gekratzt. Ich erinnere mich daran, als wenn es gestern gewesen wäre. Und Focus scheint komplett zu verschwinden …
Oder Sie sind nur da angestellt. Und unter 50. Dann wissen Sie: Weiterlesen

GMSM – gute Medien, schlechte Medien: Naidoo, Nahles, Trump, Uganda, Somalia

Von , am Freitag, 12. Mai 2017

Marcus Klöckner zeichnete vorgestern auf telepolis nach, was „die (meisten) Medien“ mit einem Schlagersänger veranstaltet haben. Interessant an seiner Darstellung ist die medienkritische Seite. Es scheint zum Geschäftsmodell dieses Entertainers zu gehören, sich mit Hilfe der beschriebenen Mechanismen im Gespräch zu halten. Ich kann das nicht sympathisch finden; warum spielen es seine scheinbaren Gegner*innen also so gut mit?

Extrem übel – oder bescheuert? -, was der Deutschlandfunk mit Andrea Nahles angestellt hat. Mir ist schon mehrmals aufgefallen, dass das gute Radioprogramm mit seinen reflektierten und in der Regel wohltuend differenzierenden Inhalten, von der Nachrichten- und/oder Online-Redaktion boulevardesk zugespitzt wird, weil wohl der Glaube vorherrscht, ohne Boulevardniveau „im Netz“ nicht wahrgenommen zu werden. Ein Irrtum.

Nur an einer deutschen Stelle, in der Jungen Welt vermerkt von Knut Mellenthin, fand ich einen Hinweis auf einen „guten“ Grund für das Feuern des FBI-Chefs: Weiterlesen

„Zukunft der Arbeit als öffentliches Thema“

Von , am Mittwoch, 26. April 2017

von Jupp Legrand (Otto-Brenner-Stiftung)

+++ Studie der Otto Brenner Stiftung (OBS) analysiert Presseberichterstattung über die Zukunft der Arbeit +++ Welche Botschaften stehen im Mittelpunkt? +++ Welche Probleme werden diskutiert, welche Hoffnungen geweckt? +++ Prozess der Digitalisierung wird wie ein Naturgesetz wahrgenommen +++ politische Gestaltungsansprüche bleiben wenig ambitioniert und seltsam reduziert +++

Die Arbeitsgesellschaft durchlebt seit Jahren einen epochalen Umbruch. Es müssen Antworten auf radikale Neuerungen gesucht und Lösungen für dramatische Veränderungen gefunden werden. Doch an die Zukunft der Arbeit richten die meinungsbildenden Medien in Deutschland nur altbekannte Fragen: Sie berichten über die technischen Veränderungen und beschreiben die digitale Revolution im Horizont der seit 150 Jahren vertrauten Probleme. Zu diesem Ergebnis kommt eine Untersuchung der Otto Brenner Stiftung, die soeben zum diesjährigen Tag der Arbeit erschienen ist.

Die Autoren haben die Presseberichterstattung von elf deutschen Tages- und Wochenzeitungen analysiert und unter dem Titel „Die Zukunft der Arbeit als öffentliches Thema“ veröffentlicht. Der Untertitel diagnostiziert eine „Presseberichterstattung zwischen Mainstream und blinden Flecken“. Untersucht wurden u. a. „Der Spiegel“ und „Die Zeit“, die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“, die „Süddeutsche Zeitung“, „Die Welt“, das „Handelsblatt“ und „die Tageszeitung“.
„Sorgenvolle Unausweichlichkeit“ sei der Grundton der Medienberichterstattung, resümiert die Studie. Weiterlesen

Murdoch – aus seiner Rippe ist Trump

Von , am Donnerstag, 16. Februar 2017

Es gab mal zwei Verleger, die in den 80ern um den britischen Zeitungsmarkt kämpften: der Australier Rupert Murdoch („The Sun“) und Robert Maxwell („Daily Mirror“). Maxwell kam auf nicht wirklich aufgeklärte Weise ums Leben. Der konservative Autor Jeffrey Archer verfasste über diesen Kampf einen Schlüsselroman unter dem Titel „Das Imperium“ (Originaltitel: „The Fourth Estate“), flott geschrieben und auch heute noch lesenswert.

Viel ist seitdem passiert. Murdoch suchte sich die britischen Premierminister aus, kaufte den britischen Fußball (Sky/Premier League) und eroberte auch den US-Medienmarkt (Fox) und den deutschen Fußball (Sky/DFL). Doch an seinem Lebensabend Weiterlesen

Linken-Krankheit: Hengst- und Stutenbissigkeit

Von , am Freitag, 27. Januar 2017

Kritik ist eine gute Sache. Wenn sie weiterführend ist, wenn sie geeignet ist Gutes besser zu machen. Eine tragische Sackgasse ist sie, wenn sie von Besserwissen und Bitterkeit erfüllt ist. Zwei Beispiele, bei denen Sie selbst abwägen können.

Jakob Augstein, ein kluger, reicher Mann, der es aber zweifellos als Verleger und Journalist nicht leicht hat und sich im wahren Leben oft wirklich keinen schlanken Fuss macht, setzt sich bewusst von einem der klügsten und besten deutschen Medienjournalisten Stefan Niggemeier frontal ab, und was fast noch dümmer ist, von der Anti-Trump-Demokratiebewegung in den USA. Bei Niggemeier muss man sich daran erinnern, dass der kurze Zeit und bestimmt fürstlich bezahlt beim Spiegel gearbeitet und den im Konflikt und unter öffentlichem Absingen von Meinungsverschiedenheiten nach kurzer Zeit wieder verlassen hat. Weiterlesen

Die Empathie-Frage, Der Spiegel und noch eine Charta

Von , am Freitag, 2. Dezember 2016

Gestern lernte ich eine junge Frau kennen, die zum Thema „Empathie“ promovieren wird. Ich fragte sie, ob sie meinen Eindruck teilt, dass das eine gesellschaftlich schwindende menschliche Fähigkeit sei. Nein, im Gegenteil. Wow, dachte ich, wie aufregend. Mit ihrem Arbeitsergebnis ist leider erst 2018 zu rechnen. Ob wir noch so viel Zeit haben?

