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Null Fieber vor dem Spiel

Von , am Samstag, 18. März 2017

Geld regiert die Welt. Auch Schiedsrichter gehören zu dieser Welt. Sie empfinden noch soziale Verantwortung für die Erhaltung von Arbeitsplätzen und nehmen eine Kanzlerschaft von Martin Schulz in ihrer ganzen Ambivalenz bereits vorweg. Barca-PSG mit dem deutschen Schiri Aytekin: trotz katarisch-künstlicher Ernährung für PSG ist Barca trotzdem umsatzstärker und die klar wertvollere globale Marke. Gestern Abend: bei Audi in Ingolstadt sind die Staatsanwälte, die kann man doch bei unserem nationalen Champions-League-Vertreter nicht mutwillig punkten lassen. Und in der Europa-League: Gladbach wird das Ausscheiden überleben, S04 dagegen wäre endgültig pleite gewesen – und zwar in jeder Hinsicht. Wer will zu meiner notleidenden Geburtsstadt Gelsenkirchen so brutal unbarmherzig sein?

Alle Verhältnisse sind bereits im März wohlgeordnet. In der Champions League ist der große Eisenbahnraub bereits erledigt, das Viertelfinale zur Aufteilung der Beute ist angerichtet. Das Interesse an der Bundesliga ist schon so gesunken, dass Herr Rummenigge sich verdächtig veranlasst sah, mal wieder jedes Interesse an einer internationalen Superliga zu leugnen. Wenn er dabei nur nicht immer so rote Backen kriegen würde ….

Was kann also morgen noch kommen? Der erste Gladbacher Auswärtssieg der Geschichte gegen diesen Gegner erreichte mich in den 90ern völlig unerwartet in Cagliari/Sardinien im Urlaub. Sowas passiert allenfalls mal, wenn man am wenigsten damit rechnet. Insofern sind die Voraussetzungen günstig wie lange nicht mehr. Exzellent beschrieben von den Kollegen von seitenwahl.de. Kompliment an Christoph Clausen, das hätte ich nicht besser schreiben können.

Ich werde heute Abend im 17. Stock eines Bonner Hotels mit einem Fan auf der Durchreise dinieren, seine letzte warme Mahlzeit vor dem Spiel. Er hat zum Sommelier umgeschult, er soll den Wein aussuchen, es soll uns an nichts fehlen.

Und wenn ich die Bundesligasendung morgen abend auslassen will, bin ich eben gespannt, wie sich Ska Keller bei Anne Will schlägt. Der attraktivste Mann in der Runde ist gleichzeitig der Älteste. Das politischste Programm wartet allerdings im Islandkrimi „Trapped“ im ZDF. Irgendwie wird der Abend gelingen.

Öffentlich-rechtliches Trash-TV

Von , am Freitag, 17. März 2017

Ende dieses Monats kommt die Umstellung von DVB-T auf DVB-T2. Die gebührenfreie technische Zusendung von TV-Programmen gilt – nach einer dreimonatigen Karenzzeit – dann nur noch für öffentliche-rechtliche Sender, für die wir bereits unsere monatliche Haushaltsabgabe von gut 17 Euro bezahlen. Ein großer Programmverlust wird das nicht. Um die „2 Broke Girls“ von Pro7 ist es ein bisschen schade, war ’ne schöne Zeit. Vielleicht sehen wir uns online wieder.
Umso empfindlicher reagiere ich, wenn unsere teuer bezahlten ARD und ZDF mit ihren Nebensendern uns als Revanche mit Müll vollsenden.
So fällt aktuell auf, dass die ARD die personalaufwendige 17-Uhr-Tagesschau gerne ausfallen lässt, um uns mit billigem und langatmigen Wintersport zu belästigen.
Und was das ZDF sich mit der „Goldenen Kamera“ geleistet hat, und beide sich mit allen möglichen privaten Preisverleihungen leisten ….. immerhin schämen sie sich so dafür, dass sie alle möglichen Einzelheiten dieser korruptiven Geschäftsbeziehungen vor uns geheim zu halten versuchen. Dank an Boris Rosenkranz und uebermedien.de, die sich für diesen Schrott so viel Recherchearbeit gemacht und seinen Text voll online gestellt haben.
Wenn es irgendwo in diesem Land noch demokratische Mediengesetzgebung geben sollte: hier wäre eine dankbare Aufgabe, mit solcher Verhöhnung der haushaltsabgabezahlenden Öffentlichkeit Schluss zu machen.

