Schlagwort-Archive: Westerwelle

Grüne / BVB / Balkansalafismus / BRD-Entstehung

Von , am Samstag, 30. September 2017

Rhetorisch hat es Robert Habeck voll drauf. In einem langen taz-Interview findet er heute weitgehend den richtigen Ton, wie in seinen zahlreicher werdenden Talkshowauftritten. Eine gute Medienperformance muss nicht immer identisch sein mit dem harten praktischen Handeln, wenn die Türen zu sind. Da ist bei jeder/m Misstrauen und Aufklärungsinteresse angebracht. Aber das Publikum ist ja schon dankbar, wenn einer überhaupt etwas gut kann.

Den richtigen Ton findet heute auch BVB-Trainer Peter Bosz in einem langen Interview für die WAZ. Rührend und sehr informativ, was er über sein Zusammentreffen und Kennenlernen mit Johan Cruyff erzählt. Niemand hat so schöne Spuren im Fussball hinterlassen, wie der.

Mit Norbert Mappes-Niediek habe ich Ende der 70er Jahre mal einen Bonner AStA ausgehandelt, er für den SHB, ich für den LHV. Vorsitzender wurde dann der Mathematiker und heutige Wissenschaftsjournalist Christoph Drösser, Stefan Eisel und eine Angelika Westerwelle mussten tatenlos dabei zusehen. Es war eine grosse Freude. Mappes hat ebenfalls die Journalistenkarriere eingeschlagen. Ich weiss nicht, wie reich er damit wird, für mich als Leser/Hörer hat es sich jedenfalls schon sehr gelohnt. Er lebt im schönen Graz und berichtet von dort für mehrere deutsche Medien über das Geschehen auf dem Balkan. Jüngst ein DLF-Feature über die Entwicklung des Salafismus in mehreren benachbarten Ländern. Bei diesem Autor lernen Sie immer noch was dazu.

An ein wichtiges Kapitel aus der Entstehungsgeschichte der BRD Erinnert Markus Kompa auf Telepolis. Es ist ein Kapitel, das in den meisten Schulbüchern und Leitmedien grosszügig weggelassen wird. Manche wittern dahinter Verschwörungen. Das neudeutsche Wort dafür ist Netzwerken. Das gibt es schon, seit es Menschen gibt.

Russland – SPD vergibt Chance

Von , am Sonntag, 3. September 2017

Kurzdenkende Freunde beim linken Datensammelunternehmen Campact meinen jetzt schon, in den Bonner Bundestagswahlkampf für die SPD eingreifen zu müssen. Sie zerstören damit selbst ihr Branding einer unabhängigen Basisbewegung und machen sich zum Instrument sozialdemokratischer Sonderinteressen, ganz schwach.
Von den üblichen alltäglichen Intrigen in der Parteispitze der SPD sind die Zeitungen voll. Sie müssen nichts recherchieren, weil die Genoss*inn*en alles selbst durchstechen. Strategisches Denken würde da nur stören.

Ich kann weder Altbundeskanzler Schröder noch den Hauptstadthäuptling des Stern Hans-Ulrich Jörges gut leiden, moralisch grenzwertige Persönlichkeiten, aber nicht total bescheuert, eher im Gegenteil. Jörges machte letzten Sonntag im ARD-Presseclub beim Thema Schröder eine treffende Bemerkung, Weiterlesen

Nächstes Schlachtfeld: Libyen?

Von , am Samstag, 15. Juli 2017

Thomas Pany von telepolis ist nach meiner Wahrnehmung ein sorgfältiger und differenzierenden Beobachter. Für mich ist es darum beunruhigend, was er beim Frankreich-Besuch Trumps wahrgenommen hat. Demzufolge haben sich Trump und Macron im Libyen-Bürgerkrieg auf den Warlord Haftar geeinigt. Er soll die Macht erobern, einen Anschein von Staatlichkeit herstellen und dafür sorgen, dass Schwarzafrikaner daran gehindert werden, das Mittelmeer zu erreichen.
Haftar hat beste Massenmörder-Referenzen. Wenn er also in den zukünftigen Lagern viele Menschen umbringen und sterben lässt, dann ist es von uns keiner gewesen und kann es öffentlich bedauern/kritisieren, je nach Bedarf der eigenen nationalen Öffentlichkeit. Im Lichte dieser verbrecherischen Deals erscheint mein einstiger politischer Gegner Guido Westerwelle in einem immer strahlenderen Licht. Als früherer Bundesaussenminister hat er dafür gesorgt, dass unsere Regierung sich – vermutlich leider nur vorübergehend – an einer militärischen Intervention in Libyen nicht beteiligte.
Der Dealer Trump dagegen, das ist in diesem grausamen Szenario fast schon wieder ein Hoffnungszeichen, ist so windig, das er eigentlich kaum geschäftsfähig ist. Lesen sie mal hier, was die FAZ derzeit über seine Russland-Deals berichtet. Das hätten sich Mario Puzo und Francis Ford Coppola alles kaum ausdenken können.