Der Spiegel jedenfalls nicht. Dort ist wieder (oder immer noch?) Feuer unterm Dach. Ich weiss gar nicht, wann es dort zum letzten Mal eine Chefredaktion gab, die das Schiff in ruhige Gewässer lenken konnte. Es scheint schlicht unmöglich. Der Apparat und die widerstreitenden Interessen, alles zu groß, um es noch steuern zu können. „Sturmgeschütz“? Das war schon zu besseren Zeiten nur ein Mythos, eine Marketinglegende.

Nicht viel besser geht es Der Zeit. Sie ist wohl übermütig, weil sie fast die letzte deutschsprachige Zeitung auf Papier ist, deren Auflage nicht dahinschmilzt wie Schnee im Rheinland. Darum will sie nicht mehr bei dem bleiben, was sie kann, ene Wochenzeitung produzieren, sondern, weil Politiker*innen und Gesellschaft nichts mehr gebacken kriegen, muss sie nun selbst politische Interventionen organisieren: eine „Charta für digitale Grundrechte“. Man muss nicht gleich darüber herfallen, wie es der anscheinend nicht angefragte Markus Kompa tut, obwohl er durchaus sachdienliche Hinweise gibt, aber es hat wohl doch zu zahlreichen Auffahrunfällen und gekränkten Eitelkeiten geführt. Mein Favorit, was Pragmatik und politische Professionalität betrifft, ist in diesem Gewühle Markus Beckedahl.

WM-Quali: Jetzt mal nicht überschnappen

Von , am Sonntag, 9. Oktober 2016

Guter Fußball war das gestern Abend, BRD – Tschechien 3:0. Der Gegner hat sich nicht wehrlos ergeben, die deutsche Mannschaft war gut, und Tschechien exakt eine Klasse schwächer. Klassischer Medienreflex: nach einem guten Spiel direkt mal total Überschnappen, wie hier Peter Ahrens beim Spiegel. Da wird die Mannschaft eines bekannt kaufkräftigen DFB, der immer, immer, immer von „Losglück“ bei der Zusammenstellung von Qualifikationsgruppen begünstigt wurde, zu den nächsten Weltmeistern 2018 hochgejazzt. Drunter gehts wohl nicht – was ist der Rest der Welt gegen uns?
Trotzdem bewegt sich die Welt auch im Rest ausserhalb von uns Großmacht. Während unser schärfster Rivale in der Quali-Gruppe z.Z. Aserbaidschan ist, überraschen die Inselvölker. Malta unterliegt nur 0:2 beim Kolonialherren England. Island, die Stars der letzten EM, siegte in der 95. Minute 3:2 gegen Finnland. Und die gefürchteten Faröer-Inseln bleiben ungeschlagen und siegen auswärts 2:0 in Lettland; da wäre man gerne auf einer der Inseln in einer Fußballkneipe dabei gewesen – falls sie nicht alle mit der Mannschaft mitgereist sind. Es wird interessant sein, ob den Kapverdischen Inseln in der Afrika-Quali ein ähnlicher Coup gelingt, nachdem sie die afrikanischen Fußballgroßmächte schon bei letzten Africa-Cup zur Verzweiflung gebracht haben.
Diese „exotischen“ Ereignisse halten den Fußball am Leben. Er stirbt erst, wenn die Ergebnisse sich aus den Kapitalflüssen ausrechnen lassen. Es ist nicht mehr weit bis dorthin. Aber wer will das erleben?

Hier noch ein kleiner Blick in die deutsche Fußballwirklichkeit: Julian Weigl im Interview mit Michael Horeni, beide Leistungsträger ihres Gewerbes (FAZ). Weigl sitzt bei Löw auf der Ersatzbank, und bleibt so ebenso unverletzt, wie die von Löw konsequent übersehenen Leistungsträger der Mönchengladbacher Borussia. Schade für die Spieler, aber nervenberuhigend für den Fan.

Explosiver Feudalismus

Von , am Freitag, 2. September 2016

Heute meldete der Spiegel, dass uns die Bundesregierung und das Erdogan-Regime als Geisel ihrer Syrien-Kriegsführung nehmen. Geopfert wurden: die türkische Bevölkerung in Deutschland und der Türkei. Keine Visafreiheit heisst keine Reisefreiheit, Familien können nicht zusammenkommen, sich nicht unkompliziert besuchen, sondern bleiben getrennt, ein Entfremdungsförderungsprogramm, verfassungsfeindlich, denn dort steht die Familie unter Schutz. Das Erdogan-Regime erhält von der Bundesregierung – angeblich, die Bundesregierung interpretiert das ganz anders – einen geschichtspolitischen Persilschein, dass jüngst die Bezeichnung des Massenmordens gegen die Armenier vor rund hundert Jahren als „Völkermord“ durch den Bundestag rechtlich nicht weiter von Belang sei. Die tollwutartige Nationalismusideologie in der Türkei, Weiterlesen