Nachtrag: unsere teuren Sender wären ihr Geld wert, wenn ein beeindruckendes Plädoyer gegen (linken) Weltuntergangspessimismus wie hier von Franziska Schutzbach, in Zürich als Rede gehalten und in den Blättern gedruckt, von ihnen in eine essayistische Bild- und Filmsprache übersetzt würde. Solche Fähigkeiten hat es alle beim TV mal gegeben, aber sie lassen sie aussterben.

Ernst Huberty 90

Von , am Dienstag, 21. Februar 2017

Als Moderator und Sportressortchef des WDR erschien er mir immer zu konservativ-reaktionär; als Livereporter ist er für mich dagegen Legende geblieben. Keiner kann ihm bei dieser Arbeit das Wasser reichen. Der WDR widmete ihm am Sonntagabend eine sparsame 30-minütige Würdigung und liess dafür, was er sowieso immer gerne und häufig tut, das kritische Magazin „Sport inside“ ausfallen. Für Menschen mit gutem Erinnerungsvermögen offenbarte sie sehr viel mehr Widersprüche, als für oberflächliche Betrachter*innen der Jetztzeit.

Steffen Simon, heutiger WDR-Sportchef, liess es sich nicht nehmen, seinen Vorvorgänger, zwischen ihnen war nach meiner Erinnerung nur Heribert Fassbender, selbst zu interviewen. Während er dem Jubilar mit leuchtenden Augen und getragener Stimme seine Verehrung versicherte, ist Simon doch im positiven wie negativen das komplette Gegenteil von Huberty. Weiterlesen

Panikmache regiert das Land

Von , am Dienstag, 20. Dezember 2016

Gestern Abend ist in Berlin ein Sattelzug in einen Weihnachtsmarkt gefahren und hat nach bisherigen Erkenntnissen zwölf Menschen getötet und achtundvierzig verletzt. Das ist schlimm, wenn dies absichtlich geschehen ist, noch schlimmer. Das Mitgefühl mit den Opfern und ihren Angehörigen sowie die hoffentlich baldige Genesung der Verletzten sind das Wichtigste. Dies wäre die richtige Reaktion, wenn wir nur im mindesten ernst nähmen, was die Weihnachtsbotschaft des christlichen Glaubens meint. Barmherzigkeit und Mitleid mit den Opfern und ja, auch mit dem Täter, egal wer er ist. Denn wie fehlgeleitet, wie irrsinnig und weit weg von jeder Menschlichkeit muss ein Mensch gekommen sein, der so etwas – möglicherweise, wir wissen es immer noch nicht – mit Absicht getan hat? Warum schreibe gerade ich als Atheist so etwas? Weil ich trotzdem glaube, dass ein Weg der inneren Stärke und Sicherheit von uns allen, nur über Mitleid und Barmherzigkeit erlangt werden kann und nicht über Hass und Gewalt. Der Gedanke kam mir, als ich heute Morgen das „Handelsblatt Morning Briefing“ las, in dem Herausgeber Steingart von „Zivilisationsfinsternis“ und einer „weltweiten Serie des Unheils“ schrieb und die Frage stellte, „ab dem wievielten Anschlag der Krieg“ beginnt?