EU&Bundesregierung lassen Verbrecher Flüchtlinge jagen

Von , am Donnerstag, 19. Januar 2017

Libyen – das war das Land, wo unsere Bündnispartner eine kritikwürdige Regierung weggebombt haben. „Wir“ haben uns dank der Weisheit des damaligen Aussenministers Westerwelle, er hatte eben auch gute Seiten, daran nicht beteiligt. Was haben die Bomben gebracht? Keine Regierung, ein Land ohne Staat, im Bürgerkrieg zahlreicher Milizen. Was es aber geben soll, ist eine „Küstenwache“, das ist ohne Staat zwar eine Fiktion, aber die Bande wird einfach von EU und Bundesregierung so ernannt, ausgebildet und dafür bezahlt, Menschen daran zu hindern das zerstörte Libyen zu verlassen und sie dort unter mörderischen Höllenbedingungen einzusperren. Entsprechende Dokumente liegen der Monitor-Redaktion des WDR vor und wurden heute gesendet. Angefragte Ministerien unserer Regierung waren zu keiner Stellungnahme vor der Kamera bereit. Diese Tauchstation deckt sich mit den Vertuschungen in der NSU-Mordserie oder im Fall des Attentäters von Berlin. Wenn Sie eine Regierungskoalition wissen, die diese Praxis nach der Bundestagswahl beenden würde, sagen Sie mir Bescheid – das wäre wichtig für meine Wahlentscheidung.

Fluchtursachen schaffen ist der rote Faden dieser Politik. Ist Ihnen auch nicht aufgefallen, dass wir seit ein paar Tagen keine Berichte mehr aus Aleppo bekommen? Von meinen Eltern und Großeltern weiss ich, dass die ersten Nachkriegsjahre nur geringfügig weniger schlimm als der Krieg selbst waren – Hungersnöte, Kindersterblichkeit, „gewohnt“ wurde in Trümmern. So ähnlich muss es jetzt in Aleppo sein. Doch warum informiert uns (fast) niemand? Wo sind die Spendenaufrufe für Hilfsgüter und Wiederaufbau? Ich finde das gespenstisch, und ich gestehe, genauso gespenstisch ist mir, dass ich mich da in voller Übereinstimmung mit der doktrinären Jungen Welt befinde. Wird hier publizistisch schon eine Vorkriegszeit simuliert?

Passend dazu die faktische Unmöglichkeit, Informationen über das Kriegsgeschehen rund um das irakische Mossul zu bekommen, selbst für die wenigen Journalist*inn*en, die sich darum bemühen. Kriegselend und -opfer bleiben unbekannt, keine Bilder = kein Entsetzen.

Hilflos getrieben von der AfD

Von , am Montag, 3. Oktober 2016

In einem Jahr findet die nächste Bundestagswahl statt und beim Blick auf den Zustand der Parteien muss sich Besorgnis breit machen. Es ist absurd bis zur Lächerlichkeit: Da mutiert eine kuriose Splitterpartei, einst von einem rechthaberischen und eitlen Professor gegründet, der nicht die Realitäten von zusammen wachsenden Nationalökonomien in Europa zur Kenntnis nehmen will, unterstützt von einem großmäuligen Unternehmer und Ideologen der Deregulierung zum Auffangbecken für Rechtsextremisten jeder Couleur. Die Partei wird angeführt von zwei Frontfrauen, deren Weltbild dem meiner Tante Erna entspricht, Jahrgang 1914, einst Mitglied im BDM (Bund Deutscher Mädel) und Absolventin der NS- Bräuteschule, welches sie unverändert mit ins Grab nahm. Petry und Storch möchten den Begriff „völkisch“ mit neuem Leben erfüllen, Frauen sollen keusch sein, heiraten und gehören an den Herd – Petry und Co selbst glauben diesen Blödsinn nicht und führen ihn durch die eigene Lebensführung ad absurdum.

Die Programmatik ist primitiv: Arme Zuwanderer, nicht die Reichen, sind an der sozialen Ungerechtigkeit schuld. Weiterlesen