Als vor einigen Jahren in Köln ein Raser auf dem Ring in eine Menschenmenge fuhr und ich weiß es nicht mehr genau, ich glaube, fünf Menschen tötete, darunter den Sohn den Oberbürgermeisters Schramma, war das eine furchtbare Tat. Aber niemand kam deshalb auf die Idee, Weiterlesen

Die Journalisten

Von , am Dienstag, 13. Dezember 2016

Die Zeit galt schon zu meiner Schulzeit als das Blatt der Studienräte. Alle hier erwähnten Subjekte haben sich seitdem stark verändert, aber die Struktur ihrer Beziehungen ist irgendwie gleich geblieben. Stephan Lebert hat dort nun eindrucksvoll die Veränderungen seines Journalistenlebens der letzten 25 Jahre nachgezeichnet, sehr realistisch, sehr lebensnah, frei von Fake. Auf eine Analyse der kapitalgetriebenen Veränderungen in seinem Berufsleben verzichtet er, wie es seine Zeitung auch gerne tut. Das Buch, das das erfasst, muss in Deutschland noch geschrieben werden. Trotzdem: lesen Sie diesen Lebert, es macht nicht dümmer.
Update: In der taz folgte dazu eine klug ergänzende Entgegnung von Anne Fromm. Hier schimmern die Klassenverhältnisse bereits durch. Die Autorin ist ein Zugewinn der taz-Medienredaktion. Sie schreibt in der Regel wenig spektakulär, aber immer wie eine aufmerksame Beobachterin, die ihr eigenes Ego zurücknimmt. Müsste sie gar nicht.
Dunja Hayali dagegen ist die Bescheidenheit ausgetrieben worden. Sie ist scheinbar – vom ZDF und von der Kölner Agentur „Barbarella Entertainment“ – so gut beraten, dass sie dass Zeug zu einer Medienrepräsentantin des von Gaucks Berater*inne*n kreierten „hellen Deutschland“ hat. Ihre Einlassung zum Feminismus könnte auch von Marktforscher*inne*n entworfen worden sein. Sie ist im Ruhrgebietskaff Datteln aufgewachsen, dort habe ich mal kurzzeitig eine Fabrikhalle gefegt. „Berühmt“ wurde die Stadt bisher durch Horst Niggemeier und durch ihn inspirierte Regionalkrimis. Ich gestehe: ich mag sie auch, die Hayali.

Statt ARD-ZDF-Fusion: Dritte Programme abschaffen

Von , am Donnerstag, 1. Dezember 2016

Dietrich Leder, einer der klügsten Medienkritiker deutscher Sprache, brachte mich mit seinem aktuellen Kommentar auf die Idee. Er schreibt richtig, dass die Dritten Programme inhaltlich alle als Regionalprogramme angelegt sind, aber längst nicht mehr regional senden, sondern alle gleichermassen empfangbar sind. Dem Internet sei dank.

Warum dann „haben wir immer so gemacht“? Warum baut die ARD dann keine gemeinsame Plattform für alle „Dritten Programme“. Lustige Frage am Rande an die Jüngeren: warum heissen die überhaupt so? Sie müssen wissen: es gab eine Zeit, da wurden in diesen Programmen Experimente gemacht, Weiterlesen

AfD / Weisse / Missbrauch / Olympia

Von , am Montag, 28. November 2016

Die AfD ist in mancherlei Hinsicht die modernste aller deutschen Parteien, z.B. in der Art und Weise, wie sie sich intern auseinandersetzt.

Weiss-sein ist nicht normal. Weltweit sind wir eine kleine – oftmals radikale – Minderheit. Aber „wir“ haben viel Macht darüber, wie die Welt zu sehen ist. Darauf weist eine taz-Kolumne hin, die sich gleichzeitig vorsichtig von überspitzenden „Critical-Whiteness“-Agitator*inn*en absetzt.

Kürzlich erwähnte ich hier eine deutsche Studie zum (sexuellen) Missbrauch im Sport. Jetzt kommt – hoffentlich – eine Aufklärungslawine im britischen Fussball ins Rollen. Leider müssen sich immer erst Opfer „bekennen“, die Täter tun es in der Regel nicht. Es wäre wohl nicht verkehrt, wenn buchstäblich jeder Fußballverein, so wie z.B. auch jede Kirchengemeinde in ihrer Vereinsgeschichte ein Reinemachen durchführen.

Unter solchen Vorzeichen ist es nur schlüssig, wenn ARD und ZDF auf Live-Senderechte von den nächsten Olympische Spielen verzichten. Die nächsten Veranstaltungen sind überwiegend in Ostasien angesiedelt: ein Finale um 20 h liefe bei uns um 4 Uhr morgens; das ARD/ZDF-Morgenmagazin beginnt immer erst um 5.30, da sind in China, Japan und Korea die Kinder schon im Bett. Der US-amerikanische „Discovery“-Konzern hat sich die europaweiten Senderechte für 1,3 Mrd. bei der kriminellen Vereinigung IOC erkauft. Mehr als 10% dieser Summe wollte er bei uns Gebührenzahler*inne*n abkassieren. Nein danke!

Tatort-Paranoia und Medientrash

Von , am Montag, 21. November 2016

Ich kenne kaum jemand, der in Ulrich Tukur nicht einen erstklassigen Schauspieler sieht. Hier eine Besprechung der gestrigen Tatort-Folge, in der er wieder die Hauptrolle spielte. Im TV ist der Tatort neben Fußball das letzte Ereignis, das in den Augen der öffentlich-rechtlichen und privaten Einschaltquotenjäger*innen noch „funktioniert“. Ich gestehe: als Zuschauer gehöre ich dazu, neben der Tagesschau das einzige Programmelement, das ich zum Zeitpunkt der Erstausstrahlung anschaue.
Dieses Sendeformat ist also das Letzte, mit dem das TV massenhaft aufnahmebereite Hirne erreicht. In der Regel immer mit einem Mord, mindestens einem. Weiterlesen

Weigl

Von , am Dienstag, 18. Oktober 2016

Der 2:1-Auswärtssieg des BVB bei Sporting Lissabon war allein schon bemerkenswert, nach der Schwächung durch zahlreiche Verletzungsausfälle. Das eigentliche Ereignis, das über dieses Spiel hinausreichen wird, war das 2:0 kurz vor dem Halbzeitpfiff durch Julian Weigl. Weigl war bisher berühmt und bei den BVB-Gegnern berüchtigt als guter Leser des Spiels und strategischer Ballverteiler. Als Torschütze war er bisher – im Gegensatz zu dem durch ihn verdrängten Nuri Sahin – nicht in Erscheinung getreten. Das hat sich heute geändert. Das war eine solche von Eleganz geschmückte Vollstreckung, wie sie in ähnlicher Weise einst von Franz Beckenbauer kreiert wurde.
Schauen Sie sich das morgen Abend noch mal in den Spiel-Zusammenfassungen des ZDF an (zwischen 22.40 h und 23.15 h). Für den Spieler selbst kann das als Schlüsselerlebnis für sein Selbstvertrauen bei einer nur extrem selten ausgeübten Aktion funktionieren. Er könnte es jetzt öfter versuchen. Darum stellt sich für die zukünftigen BVB-Gegner die Frage, wie sie mit dieser zusätzlichen von Weigl ausgehenden Gefahr umgehen werden. Wie lange wird er unverletzt bleiben?

ARD&ZDF: Seehofers ahnungslos ins Wasser geworfener Stein

Von , am Donnerstag, 6. Oktober 2016

Steine ins Wasser werfen, das kann er der Horst. Welche Wellen die erzeugen, interessiert ihn weniger. Es geht ihm ja nicht um die Sache, sondern er instrumentalisiert sie nur für den öffentlichen Effekt.

Dass es Bedarf nach tiefgreifenden inhaltlichen und strukturellen Umbauten des öffentlich-rechtlichen Mediensektors gibt, ist auch in Fachkreisen unumstritten. Die können aber strukturell nicht von ihm selbst ausgehen – im Gegenteil. Überlässt man ihn sich selbst, wird er seine eigene Implosion herbeiführen.
Der Sektor ist eine deutsche Besonderheit. Er hat historische Verdienste, die noch heute spürbar sind – demokratisch wertvolle Nischen hat er behalten, auch sozialpolitisch ist nicht gering zu schätzen, dass Deutschland vermutlich die größte nationale Free-TV-Landschaft hat.

Alle TV-Sender laufen aber mittlerweile gesellschaftlich und technologisch hoffnungslos hinter der Musik her, Weiterlesen